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Die meisten gehen nach dem Unterricht gleich nach Hause / Aber: Großes Gedränge in den großen Pausen

Nur wenige Schüler essen Mittag in der Mensa

Hessisch Oldendorf (ah). Unübersehbar steht die grüne Mensa inmitten des Schulzentrums in der Mühlenbachstraße. Bis zu 100 Essen können im 233 Quadratmeter großen Saal ausgegeben werden, 125 Sitzplätze stehen zur Verfügung. Mehr als zwei Jahre nach der Einweihung muss festgestellt werden: Die Nachfrage entspricht bei weitem nicht den gegebenen Möglichkeiten.

veröffentlicht am 21.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 02:21 Uhr

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Wer in den beiden großen Pausen vormittags einen Blick durch die große Fensterfront in das Innere der Mensa wirft, nimmt dichtes Gedränge am Tresen bei der Essens- und Getränkeausgabe wahr. „Deftige wie süße Backwaren, Süßigkeiten, in der kalten Jahreszeit warme Getränke, im Sommer Eis – das läuft alles“, sagt Küchenchefin Helga Bialas, die beim Verkauf in den Pausen von Schülern unterstützt wird. Aber beim Mittagessen, für das sie von Montag bis Donnerstag je zwei verschiedene Gerichte, eines davon ohne Schweinefleisch, zubereitet, sieht es völlig anders aus. „Maximal acht Menüs werden vorbestellt“, erklärt die Köchin.

„Piccata Milanese“ steht am Montag auf dem Speiseplan. Vielleicht zu unbekannt für Schüler? Da klingt das Mittwochsgericht „Kartoffelpüree mit Rührei und Schinkenstreifen“ doch schon vertrauter. „Dafür hat sich kein einziger Schüler angemeldet und nur einer für das Alternativgericht mit Rindergeschnetzeltem“, so Helga Bialas. Drei Euro kostet Schüler die sättigende Portion, Lehrkräfte zahlen 4,50 Euro. Von der Möglichkeit, bei wirtschaftlichen Engpässen in der Familie für einen Euro zu essen, hat noch nie ein Schüler Gebrauch gemacht.

Vier Mädchen sitzen an der Bühne der Mensa beisammen und erzählen: „Wir essen häufig hier in der Pause.“ Dann seien Käse- und vor allem die Schnitzelbrötchen der Hit. „Ein warmes Mittagessen brauchen wir nicht, denn unsere Mütter kochen zu Hause“, erklären drei der vier Mädchen. Zwei Jungen sagen, dass sie jede Pause in der Mensa zubringen, um Freunde aus anderen Klassen zu treffen, Getränke, Käsebrötchen oder süße Tüten zu kaufen und weil es dort schön warm sei. Und Mittagessen? „Da gehe ich zum Supermarkt, hole mir Chips und einen Energiedrink“, lautet die Antwort eines 14-Jährigen, der dabei widerrechtlich das Schulgelände verlässt. „Man sieht hier genau, wofür Werbung gemacht wird“, reagiert Helga Bialas darauf.

Jannik, 15, und Lukas, 17, gefällt es in der Mensa richtig gut. Essen würden sie hier allerdings nur manchmal, und wenn dann Pommes. Ein Menü am Vortag extra bestellen, das sei nicht so ihre Sache. „Wir fänden es besser, wenn wir uns spontan etwas aussuchen könnten“, sagen sie. Nur dienstags und donnerstags stürmen Schüler nach der sechsten Stunde die Mensa. „Im Rahmen der teilgebundenen Ganztagsschule haben die fünften Klassen an diesen Tagen Nachmittagsunterricht“, erklärt der Leiter der Oberschule, Ottmar Framke. „Nach oben hin“ dünne sich das Ganztagsangebot aus, da es dort weniger Anmeldungen von Älteren für Nachmittags-AGs gebe, fügt er hinzu. Das bedeutet, dass die meisten Schüler nach dem Unterricht direkt nach Hause gehen. Zu Beginn des Schuljahres fand für die Fünftklässler ein Probeessen in der Mensa statt, viele von ihnen kehren seither regelmäßig ein, aber: Gegen Pommes kommen die Tagesgerichte nicht an. „Pommes sind geil“, sagt ein Elfjähriger; dafür habe ihm seine Mutter am Morgen extra Geld mitgegeben. Wie er haben auch die anderen sieben Jungen an seinem Tisch eine Tüte Pommes in der Hand. 30 Portionen Pommes geben Helga Bialas und ihre Mitarbeiterin innerhalb kurzer Zeit aus. „Schnell etwas, das satt macht, auf die Hand“, kommentiert die Köchin den Run auf die frittierten Kartoffeln. Eine Lehrerin kommt vorbei, nimmt vorbestellte Portionen eines Menüs in Empfang und mit nach Hause. „Ich finde es gut, wenn ich an stressigen Tagen mal auf solch ein Angebot zurückgreifen kann“, erklärt sie.

Einige Schüler kaufen sich einen Burger und eine Currywurst, der 13-jährige Lukas hat sich ein Menü bestellt. „Bis zu dreimal pro Woche esse ich hier, es schmeckt mir richtig gut“, meint er. Auch zwei Zehnjährige, Mona und Tijana, bestellen sich häufiger ein Menü. Diesmal hat Mona Reis, Gemüseschnitzel und Quark gewählt, Tijana Reis mit Cordon bleu. Beide kosten vom Essen der anderen und sind sichtlich zufrieden.

Ihr Kind habe in der Anfangszeit regelmäßig in der Mensa zu Mittag gegessen, doch die Gerichte seien nicht so schmackhaft gewesen wie Pommes, erzählt eine Mutter und ergänzt: Weil sie selbst solch ungesundes Essen nicht gutheiße, esse ihr Kind nun mittags wieder zu Hause. Sie führt weiter aus, dass es anfangs saisonales Essen gegeben habe und auch Salat, außerdem seien Thementage durchgeführt worden – „gesundes Essen eben“, fügt sie hinzu. Salat fehle heute komplett, ihr Geschäft mache Frau Bialas mit Pommes und Süßigkeiten. „Für Salat müsste ich eine Salatvitrine mit Kühlung anschaffen, doch der wird ja von den Schülern nicht gegessen“, reagiert Helga Bialas auf den Vorwurf. Sie erinnert an ein besonderes Menü für Französischklassen, bei dem es zur Vorspeise einen Rohkostteller gab, den viele nicht angerührt hätten. Gleiches gelte für Obst. „Wenn ich bei über 700 Schülern nur zwei Früchte am Tag verkaufe, ist das nicht wirtschaftlich“, betont sie. Vor Weihnachten habe sie Äpfel mit Schokoladenüberzug angeboten; die meisten musste sie wegwerfen, weil sie nicht gekauft wurden. Als in der Saison Spargel auf dem Speiseplan stand, der sich im Übrigen nicht geändert habe, hätten dieses Gericht auch nur zwei Personen bestellt. Und was die Pommes anbelange: „2011 habe ich nach einem Gespräch mit dem Schulleiter, einer Vertreterin der Lehrkräfte sowie der Eltern einen Monat lang einen Pommesfreien Tag pro Woche durchgeführt. An diesen Tagen holten sich die Schüler woanders ihre Pommes, denn in dem Alter lassen sie sich nicht mehr vorschreiben, was sie essen sollen.“

Von Montag bis Donnerstag beschäftigt Helga Bialas eine Mitarbeiterin. „Wir wissen ja nie, was uns am Mittag erwartet“, erläutert sie. Bis zu acht Stunden ist sie in der Mensa beschäftigt, schließlich muss nach dem Kochen noch die Küche sauber gemacht werden. Hinzu kommen die Einkäufe. „Man muss schon ganz schön viel Idealismus mitbringen“, lautet das Fazit der Mensa-Köchin.

Mona (re.) und Tijana probieren auch gerne mal das, was die andere isst.

Foto: ah



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