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Fischbecker Bahnhalt wäre attraktiv – gerade auch in Verbindung mit dem Projekt „Süntelstraße“

Nur drei Minuten bis Hameln

veröffentlicht am 30.08.2016 um 10:40 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:56 Uhr

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Marc Fisser

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„Das werden wir nicht widerspruchslos hinnehmen“, sagte Hessisch Oldendorfs Stadtdirektor Dirk Hattendorf im Februar 1986. Doch es nutzte nichts: Keine vier Monate später war tatsächlich der letzte Zug im Stiftsdorf abgefahren, der Bahnhof Fischbeck verschwand aus den Fahrplänen. Zuletzt waren dort laut Deutscher Bundesbahn im Durchschnitt pro Tag noch 27 Menschen ein- und ausgestiegen. Es war die Zeit, als sich die DB auf dem Lande dem Auto und Bus geschlagen gab. Die Hessisch Oldendorfer hatten noch Glück, dass ihre Strecke lediglich auf ein Gleis zurückgebaut und nicht ganz stillgelegt wurde. Und Fischbeck ist bahntechnisch wiederbelebbar – das sagt nicht die Stadtverwaltung, sondern ist die Erkenntnis der zuständigen Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG).

Die Prüfung der Machbarkeit läuft in Hannover seit 2015. Und schon vor zwei Jahren hat die Stadt Hameln bei der LNVG beantragt, einen Haltepunkt an der Süntelstraße anzulegen. Dieses nur fünf Kilometer entfernte Projekt muss keine Konkurrenz sein, sondern könnte die Station Fischbeck noch zusätzlich voranbringen. Denn von dem Dorf aus wären es dann nur noch drei Minuten bis Hameln – mit kurzen Fußwegen zum Schul- und Behördenzentrum und in die Innenstadt. Zum Vergleich: Mit dem Auto ist man rund acht Minuten unterwegs, mit dem Bus noch viel länger. Darüber hinaus könnten die Berufspendler aus dem 3200-Einwohner-Ort und aus der Umgebung komfortabel zum Bahnhof in Hameln oder Elze gelangen, um dort etwa nach Hannover oder Paderborn umzusteigen. Für die LNVG gelten als Haltepunkt-Kriterien 2000 Bewohner im Umkreis von 1,5 Kilometern, 50 Zusteiger pro Tag – die könnten in Fischbeck schon allein durch die Schüler erreicht werden –, sowie drei Kilometer Abstand zum nächsten Stopp. Die Fahrzeit der Regionalbahn würde sich um zwei Minuten je Zwischenhalt verlängern. Das wäre bei diesem Nahverkehrsangebot für die Fahrgäste verkraftbar, schließlich stoppt auch die S-Bahn einer Großstadt überall dort, wo die Menschen leben, arbeiten oder einkaufen.

Für die Stadt Hameln böte sich angesichts der veränderten Einstellung von Bund und Land zum Schienenverkehr sogar noch eine weitere Möglichkeit: Auch ihr größter Ortsteil, Afferde mit 5300 Einwohnern, könnte wieder einen Bahnsteig erhalten. Analog zu Fischbeck wäre dann für viele eine komfortable und fixe stündliche Verbindung zu den Umsteigebahnhöfen und zum Ziel Süntelstraße gegeben. Dort befinden sich in fußläufiger Entfernung die Kreisverwaltung, die Arbeitsagentur, das Jobcenter, das Finanzamt, die Allgemeine Ortskrankenkasse, zwei Gymnasien, eine Gesamtschule, geplant sind eine große Berufsschule sowie die von Auswärtigen stark frequentierte Technische Akademie. Hamelns früherer Fachbereichsleiter Volker Mohr hatte Pläne für den Haltepunkt gezeichnet und die Kosten auf „nur“ 400 000 Euro für einen unüberdachten Bahnsteig geschätzt; bei der LNVG wird allgemein mit dem Doppelten gerechnet. Das Land als Träger des Schienenpersonennahverkehrs trüge jedenfalls 75 Prozent der Kosten.

Die Kreisverwaltung hat sich mit dem Bahnthema nach Auskunft der Pressestelle noch nicht befasst. Es sei dann auch ein Gesamtkonzept mit dem Busverkehr nötig, den der Landkreis organisiert und durch seine eigene Firma betreibt. Und der unter schrumpfenden Schülerzahlen – der wichtigsten Fahrgastgruppe – leidet. Ein idealer Bahnverkehr könnte die Zahl der Busbenutzer zusätzlich drücken.

Der Landkreis befände sich also in einem Interessenkonflikt. An dem weniger attraktiven Busverkehr in Fischbeck würde möglicherweise nur deshalb im alten Umfang festgehalten, um das eigene Öffis-Defizit nicht durch Umsteiger in die vom Land bezuschusste Bahn zu vergrößern. Gerade erst hat sich Landrat Tjark Bartels (SPD) gerühmt, im Schulterschluss mit anderen Politikern und mit Anwohnern die mögliche Wiederherstellung der Zweigleisigkeit – verbunden mit einem Ferngüterzugverkehr – verhindert zu haben.

Seit Jahren verhindern die fahrplantechnischen Engpässe jegliche Verbesserung auf der Linie Löhne–Elze. Wie die LNVG bestätigt, sind die Haltestellen-Projekte positiv beschieden worden. Die Umsetzung sei aber nur möglich, wenn am Fahrplansystem oder an der Infrastruktur etwas geändert werde, wenn es etwa einen zusätzlichen Ausweichpunkt oder spurtstärkere Fahrzeuge gäbe. „In den nächsten drei bis vier Jahren wird sich da wohl nichts tun“, sagt LNVG-Sprecher Rainer Peters. Dass auch eine Teilstrecke etwa bis zur Süntelstraße, nach Fischbeck oder Hessisch Oldendorf mit wenig Aufwand wieder zweigleisig werden könnte, wurde bisher nicht geprüft. Die Deutsche Bahn als Eigentümerin des Netzes hat jedenfalls kein Interesse daran, dort etwas für die Konkurrenz zu tun. Denn den Zugbetrieb auf dieser Linie hat sie schon lange kampflos aufgegeben.



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