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Trotz nur weniger Mittel folgt die Bücherei den aktuellen Trends

Neueste Bücher auf kleiner Fläche

HESSISCH OLDENDORF. Zum Buch gelangt man heutzutage ganz schnell: Online wird es mit wenigen Klicks zum heimischen Briefkasten geordert, E-Books sind sogar schon nach ein paar Sekunden auf dem mobilen Endgerät. Bücher in der Hessisch Oldendorfer Bücherei auszuleihen, geht nicht so schnell und auch nicht rund um die Uhr. Trotzdem laufe es gut für die „kleine und feine“ Bücherei, erzählt Büchereiangestellte Rita Sprick. Was ist das Erfolgsrezept?

veröffentlicht am 13.03.2018 um 17:03 Uhr
aktualisiert am 13.03.2018 um 20:10 Uhr

Rita Sprick (li.) und Karin Jochens bemühen sich, die Bücherei – obwohl nicht allzu groß – attraktiv zu gestalten. Foto: jsp
Jens Spickermann

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Wegen des Haushaltsnotstandes der Stadt war der Bücherei 2014 eine Schrumpfkur verordnet worden: Beim Bücherei-Personal fiel eine Stelle weg. Das Budget erscheint außerdem relativ klein: Für Neuanschaffungen von Medien stehen jährlich 6000 Euro zur Verfügung. Hinzu kommt noch Geld für die Miete sowie 1000 Euro jährlich für Inventar.

„Unsere Leser sind begeistert, dass wir immer auf dem neuesten Stand sind“, sagt Mitarbeiterin Rita Sprick. Durch den engen Kontakt zu den Besuchern wisse man recht gut, welcher Lesestoff gewünscht ist. Die gefragtesten Bücher habe man außerdem im Bestand: Im Genre Belletristik decke die Bücherei 80 bis 90 Prozent der Spiegel-Bestsellerliste ab. Pro Jahr würden 500 Bücher neu hinzukommen, dafür aber genauso viele ältere ausgemustert. Bei den Neuanschaffungen reagiere die Bücherei außerdem auf aktuelle Trends: Seit drei bis vier Jahren seien Regional-Krimis stark in Mode. „Das ist deutschlandweit richtig in Gang gekommen“, sagt Sprick.

Unsere Leser sind begeistert, dass wir immer auf dem neuesten Stand sind.

Rita Sprick, Bücherei-Mitarbeiterin

Mit einem riesigen Angebot, wie in Online-Shops oder großen Handelsketten, kann die Bücherei nicht dienen. „Unsere Räumlichkeiten sind begrenzt“, sagt Sprick. Es könne sich aber nicht jeder leisten, Bücher zu kaufen, manche seien deswegen auf die Bücherei angewiesen.

Die Überschaubarkeit der Bücherei habe auch seine Vorteile, findet Sprick. Die Chance sei so größer, die Bücher im Bestand selbst zu kennen. Auch die Vorlieben der Kundschaft kenne sie ganz gut, deshalb klappe es, den Lesern passgenaue Angebote zu empfehlen. Auch unter den Bücherei-Besuchern gebe es eine eigene Dynamik, erzählt Sprick. Die Leute kennen sich zum Teil und geben sich manchmal gegenseitig Buch-Empfehlungen.

Derzeit führt die Bücherei etwa 600 Kunden in ihrer Kartei. Gemessen an der Einwohnerzahl von Hessisch Oldendorf ist das zwar ein vergleichsweise kleiner Anteil. Diejenigen, die kommen, scheinen jedoch Stammgäste zu sein: Im Jahr 2017 wurde die Bücherei 7454-mal besucht und dabei 9103 Medien ausgeliehen. Rein rechnerisch kommt jeder der Kunden also etwa einmal im Monat vorbei.

Als „Baustein der Bildung“ mit engem Kontakt zur Leserschaft lobt die zuständige Fachbereichsleiterin Margareta Seibert die städtische Einrichtung. „Hier wird engagiert gearbeitet.“ 2014 seien der Stadt von der Kommunalaufsicht Einsparungen vorgeschrieben worden. Seitdem bestehe aber kein politischer Wille, bei der Bücherei weitere Kürzungen vorzunehmen. „Auf ein niedrigeres Niveau kann man es nicht mehr fahren“, so Seibert. Die drei halben Öffnungstage in der Woche seien schon erforderlich.

Der normale Büchereibetrieb funktioniere gut, bei Sonderveranstaltungen wie dem Bilderbuchkino für Kinder sei es personell aber eng geworden, so Seibert. Die Zusatzangebote habe man reduzieren müssen. Ein Vorstoß der SPD-Ratsfrau Rosemarie Kreiensen im Jahr 2015, die Bücherei als Lernort zu etablieren, war aus ebenfalls personellen Gründen nicht weiter verfolgt worden.

Der kürzlich veranstaltete Bücherflohmarkt hat übrigens mehr als erwartet zum Budget beigetragen: Etwa 700 Bücher seien zu jeweils 50 Cent verkauft worden, sagt Sprick.

Um einen Überblick zu gewinnen, welche Neuanschaffungen sich lohnen könnten, wird ihre Kollegin Karin Jochens noch in dieser Woche die Leipziger Buchmesse besuchen. Dort gibt es von den Verlagen immer Plakate und Lesezeichen gratis. Damit kann die Bücherei dann ohne Kostenaufwand noch attraktiver werden.

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