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Simon Mitchell restauriert in Brullsen ein Kult-Gefährt der 60er-Jahre

Neues Leben für den Beatles-Bus

HESSISCH OLDENDORF. Der gelbe Bus mit der Aufschrift „Magical Mystery Tour“ ist der eigentliche Star der umfangreichen Beatles-Sammlung von Simon Mitchell. Bis zu 30 000 Euro hat der Hessisch Oldendorfer bereits in seine Sanierung investiert. Nun geht‘s auf die Zielgerade: Im Spätsommer soll das Kult-Gefährt der 60er-Jahre fertig sein.

veröffentlicht am 17.04.2018 um 16:26 Uhr

Zurzeit steht der Bus in einer Scheune in Brullsen. Foto: jsp
Jens Spickermann

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Vergilbte Beatles-Plakate hängen im Eingangsbereich und dem gesamten Treppenhaus von Simon Mitchells Wohnung. Nicht irgendwelche Plakate, sondern ausschließlich seltene Stücke aus verschiedenen Ländern, die für den 1967 erschienenen Beatles-Film „Magical Mystery Tour“ werben. Mitchell besitzt alles Mögliche, was in irgendeiner Weise mit dem Film zu tun hat. Als Siebenjähriger hat er darin selbst mitgespielt, ist eingefleischter Beatles-Fan und sammelt seit den 80er Jahren originale und nachproduzierte Filmrequisiten.

Das größte Stück seiner Sammlung findet in seiner Wohnung keinen Platz, sondern steht zurzeit in einer Scheune in Brullsen: Ein englischer Bus, der bis ins Detail wie das Gefährt aussieht, das in dem Beatles-Film genutzt wurde. 2013 hat er ihn in Schottland gekauft, nach Deutschland verfrachtet und in den vergangenen drei Jahren aufwendig restauriert. Obwohl er zwischen 20 000 und 25 000 Euro investiert hat, ist das Gefährt aber noch nicht fertig.

„Ich fand den Film nicht so prickelnd“, sagt Mitchell, während er in seiner Wohnung vor einem großen Wandbild sitzt, das zwei Beatles-Sänger und einen englischen Stadtbus zeigt. Das geht nicht nur ihm so – das Werk besteht hauptsächlich aus Musikvideos und galt damals als Flop. Von der Filmmusik ist er aber begeistert und besitzt deshalb mehrere hundert Platten mit unterschiedlichen Aufnahme-Versionen davon.

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Im Dachgeschoss grüßen Ringo Starr und Co – sogar im authentischen Outfit. Fotos: jsp/Archiv
  • Im Dachgeschoss grüßen Ringo Starr und Co – sogar im authentischen Outfit. Fotos: jsp/Archiv
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Beim Treppensteigen, entlang seiner Poster-Galerie hat Mitchell Schwierigkeiten, denn die Knie schmerzen. 13 Operationen musste er durchmachen – eine davon hat sein Leben ebenso stark beeinflusst wie die Bekanntschaft mit den Beatles: Ende der 80er Jahre war er im Krankenhaus aus Platzmangel in eine Kinder-Krebsstation verlegt worden, in der die jungen Patienten der Reihe nach starben. Deshalb entschloss er sich: „Wenn ich im Leben was machen kann, um krebskranke Kinder zu unterstützen, will ich das tun.“

Den Bus und die anderen Stücke seiner Sammlung möchte er nutzen, um Geld für die Krebshilfe und andere wohltätige Zwecke zu nutzen.

Sehenswert sind seine Ausstellungsstücke auf jeden Fall. Mitchell öffnet die Tür zum Dachgeschoss seiner Wohnung, wo sich Erstaunliches verbirgt: John Lennon, Ringo Starr und Co. stehen wie Bewacher der Sammlung in der Mitte des Raumes. Natürlich nicht sie selbst, aber dafür tragen schwarze Schaufensterpuppen die gleiche Kleidung wie die Musiker damals im Film. Im Hintergrund: Dutzende von Playmobil-Männchen, die Mitchell so angemalt hat, dass sie ebenfalls wie die Protagonisten aussehen.

Für mehrere Beatles-Ausstellungen hat Mitchell seine Sammlung schon zur Verfügung gestellt. Die Stücke seien immer auf großes Interesse gestoßen, erzählt er. Doch dem eigenlichen Star seiner Sammlung – dem Beatles-Bus – stehen größere Auftritte wohl erst noch bevor.

Eine halbe Stunde Autofahrt von Hessisch Oldendorf entfernt, steht er hinter einem Holztor, gesichert mit einem Vorhängeschloss. In der Scheune in Brullsen ist die Luft abgestanden, auch in dem Bus selber riecht es wie in einem feuchten Keller.

Bei der Aufbereitung ist Mitchell zusammen mit seiner Frau schon an seine Grenzen gestoßen, hat sie überwunden indem er sich fremde Expertise holte und steht nun immer noch vor einem großen Berg Arbeit.

„Wir hatten gar keine Ahnung von Bussen“, sagt Mitchell. Obwohl er anfangs noch fuhr – Mitchell hat es immerhin geschafft, ihn vom Hafen in Zeebrugge bis ins Weserbergland zu fahren – stellte sich das Gefährt als große Baustelle heraus. Deshalb habe er Mechaniker und Karosseriebauer gesucht. „Alle haben den Bus angeguckt, aber nichts eingehalten. Inklusive der britischen Armee.“

Die Lösung: Mitchell ließ sich in einem zweistündigen Crashkurs das Schweißen beibringen. So konnte er die Radkästen erneuern, die Elektrik reparieren, hat den Fußboden ausgewechselt und die Achsen zerlegt und repariert. Auch das kaputte Armaturenbrett aus Sperrholz und Kunststoff hat er wieder hergestellt. Doch der Bus hat seine Tücken: Die Aufbauten bestehen aus Holz, das nach 50 Jahren ziemlich morsch ist – auch hier musste also nachgebessert werden. Eine Firma aus Hameln hätte das gemacht, allerdings mit neuen Bauteilen aus Metall. Das sei für ihn aber nicht in Frage gekommen, erzählt Mitchell. Der Bus solle nämlich im möglichst originalen Zustand bleiben.

Im Bus stapeln sich Sitzteile, als Nachbar steht ein halb auseinandergebauter Opel Corsa ebenfalls in der Scheune. Auch sonst liegt einiges an Trödel herum – noch von dem Vor-Nutzer der Scheune. Mitchell hat hier viel Zeit verbracht, sich mit der Flex den Finger nahezu abgeschnitten und den Bus trotz kaputter Knie im Sitzen und Liegen so gut es ging aufgearbeitet. Auch seine Frau hat sich beim Arbeiten etwas übernommen und hat sich dabei die Knie verletzt. Doch die Mühe hat sich gelohnt:

Anhand kleiner Details sei ihm klar geworden, dass der Bus vollkommen identisch mit dem Bus im Film sei, erzählt Mitchell und zeigt auf seinem Handy Screenshots von einzelnen Szenen. Die Maserung des Holzes der Innenverkleidung stimme haargenau überein. Ein Loch in der Innenverkleidung ist an exakt der gleichen Stelle. Unter den runden Lampen auf dem Dach sind Abdrücke zu sehen, die zeigen, dass ursprünglich runde Leuchten montiert waren – wie im Filmbus. Das sind noch nicht alle Indizien – Mitchell kann noch zahlreiche weitere aufzählen: Wahrscheinlich handele es sich tatsächlich nicht nur um ein ähnliches Modell, sondern um den Filmbus selbst, vermutet Mitchell. Bisher galt ein in Florida ausgestellter Bus als das Original. Der sei der Öffentlichkeit aber mittlerweile nicht mehr zugänglich, sagt Mitchell. Sollten sich die Vermutungen bestätigen, dürfte dem Beatles-Bus noch eine interessante Karriere bevorstehen. Im Spätsommer soll er fertig sein und mit neuer Lackierung und neu bezogenen Sitzen in frischem Glanz erstrahlen.



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