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„Wie vor 500 Jahren“: Handwerker arbeitet am Stiftsturm nach traditionellem Vorbild

Neue Steine für altes Gesims

Fischbeck. Wäre da nicht die moderne Variante einer Bauhütte und die, trotz der staubigen Arbeit, makellose Zunftkleidung von Hauke Bienert, könnte die Szene im Mittelalter spielen. Der Steinmetz bearbeitet mit traditionellem Werkzeug einen Sandsteinblock, der für die Restaurierung des Mauerwerks der Fischbecker Stiftskirche benötigt wird. „Die Oberfläche des Steins wird wie vor 500 Jahren behauen und dem übrigen Mauerwerk angepasst. Dies geschieht nicht etwa in einer Werkstatt, sondern direkt hier an der Baustelle“, erklärt Mathias Riethmüller. Der Architekt und Bauleiter der Klosterkammer Hannover begleitet die umfangreiche Restaurierungsmaßnahme am Westwerk des Stifts.

veröffentlicht am 02.04.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 00:41 Uhr

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Autor:

Barbara Jahn-Deterding
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Der erste Bauabschnitt konnte Ende des vergangenen Jahres abgeschlossen werden. Zu dem Zeitpunkt war der Dachstuhl saniert, der Turmhelm mit Biberschwänzen und das Dach mit Solling-Sandsteinplatten gedeckt, der goldene Wetterhahn befestigt und das 40 Meter hohe Gerüst konnte zurückgebaut werden.

„Für den zweiten Bauabschnitt, die Restaurierung des Mauerwerks, haben wir an einer Beispielsfläche von Olaf Lindner, einem Steinrestaurator aus Weimar, ein Schadenskataster erstellen lassen. Daran konnten wir zum einen den Gesamtaufwand der Maßnahme berechnen und zum anderen dient es nun den Steinrestauratoren als Arbeitsgrundlage“, sagt Dr. Tim Wameling, Dezernent der Bauabteilung der Klosterkammer Hannover, noch im Dezember, als er die Baustelle besucht. Zu dem Zeitpunkt war nicht absehbar, dass es nicht bei den restauratorischen Maßnahmen bleiben würde.

„Als wir im Januar die Fassaden genauer betrachtet haben, stellten wir fest, dass mehrere Steine im Gesimsbereich so beschädigt sind, dass sie gegen neue ausgetauscht werden müssen. Da diese Steine das Dachwerk tragen, ist es aus konstruktiven Gründen wichtig, sie zu ersetzten“, führt Riethmüller aus. „Das war eine der Überraschungen, die wir im Verlauf der Bauarbeiten erlebt haben. Davor ist man bei einer Maßnahme dieser Art und Größenordnung nicht sicher“, sagt Äbtissin Uda von der Nahmer und schaut fasziniert zu, wie Hauke Bienert die Oberfläche des Sandsteins bearbeitet.

Der Bauleiter erklärt: „Es sind Obernkirchener Sandsteine. Die kommen dem Original am nächsten und zählen zu den besten Sandsteinen in Deutschland.“ Wenn der Steinmetz die Oberflächen der sechs Steine bearbeitet hat, werden die bis zu 450 Kilogramm schweren Quader mit einem Lastenaufzug nach oben befördert. In rund 22 Meter Höhe werden sie dann in das Gesims eingepasst und von einem Laien kaum von den alten Steinen zu unterscheiden sein.

Aber nicht nur die Sandsteine werden auf der Baustelle bearbeitet, auch der Kalkmörtel, der zum Verfugen nötig ist, wird vor Ort gemischt. „Anhand des Schadenskatasters können die Steinrestauratoren sehen, welche Fugen repariert werden und welche neu verfugt werden sollen. Dazu wurde ein Mörtel zusammengestellt, mit dem wir schon bei Arbeiten im Kloster Wennigsen gute Erfahrungen gemacht haben“, sagt Riethmüller. Dieses Fugenmaterial komme dem ursprünglichen Kalkmörtel am nächsten und werde daher auf der Baustelle gemischt, sagt der Architekt.

Dem Ziel, die Maßnahme bis August abgeschlossen zu haben, komme man immer näher, sagt von der Nahmer. „Wir hatten ja nicht damit gerechnet, dass wir vor Ostern mit dem zweiten Bauabschnitt beginnen konnten.“ „Wir haben Mitte Februar anfangen können und führen jetzt bereits Arbeiten aus, die temperaturabhängig sind“, bestätigt der Bauleiter. Momentan liegt sein Augenmerk und das der Äbtissin allerdings nicht nur auf den Bauarbeiten. Ihre Sorge gilt den Turmfalken. „Wir wünschen uns, dass die Vögel die Holzkisten annehmen, die wir ihnen aufgehängt haben. Ich hoffe, dass sie uns die Bauarbeiten verzeihen und dass sie im nächsten Jahr wieder im Dachreiter und in der Fensternische der Kirche brüten“, sagt die Äbtissin.



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