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Familien- und Kinderservicebüros: Schmerzhafte Kürzungen beim Herzstück des Landesprojekts

Neue Kosten für die ausgebluteten Kommunen

Hessisch Oldendorf (doro).

veröffentlicht am 15.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 03:41 Uhr

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Wenn die Kommunen vom Land Geld für ein Projekt bekommen, um ihre soziale Infrastruktur auszubauen, dann freuen sie sich – etwas anderes bleibt den ausgebluteten Gemeinden meist gar nicht übrig. Gleichzeitig geht mit den Finanzspritzen in der Regel die Angst einher, dass die Landesregierung die Kommune nach einer gewissen Zeit mit den angeschobenen Projekten allein lässt und die Zahlungen irgendwann ganz einstellt.

So ist es auch beim Landesprogramm „Familien mit Zukunft – Kinder bilden und betreuen“, bei dem der Ausbau der Kinderbetreuung mit Schwerpunkt auf der qualitativen und quantitativen Weiterentwicklung der Kindertagespflege liegt. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten vor allem die Familien- und Kinderservicebüros. Um die Zukunft genau jener fürchtet man nun in Hessisch Oldendorf, Coppenbrügge und anderen Kommunen. Um ihren Fortbestand zu sichern, hat Coppenbrügges Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka in seiner Funktion als Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten und als Kreisgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes einen Hilferuf an Kultusminister Dr. Bernd Althusmann entsandt.

Die vorläufige Antwort aus dem Sozialministerium, dass die Aufgabe zum Teil an das Kultusministerium abgegeben hat: Das Projekt soll zwar weitergeführt werden, allerdings wird es nach dem offiziellen Förderungsende im September 2011 (eingestellt wurde das Geld in 2010) nur für ein Jahr verlängert. 2011 sollen nach Aussage von Pressesprecherin Heinke Träger vier Millionen Euro in den Landeshaushalt eingestellt werden, die in die Familien- und Kinderservicebüros in Niedersachsen fließen sollen. Sie sollen auch weiterhin als Träger für verschiedene Kinderbetreuungsangebote (Familienbildung, Gesundheitsberatung, Familienberatung) fungieren. „Die Familien- und Kinderservicebüros entwickeln sich immer mehr zu einer Drehscheibe für Prävention und frühe Hilfe wie zum Beispiel bei den Erziehungslotsen“, sagt Träger.

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Was sich gut anhört, relativiert sich vor dem Hintergrund, dass man in das Programm „Familie mit Zukunft“ in den letzten vier Jahren rund 80 Millionen Euro investiert hat, die von den Kommunen um den gleichen Betrag ergänzt wurden. Die Familien- und Kinderservicebüros gelten als Herzstück des Programms. „Allerdings müssen sie jetzt auch nicht mehr aufgebaut werden“, begründet Träger die Kürzung.

Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt: Bürgermeister Harald Krüger wünscht sich dennoch, dass die Förderung in vollem Umfang erhalten bleibt, „bei wesentlichen Reduzierungen müssen auch wir unsere Leistungen aufgrund des defizitären Haushalts zurückfahren“.

Sowohl im Flecken Coppenbrügge als auch in Hessisch Oldendorf haben die Büros in den vergangenen Jahren verlässliche Strukturen hervorgebracht: Unter anderem wurde die Zahl der Tagespflegeplätze erhöht, es gibt eine erfolgreiche Ferienbetreuung, den Familien, Kindern, Tagespflegepersonen und Alleinerziehenden steht man mit Rat und Tat zur Seite.

Übrigens: Das Kinder- und Familienservicebüro ist nach Aussage der Arge-Mitarbeiterin Ilona Goldberg auch ein Baustein eines Projekts des Europäischen Sozialfonds, der für Alleinerziehende Dienstleistungsangebote zielgerichtet aufeinander abstimmen möchte. Bekommt die Arge als einer der Partner grünes Licht für den Aufbau dieses Netzwerks, wäre es kontraproduktiv, die Förderung der Büros zu drosseln. Immerhin sollen in der Planung der Landesregierung 30 Prozent der Betreuungsplätze für unter Dreijährige von Tagespflegepersonen abgedeckt werden. Für eben diese haben sich die Familien- und Kinderservicebüros nach Aussage von Heinke Träger „als Motor erwiesen“. Von 2007 bis 2010 ist die Zahl der Kinder, die in der Tagespflege betreut werden, von 1769 auf 7494 gestiegen.

Kreisgeschäftsführer Hans- Ulrich Peschka plädiert deshalb eindringlich für den Erhalt der Familienservicebüros: „Nur so können wir dem demografischen Wandel etwas entgegensetzen, indem man den Familien im ländlichen Raum eine kinderfreundliche Umgebung bietet, die den Bedürfnissen einer modernen Familie, Berufstätigen und Alleinerziehenden angepasst wird.“

Die GPS-Tour ist nur ein erfolgreiches Angebot der Herbstferienbetreuung des Familien- und Kinderservicebüros, die in diesem Jahr überbucht war. Auch die Eltern profitieren: Sie können durch das Angebot Betreuungsengpässe vermeiden.

Foto: ah

Im Rathaus befindet sich der Arbeitsplatz von Stefanie Wagener, die das Familien- und Kinderservicebüro leitet. Foto: doro



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