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Anne Champert und Bettina Stoess starten mit vier Bienenvölkern

NDR filmt bei Jung-Imkerinnen in Pötzen

PÖTZEN. Die beiden Pötzerinnen Anne Champert und Bettina Stoess haben sich vier Bienenvölker zugelegt. Das NDR-Fernsehen hat den Start der beiden Jung-Imkerinnen mit der Kamera begleitet. Demnächst soll ein Beitrag über die Imkerei als Hobby ausgestrahlt werden.

veröffentlicht am 03.04.2018 um 18:38 Uhr

Die Bienenvölker sind in Pötzen angekommen – das NDR-Filmteam beginnt mit der Arbeit. Foto: BJ

Autor:

Barbara Jahn
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„Niemand da“, fragt Anne Champert, beugt sich herunter und blickt erwartungsvoll auf eine orangefarbene Kiste, um dann erleichtert zu sagen: „Alles gut, da ist die erste.“ Gemeint ist die erste Biene der vier Völker, die gerade ihren Platz im Garten von Anne Champert und Bettina Stoess bezogen haben. Die beiden Pötzerinnen sind Jungimker. „Es geht uns darum, der Natur mit dem Halten von Bienen etwas zurückzugeben. Bienen sind in ihren biologischen und sozialen Abläufen hoch faszinierend. Darüber hinaus ist es notwendig, jetzt damit anzufangen, aufgrund des dramatischen Rückgangs von Insekten“, begründen beide Frauen ihr Interesse an der Bienenzucht. Sie gehören zu den Menschen, die in den letzten Jahren die Mitgliederzahl des Deutschen Imkerverbandes haben explodieren lassen. 115 000 Imker gibt es derzeit im Land, Tendenz steigend. 96 Prozent der Bienenfreunde betreiben die Imkerei als Hobby, so wie es Champert und Stoess vorhaben.

In der Straße Zum Borberg haben sie einen großen Garten mit vielen Blumen und Bäumen. „Jetzt haben wir die Möglichkeit, Bienen zu halten, da wir auf dem Land wohnen und die Haltung einfacher ist als in der Stadt“, erklären die Jungimkerinnen, die von Berlin nach Pötzen gezogen sind. Reiche Nahrung für die Bienen direkt vor ihrem Ausflugloch. Die Arbeitsbienen fliegen von Blüte zu Blüte und sammeln Blütennektar, um damit gleich wieder zurück zu einem der vier Kästen zu fliegen, in denen die Völker wohnen. Und dann sind da auch gleich die angrenzenden Felder, die, so hoffen die beiden Jungimkerinnen, auch ein reichhaltiges Nahrungsangebot bereithalten. „Bienen bringen mehr Bewusstsein für die Natur und deren Abläufe, so zum Beispiel das Zusammenspiel von Bienen und Landwirtschaft“, sind Stoess und Chambert überzeugt. Sollte es einmal nicht so sein, für die Arbeitsbienen kein Problem, denn das Sammelgebiet eines Bienenvolkes erstreckt sich auf annähernd 50 Quadratkilometer.

Bevor die Fotografin und die Musikprofessorin aus Pötzen sich Bienen zugelegt haben, informierten sie sich, worauf es ankommt. Bei Horst-Wilhelm Schäfer, dem Vorsitzenden des Imkervereins Burgwedel-Isernhagen, holen sie sich ihr Grundwissen zum Thema Bienenzucht und Honigerzeugung. „Wir haben natürlich auch viel Literatur dazu gelesen“, erklärt Stoess. Das notwendige Zubehör haben sie sich auch gleich angeschafft. Handschuhe, eine voluminöse Haube, die den Kopf schützen soll. Als die bei Schäfer bestellten vier Bienenvölker in Pötzen ankommen, zeigen die beiden Jungimkerinnen keine Spur von Angst vor Bienenstichen. Mit bloßer Hand öffnen sie die Bienenkästen. Bienenstiche sind generell ungefährlich, wissen sie – es sei denn man ist allergisch, dann kann ein anaphylaktischer Schock folgen.

Bettina Stoess löst die Bänder, mit denen die Bienenkästen während des Transports verschlossen sind und Anne Champert öffnet die Ausflugslöcher. Foto: bj

Kaum sind die beiden grünen und die orangefarbenen Kunststoffbehälter, die sie sich bei Schäfer geholt haben, aus dem Auto ausgeladen, im Garten aufgestellt und geöffnet, dauert es nur einen kurzen Moment und die ersten Bienen fliegen auch schon aus. Für die kleinen Arbeitsbienen gibt es viel zu tun, denn für 500 Gramm Honig müssen sie etwa 40 000-mal ausfliegen und dabei eine Flugstrecke von rund 120 000 Kilometer zurücklegen, ein gewaltiges Arbeitspensum also. An guten Tagen können die Sammlerinnen eines Volkes mehrere Kilogramm Blütennektar einfliegen. Den Einzug der Bienenvölker filmt Oliver Schwier. Er hat Ines Stab mitgebracht, die Tonaufnahmen macht, denn das NDR-Fernsehen möchte seinen Zuschauern etwas über die Bienen und das Interesse vieler Menschen an der Imkerei berichten.

Die Imkerei hat in Deutschland eine lange Tradition. 1907 trafen sich Imker zur Vereinigungsversammlung zwischen Wanderversammlung, Zentralverein und Reichsverein zum Deutschen Imkerbund in Frankfurt am Main. Es gibt in jenem Jahr 83 000 Imker in Deutschland. Ihre Zahl wächst rasant, 1922 sind es bereits 238 466. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzen wieder viele auf die Honigproduktion. Danach sinkt die Zahl der Imker.

Erst ab 2015 beginnt das Hobby wieder zu boomen. Von 103 370 auf 108 214 im folgenden Jahr und auf nunmehr 115 000 wächst die Zahl derer, die wie die beiden Pötzerinnen mit Bewusstsein für Natur und Abläufe Zeichen setzen wollen. Bettina Stoess und Anne Chambert liegen nicht nur hier im Trend: Denn immer mehr Frauen begeistern sich für die Arbeit mit den beliebten Insekten.



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