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Mit gezielten Maßnahmen soll im Raum Hessisch Oldendorf der Artenreichtum wiederbelebt werden

Nabu will das Insektensterben nicht hinnehmen

HESSISCH OLDENDORF. Autofahrer konnten das Phänomen im Sommer bei jeder schnellen Autobahnfahrt bestaunen – die Windschutzscheiben ihrer Fahrzeuge wiesen praktisch keine Insektenspuren auf. Inzwischen ist es auch wissenschaftlich nachgewiesen: Die Insektenvölker haben sich 2017 in Deutschland um 75 Prozent reduziert.

veröffentlicht am 08.02.2018 um 15:22 Uhr
aktualisiert am 08.02.2018 um 16:20 Uhr

Bienen sind wichtig für die Bestäubung der Pflanzen. Foto: Klaus Kuttig
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Über die Ursachen des Insektensterbens und mögliche Gegenmaßnahmen im heimischen Raum referierte am Mittwochabend der für Hessisch Oldendorf zuständige Nabu-Mitarbeiter Oliver Nacke im Rahmen einer Versammlung des Ortsverbandes der Grünen im Restaurant Pierrot.

Nacke hat einen klaren Verdacht darüber, was das Artensterben verursacht: „Es ist der Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und Insektiziden in der intensiven Landwirtschaft und der Einsatz schwerer Landwirtschaftsmaschinen.“ Das aber nicht allein. Nacke sieht zusätzliche Ursachen in der Zerstörung einer eigentlich strukturreichen Landschaft, die Rodung von Hecken, die Beackerung von Grünstreifen, Monokulturen und tote Wegeränder. Die Folgen laut Nacke: In Deutschland seien mittlerweile 41 Prozent der Schmetterlingsarten ausgestorben und eine hohe Zahl an Wildbienenarten gefährdet. Und weil nicht nur die Bienen wichtig für die Bestäubung der Pflanzen seien, sondern viele Insektenarten, sei auch dieser für die Obst- und Landwirtschaft wichtige Prozess gefährdet.

Aber nicht nur das – das Fehlen der Insekten führe auch zu einem deutlichen Rückgang der von ihm als Feldvögel bezeichneten Arten. „Denen fehlt jetzt ganz einfach das Futter“

Dazu hat Nacke interessante Zahlen ausfindig gemacht. In der Zeit von 1957 bis 1959 habe der Biologielehrer Dr. Schönnagel (Vikilu) die Vogelwelt rund um Hessisch Oldendorf sehr genau beobachtet und noch zahlreiche Arten notiert, die heute verschwunden oder zumindest stark reduziert seien. Als Beispiele nennt Nacke einen Schwund von Feldlerchen (minus 87 Prozent) und Rebhühnern (minus 85 Prozent) im Vergleich zum aktuellen Monitoring des Nabu. Braunkelchen und Kiebitz seien völlig verschwunden, auch Wiesenpieper und Feldsperlinge würden kaum noch beobachtet.

Nacke und der 1600 Mitglieder starke Nabu-Ortsverband, der Hessisch Oldendorf, Hameln und Aerzen umfasst, belässt es aber nicht beim Klagen und der Ursachenforschung. Nacke schlägt ganz konkrete Maßnahmen vor, mit denen dem Insektensterben lokal Einhalt geboten werden soll. Für besonders wichtig hält er die Vernetzung von Biotopen, wie etwa die Verbindung einer Fläche am Forsthaus zum Barkser Bach durch einen Biotop-Korridor, das gezielte Anpflanzen von Wildblumenenergiepflanzen, die wiederum in Biogasanlagen ökonomisch sinnvoll verwertet werden könnten; auf auf derartigen Blühstreifen würden deutlich mehr Wildbienen gezählt als andernorts. Ein Musterprojekt hat der Nabu bei Heßlingen gepeplant: Auf einem Hektar Land, das der Verband erworben hat, soll durch eine ökologische Bearbeitung wieder eine hohe Artenvielfalt hergestellt werden. Wo bisher nur knapp fünf Arten beobachtet wurden, hofft Nacke bald auf mehr als 100 verschiedene Insektenarten, die sich dort wieder tummeln sollen.

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