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Stefan Bohrer beendet Tiefkühlkost-Experiment / Um 1,5 Kilo und mindestens eine Erkenntnis reicher

Na dann – Mahlzeit!

Hessisch Oldendorf. Ich bin ja bekanntlich ein Google-Junkie. Was ich nicht irgendwo in den hintersten Winkeln meines Hirns gespeichert habe, wird gnadenlos nachgeschaut in der Internetplattform. Heute ist bekanntlich der berühmte „Tag der Tiefkühlkost“. Sicherlich wird dieser 6. März nicht in einem Atemzug mit dem Muttertag, dem Tag der Deutschen Einheit, Volkstrauertag oder dem Weltspartag genannt. Aber interessant ist doch, wer ihn initiiert hat. Niemand Geringeres als der 40. Präsident der Vereinigten Staaten – Mister Ronald Reagan himself. Vielleicht konnte Nancy ja nicht kochen.

veröffentlicht am 06.03.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 03:21 Uhr

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Autor:

Stefan Bohrer
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Dieses Gerücht, wenn es denn stimmt, hat leider nie den Weg in die Welt aus dem Oval Office heraus angetreten. Der „Tag der Tiefkühlkost“ hat allerdings einen historischen Hintergrund. 1923 baut der Fischereibiologe Clarence Birdseye die erste Tiefkühl-Anlage. Birdseye hat während mehrerer Forschungsreisen in die Arktis entdeckt, dass die Einheimischen Eis benutzen, um frisch gefangenen Fisch zu konservieren. Schnelles Einfrieren bei extremer Kälte, folgerte der amerikanische Biologe messerscharf, hält Fisch frisch. So neu ist die Idee allerdings nicht.

Da werde ich definitiv streiken

Bereits Kaiser Nero ließ seine Sklaven in den Gletscherregionen der Alpen schuften, um Eis in die Ewige Stadt zu bringen, mit dem das Thermalwasser seiner Badetempel im Goldenen Haus heruntergekühlt wurde. Auch seine Lebensmittel machte der Kaiser mit Alpenschnee für Monate haltbar. Doch zurück zu Reagan.

In seiner Kongressrede zur Einführung des „Frozen Food Day“ wies er darauf hin, dass eines der primären Ziele der Vereinigten Staaten die Produktion von Lebensmitteln sein müsse. Um diese uneingeschränkt der Bevölkerung zu jeder Jahreszeit zugänglich zu machen, propagierte Reagan Tiefgekühltes. Gleichzeitig lobte er den amerikanischen Pioniergeist, der ohne gefrorene Lebensmittel nicht denkbar gewesen wäre. Mein Bedarf nach dreitägigem Selbstversuch ist erst einmal hinreichend gedeckt. Aber eine Erfahrung habe ich gemacht: Gefrorenes ist nicht gleich Gefrorenes.

Viele Fertigprodukte aus dem Discounter sind derart mit Geschmacksverstärkern versetzt, dass von uneingeschränktem Genuss keine Rede sein kann. Mein Frühstück bestand heute aus aufgebackenen Croissants mit Füllung. Ich hatte mich entschieden, sowohl eine süße als auch eine herzhafte Variante auszuprobieren. Sicherlich, die Dinger schmeckten frisch aus dem Ofen ganz gut, jedoch sind sie derart kalorienreich, dass ich sie mir besser gleich auf die Hüfte hätte schmieren können.

Außerdem steht bei mir im Badezimmer etwas Unerbittliches und vor allem Unbestechliches: eine digitale Personenwaage. Und siehe da, ich habe während meiner dreitägigen „Diät“ anderthalb Kilo zugenommen. Sehr ärgerlich. Eine weitere Erkenntnis: Mich nur von Tiefkühlkost zu ernähren, ist nichts für mich. Doch es gibt Ausnahmen. Überrascht war ich von der hohen Qualität der verschiedenen Gemüsesorten, die mir das Ehepaar Schulze-Jentsch aus Aerzen geschenkt hat. Der Brokkoli war knackig und überaus lecker, zart verfeinert mit gefrosteten italienischen Kräutern. Die Bratkartoffeln aus dem Supermarkt dagegen schmecken dröge.

Auch bei den verschiedenen Pizzen, die ich innerhalb der drei Tage probiert habe, gibt es massive Qualitätsunterschiede. Als Devise gilt auch hier: Billig ist nicht immer gleich gut. Sicherlich hätte es mich gereizt, jede einzelne Pizza mit Gewürzen und frisch geriebenen Parmesan aufzupimpen, aber ich wollte ja alles pur genießen. Das heißt jetzt nicht, dass ich diesen Selbstversuch als komplett gescheitert definiere.

Sich tiefgekühlte Lebensmittel ins Haus liefern zu lassen, hat ja auch Vorteile – besonders für Menschen, die vielleicht nicht mehr einkaufen gehen können. Doch ich kann jedem nur empfehlen zu vergleichen. Es gibt unglaubliche Qualitätsunterschiede. Außerdem lohnt sich immer der Blick auf die Rückseite der Verpackung: Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker, Zusatzstoffe und Kalorientabellen müssen in der Regel angegeben sein. Und nicht alles, was man aus der Tiefkühltruhe in die Pfanne haut, schmeckt auch gut. Zumal die Energiekosten mitunter immens sind.

Als Fazit sei gesagt: Ich bevorzuge Frischware. Morgen ist ja bekanntlich Markttag in Hessisch Oldendorf. Einen ausgiebigen Gang über den Kirchplatz habe ich mir jetzt wahrlich verdient. Bleibt für mich abschließend nur noch eines zu googeln: Ob es auch einen „Tag der Fix-Produkte“ gibt. Da werde ich definitiv streiken, es sei denn, die führenden Hersteller solcher Produkte entschließen sich, Exotisches auf den Markt zu werfen wie „Fix für Ochsenmaulsalat“. Na dann – Mahlzeit!

Von seinem Selbstversuch, drei Tage lang ausschließlich von Tiefkühlkost zu (über-)leben, hat Stefan Bohrer täglich in seinem Blog auf dewezet.de berichtet.

Stefan Bohrer in der Küche: „Mein Bedarf nach dreitägigem Selbstversuch ist erst einmal hinreichend gedeckt. Aber eine Erfahrung habe ich gemacht: Gefrorenes ist nicht gleich Gefrorenes.“

boh



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