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Olaf Scholze präsentiert Fundstücke aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Musketenkugeln und Münzen

Hessisch Oldendorf. Hat Ihnen ein Knopf oder eine Gürtelschnalle schon mal eine Geschichte erzählt? Dafür benötigt man nicht unbedingt Fantasie, sondern auch historisches Interesse, das Wissen um geschichtsträchtige Standorte und eine Metallsonde.

veröffentlicht am 26.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 10:41 Uhr

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Autor:

VON ANNETTE HENSEL
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Die besitzt Olaf Scholze aus Wunstorf: Bei bis zu 25 Zentimetern im Boden liegendem Metall schlägt sie an. Gebürtig aus Bitterfeld, nutzt er seinen Vorruhestand, um einen Beitrag zur Erforschung der Regionalgeschichte zu leisten. Nach einem Sondengänger-Lehrgang macht er die Erfahrung, dass es gar nicht so einfach ist, vom Landesamt für Denkmalpflege eine Genehmigung für die Suche auf sogenannten ungestörten Flächen zu erhalten. „Dort ist eben die Wahrscheinlichkeit viel größer, etwas historisch Bedeutsames zu finden, als auf einem durchpflügten Acker“, erläutert er und fügt hinzu: „Für Archäologen wäre es am besten, wenn wir Funde in der Erde belassen, weil sie anhand der Anordnung ganz andere Zusammenhänge erkennen als wir Laien.“ Im Übrigen arbeite nicht jeder Sondengänger der Wissenschaft zu: „Manche suchen ohne Genehmigung, verkaufen ihre Funde im Internet, bewahren sie zu Hause auf oder schmeißen sie in Unkenntnis ihrer Bedeutung weg, sodass sie der Forschung vorenthalten bleiben“, sagt Scholze.

Mit einer Genehmigung in der Tasche geht er über das Schlachtfeld zwischen Segelhorst und Barksen, auf dem 1633 ein protestantisches Heer von Schweden, Hessen und Braunschweig-Lüneburgern die katholisch-kaiserlichen Truppen besieget. Da es sich heute um eine landwirtschaftliche Fläche handelt, spürt seine Sonde nur wenige Münzen auf, die aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges stammen, dafür aber Uniformknöpfe, Gürtelschnallen und mehr als 500 Musketenkugeln aus Blei. „Sie sind verschiedenen Kalibers und mitunter verformt, weil sie ein hartes Ziel getroffen haben“, erklärt Scholze und überreicht dem Heimatbund eine Auswahl seiner Funde als Dauerleihgabe sowie eine Karte des Schlachtfeldes als Geschenk. „Es gibt Behörden, die behalten meine Funde nur zur wissenschaftlichen Auswertung, weil keine Ausstellungsfläche zur Verfügung steht“, sagt er. Andernorts aufgespürte Silbermünzen aus dem Jahr 1604 seien jedoch im Braunschweiger Museum zu sehen, ergänzt er stolz und zeigt eine Zinngusskopie davon. „Ihre Schätze kommen in die Heimatstube in der Mittelstraße“, sagt der Vorsitzende Hans-Jörg Böhne im vollbesetzten Raum im Wirtshaus Bücher.

Mit dem Vortrag punktet der Heimatbund, dessen Zukunft noch vor fünf Jahren mehr als ungewiss war. Doch seither hat sich vieles getan: Die Mitgliederzahlen steigen, liegen derzeit bei 85, was vom Programm her nicht lief, wurde aufgegeben. Dafür wurde der historische Spaziergang beschildert, zu publikumswirksamen Veranstaltungen eingeladen und seit diesem Jahr führt Gabriele Lingen als Anna-Maria Triebold Interessierte durch Fuhlen. „Wir sind schon wieder ganz schön präsent“, meint Kassenwart Thomas Falke.

Ein Thema auf der Mitgliederversammlung ist die Änderung der Satzung, nach der der Vorstand nun Arbeitskreise für Projekte einrichten kann. Die deutlichste Änderung weist Punkt zwei auf: Darin heißt es nun, Aufgabe des Vereins ist die „Organisation von heimatkundlichen, lokal und regional orientierten Vorträgen und Veranstaltungen“ sowie die „Erforschung und Aufarbeitung der Hessisch Oldendorfer Sagen, insbesondere der Baxmann-Sage sowie Entwicklung der Baxmann-Figur als Alleinstellungsmerkmal beim Stadtmarketing“. Als die Satzungsänderung einstimmig beschlossen wird, meldet sich Carl Cordemann zu Wort: „Durch dieses Abstimmungsergebnis ermöglichen Sie dem Förderkreis Baxmann, sich 2015 aufzulösen“, sagt der Förderkreis-Vorsitzende und fährt fort: „Wir haben unseren Satzungszweck, die Aufarbeitung der Sagen und das Aufstellen des Baxmann-Brunnens, erfüllt.“

Seit dessen Einweihung 2003 habe der Förderkreis aber sehr wohl noch weitergearbeitet. „Wir haben beispielsweise das neue Wams des Baxmann-Kostüms von Lutz-Arnim Simon angeschafft oder am Friedhof Schilder angebracht, die der Heimatbund finanziert hat“, betont er und fügt hinzu: „Ich bin überzeugt, dass unsere Aufgaben wie die Aufarbeitung der Baxmann-Sage im Heimatbund-Vorstand fortgeführt werden.“



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