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Anna L. leistete zwar Anzahlung / Staatsanwalt: „Aber sie hat es sich später freiwillig anders überlegt“

Mordauftrag erteilt – trotzdem keine Anklage

Hessisch Oldendorf (ube). Unternehmer Otto L. (Name geändert) aus Hessisch Oldendorf versteht die Welt nicht mehr. Obwohl laut Staatsanwaltschaft in Bielefeld kein Zweifel daran besteht, dass seine Tochter (27) einen Auftragsmörder angeheuert hat, der ihn für Geld töten sollte, soll ihr nicht der Prozess gemacht werden. Die Anklagebehörde hat das Ermittlungsverfahren gegen Anna L. (Name geändert) wegen Versuchs der Beteiligung an einem Verbrechen eingestellt. Dabei steht für den für Kapitaldelikte wie Mord und Totschlag zuständigen Staatsanwalt Udo Vennewald fest: Anna L. hat ihrem Vater (60) nach dem Leben getrachtet. Sie suchte auch einen Killer und fand in Cem A. (30) einen Mann, von dem sie glaubte, er würde ihren Mordauftrag für 20 000 Euro ausführen. Unstrittig ist auch, dass die Frau bereits eine Anzahlung geleistet hat. Staatsanwalt Vennewald will nicht sagen, wie viel. Unsere Zeitung erfuhr aus gut unterrichteten Kreisen, dass Anna L. Cem A. bereits 3000 Euro gegeben haben soll.

veröffentlicht am 01.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 13:21 Uhr

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Wenn das alles so gewesen ist, stellt sich die Frage: Warum wird Anna L. dann nicht angeklagt? Staatsanwalt Vennewald sagt: „Ja, anfangs wollte sie die Tötung.“ Nach dem Ergebnis der Ermittlungen sei zugunsten der Beschuldigten jedoch davon auszugehen, dass die junge Frau freiwillig von dem Versuch der Beteiligung zurückgetreten ist. Und das sei nicht strafbar.

Vennewald verweist auf Paragraf 31 des Strafgesetzbuches. Dort heißt es: „Nicht bestraft wird, wer freiwillig den Versuch aufgibt, einen anderen zu einem Verbrechen zu bestimmen, und eine etwa bestehende Gefahr, dass der andere die Tat begeht, abwendet.“

Irgendwann, sagt Staatsanwalt Udo Vennewald, sei der Mordauftrag „vom Tisch gewesen“. Anna L. habe sich geweigert, weitere Zahlungen zu leisten. Cem A. habe das bestätigt. „Sie ist davon ausgegangen, dass der Beschuldigte Cem A. nichts mehr unternehmen wird, wenn er das Geld, das er von ihr für die Tat verlangt hat, nicht bekommt.“ Für den Staatsanwalt gibt es derzeit nichts, was gegen eine Freiwilligkeit vom Rücktritt des Versuchs spricht.

Otto L.s Rechtsanwalt Karl-Josef Müller V von der renommierten Kanzlei Willig, Koch & Kollegen sieht das völlig anders. Von Freiwilligkeit, sagt er, könne gar keine Rede sein. Anna L. habe sich ertappt gefühlt und gezwungenermaßen einen Rückzieher gemacht. Zum Beweis zieht Müller V den Brief einer Hessisch Oldendorfer Rechtsanwältin aus einer anderen Ermittlungsakte. Am 11. Juli 2008 wurde Anna L. aufgefordert, die Jagdwaffen ihres Vaters, die sie gestohlen haben soll, herauszugeben. „Sie hat das Schreiben etwa zwei Wochen nach den ersten Anbahnungsgesprächen mit den gedungenen Mördern erhalten“, sagt der Anwalt.

Den Brief soll Anna L. Cem A. gezeigt und dazu gesagt haben: „Wir hören auf. Ich habe jetzt ganz andere Probleme.“ Anwalt Müller V kritisiert die Einstellung des Verfahrens und will am Montag Beschwerde bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld einreichen. Dann wird die Generalstaatsanwaltschaft Hamm den bizarren Fall auf den Tisch bekommen. Im Gegensatz zu seiner Auftraggeberin muss Cem A., der ja behauptet, er habe den Mordauftrag niemals wirklich ausführen wollen, damit rechnen, wegen Betruges und Erpressung angeklagt zu werden. A. soll Anna L. gedroht haben, er werde zur Polizei gehen und alles sagen – es sei denn, sie gebe ihm 50 000 Euro.

Unternehmer Otto L. ist

empört. „Meine Tochter hat einen Auftragskiller

angeheuert, der mich umbringen sollte, und jetzt soll sie einfach so davonkommen.“

Foto: ube



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