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Stefan Schlichte arbeitet seit einem Jahr für Hessisch Oldendorf / Zeit für eine Bilanz

Möchten Sie 2014 noch Stadtmanager sein?

Hessisch Oldendorf. Stefan Schlichte hat derzeit viel um die Ohren. Nach einer Vorlesung und vor dem Gang ins Büro schaut er bei der Dewezet zum Interview vorbei. Schlichte ist seit Jahresbeginn Stadtmanager in Hessisch Oldendorf. Er ist ein Profi. Sein Job ist es, auch mal schlechte Ergebnisse schönzureden. Im Interview spricht er über das ausgehende Jahr, seine Ziele und darüber, wie lange er noch in Hessisch Oldendorf arbeiten möchte.

veröffentlicht am 14.12.2012 um 18:31 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 04:41 Uhr

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Autor:

Robert Michalla
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Herr Schlichte, Sie überraschen mich.

Positiv, hoffe ich natürlich.

Wie man’s nimmt. Ihnen ist dieses Jahr wenig geglückt, doch das merkt man Ihnen gar nicht an.

Es ist ja auch Ziel im Stadtmarketing, dass wir gerade im ersten Jahr schauen müssen, wie wir erste Gehversuche unternehmen können. Es geht darum: Wie kann ich auf die Zielgruppe der Bürger, der Einzelhändler und der Investoren eingehen, damit sie unsere Stadt stärker wahrnehmen und sich auch hier ansiedeln? Wir müssen am Anfang ein paar Versuche starten, um zu wissen, in welche Richtung wir gehen müssen.

Bleiben wir bei den Versuchen. Beispiel Wochenmarkt-Ticket: Das möchte keiner haben.

Na ja, wir müssen halt schauen, wie wir den Wochenmarkt unterstützen können. Und da war ein wesentlicher Punkt, dass wir gesagt haben: Man muss ihn erreichen können mit dem öffentlichen Personennahverkehr. Wir haben dem Ticket ein halbes Jahr gegeben und müssen jetzt sagen: Okay, wir haben nicht die Zahlen, die wir uns erhofft haben. Das zeigt: Wir müssen uns weitere Dinge überlegen.

Beispiel „Wachstum findet Innenstadt“: ein Flop.

Ich würde das natürlich nicht Flop nennen, sonst würde ich es nicht verkaufen können. Die Frage lautete: Wie können wir verfügbare Flächen vermarkten? Eine Hürde war der Mietpreis. Da haben wir bei vielen Eigentümern das Verständnis eingeworben, dass Mietpreise nach unten korrigiert werden müssen.

Wird es „Wachstum findet Innenstadt“ noch einmal geben?

Wir überlegen zumindest, inwieweit wir den Wettbewerb, den wirklich auch ausnahmslos jeder für gut erachtet hat, weiterführen. Mit welchen Rahmenbedingungen, das muss man jetzt sehen.

Beispiel „Ab in die Mitte“. Die Stadt geht 2013 leer aus.

Es ist so, dass wir eine von 22 teilnehmenden Kommunen waren und da große Player wie Hildesheim waren, die sich schon viele Jahre mit dem Thema auseinandersetzen. Daran haben sich schon ganz andere die Zähne ausgebissen. Im ersten Jahr haben wir gesagt: Wir fassen möglichst viele Dinge an, um ganz, ganz viel Feedback überall zu bekommen. Ich denke, dass wir im nächsten Jahr höhere Chancen haben.

Sie wollen im nächsten Jahr wieder teilnehmen?

Es gibt in jedem Jahr ein neues Thema. Das müssen wir erst mal abwarten. Dann kann man sich überlegen: Haben wir zu diesem Thema auch die Möglichkeit, entsprechende Projekte vor Ort anzubieten.

Sie haben das Thema Feedback angesprochen. Es gab zu Beginn Ihrer Amtszeit eine Umfrage. Das Ergebnis: Die Menschen wünschen sich längere Parkzeiten, eine Fußgängerzone, einheitliche Öffnungszeiten. Was ist daraus geworden?

Wir werden zumindest das Thema Parken angehen. Wir werden zum Jahreswechsel noch Informationsschilder aufstellen, die einfach auch ein bisschen lustig gemacht sind, um darauf hinzuweisen: Leute, denkt daran, 30 Minuten Parkzeit sind erlaubt, haltet euch bitte daran. Dann haben alle etwas davon. Denn ausreichend Parkplätze sind da.

Im Haushalt stehen rund 80 000 Euro zur Verfügung. Ist das Erreichte da nicht mager?

Es wäre schön, wenn wir 80 000 Euro hätten.

Zugegeben, von den 80 000 Euro profitiert auch der Werbering. Aber hinter der Summe verstecken sich auch 30 000 Euro Honorar, hinzu kommen Spenden.

Das Honorar ist ja kein Aktionsgeld, so dass wir summa summarum bei knapp 50 000 Euro liegen, die wir nicht ausgeschöpft haben. Ich glaube, dass es im ersten Jahr genug ist, was wir begonnen haben: Wir haben das Flächenmanagement vorangetrieben, wir haben den Kontakt zu den Eigentümern verbessert oder erst aufgebaut. Wir haben 16 Objekte, die wir gemeinsam versuchen, an den Markt zu bringen. Da gab es vorher viel weniger oder gar nichts. Im ersten Jahr überhaupt einen Laden zu vermieten, wäre vermessen gewesen, obwohl wir drei Vermietungen haben an der Langen Straße.

Die gehen aber nicht alle auf Sie zurück.

Nein, nicht in Gänze. Zwei Kontakte haben wir mit hergestellt. Wir sind ja auch nur Mittler. Letztendlich hilft es ja der Gesamtstadt schon aus dem Grunde, dass durch die Präsenz wie „Wachstum findet Innenstadt“ Leute überhaupt auf uns aufmerksam werden und sich selber kümmern. Das muss gar nicht immer über uns laufen. Wir hätten uns natürlich mehr gewünscht, sind aber zufrieden.

Was wünschen Sie sich denn fürs nächste Jahr?

Ich wünsche mir vor allen Dingen das Vertrauen der Beteiligten, dass wir auch weiter auf dem richtigen Weg sind. Denn solange wir alle zusammen an einem Strang ziehen und gemeinsam Dinge wie „Wachstum findet Innenstadt“ überhaupt auf den Weg bringen, sind wir sehr gut dabei. Ich wünsche mir auch, dass vor allen Dingen das Käfertreffen ein Erfolg wird. Im nächsten Jahr sind wir mit Hessisch Oldendorf wieder ganz groß dabei. Und da werden alle Beteiligten, auch wir vom Stadtmarketing, helfen, wo wir können.

Haben Sie den Eindruck, dass Ihnen das Vertrauen der Beteiligten fehlt?

Nein, überhaupt nicht, das wurde auch von allen Seiten bestätigt. Das Vertrauen ist da, das finde ich gut. Man braucht manchmal auch Zeit.

Wollen Sie 2014 noch Stadtmanager sein?

Ach, ich glaube, das geht nicht unbedingt ums Wollen.

Sondern?

Es ist eine Arbeit, die mir sehr, sehr viel Spaß macht, bei der aber nicht immer sofort viel zu gewinnen ist. Aber ich kann mir schon vorstellen, das Stadtmarketing gemeinsam mit Hessisch Oldendorf weiter voranzubringen. Kurzfristige Erfolge im Stadtmarketing waren immer selten.

Stefan Schlichte, Jahrgang 1976, im Interview: „Es ist eine Arbeit, die mir sehr, sehr viel Spaß macht, bei der aber nicht immer sofort viel zu gewinnen ist.“ Foto: Dana



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