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Sängerin Lale Koçgün und ihr Ensemble überzeugen im Stift Fischbeck

Mitten ins Herz

FISCHBECK. Eine Liederreise zu kurdisch-alevitischen Wurzeln – wo mag die wohl hinführen? In der vollbesetzten Fischbecker Stiftskirche nehmen Lale Koçgün und ihr Ensemble die Treppe zum Hochaltar als Bühne, lassen sich mit Kissen, Teppich und mehreren Instrumenten auf den Stufen nieder und sind ihrem Publikum wunderbar nahe.

veröffentlicht am 21.05.2018 um 17:32 Uhr

Einzigartig, berührend, begeisternd und lehrreich: Lale Koçgün (3.v.re.) und ihr Ensemble beim Pfingstkonzert in der Stiftskirche, bei dem die Treppe zum Hochaltar als Bühne fungierte. Foto: ah
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Annette Hensel Reporterin
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Schon nimmt Duduk-Spieler Bülent Meral alle in seinen Bann: Sein intensives Spiel auf jenem armenischen Blasinstrument mit dem speziellen Klang berührt, streichelt, um dann in verzweifeltes Jammern umzuschlagen. Komponiert hat das Instrumentalstück zum Auftakt Daf-Spieler Ali Erel, ein Meister auf der großen mesopotamischen Handtrommel, mit der er für manch grandioses Solo sorgt, und ein genialer Perkussionist – auch im Zusammenspiel mit Trommelspielerin Yasemin Fil.

Nach einem Wiegenlied in kurdischem Dialekt wird es dynamischer, temperamentvoller – dank U ur Canpolats schnellem Spiel auf der Langhalslaute (Tanbur) zu Lale Koçgüns Gesang in der Zaza-Sprache. Canpolat erzählt, dass er 1989 in Darmstadt geboren wurde, seine Familie aus Ostanatolien, aus einer kulturell unabhängigen türkischen Region stamme. Deutschsprachig aufwachsend, wird er „wie ein Türke behandelt, obwohl meine Familie doch vor dieser Assimilationspolitik geflohen ist...“.

Als Jugendlicher habe er dann mehr über seine Wurzeln erfahren wollen, zumal sein jüngerer Bruder in der Muttersprache erzogen worden sei, mehrfach sei er während seines Chemie-Studiums ins Heimatland gereist. „Über unsere Musik können wir unsere Kultur bewahren und Verantwortung für unsere kulturelle Identität übernehmen“, erklärt er die Motivation des Ensembles, alte Volkslieder, die noch heute in Ostanatolien gesungen werden, vorzutragen. Auf dem Programm stehen aber auch neue Songs, zum Teil mit Jazzelementen, denen Baris Balyemez mit dem E-Bass, der ein wenig aus den traditionellen Instrumenten herausragt, den richtigen Groove gibt.

Lale Koçgün, in Deutschland geboren, singt in fünf verschiedenen Sprachen. Sie weist darauf hin, dass Aleviten im Unterschied zum Islam ihren Glauben, bei dem der Mensch – Frau und Mann gleichgestellt – im Mittelpunkt stehe, durch die Musik weiterleben. Wie die Musiker mit ihren Instrumenten und Stimmen ihre Kultur offenbaren, etwa das sich in Trance drehen, das Zusammenarbeiten der Bauern oder das Feiern einer Hochzeit, klingt anfangs noch exotisch, ungewohnt. Aber je weiter das Publikum in die kurdisch-alevitische Geschichte eintaucht, desto faszinierter, regelrecht mitgerissen ist es. Als Lale Koçgün bei einem einfachen, melodiösen Refrain zum Mitsingen auffordert, stimmen viele mit ein.

„Kurdische Aleviten sind in meinem Bewusstsein immer belegt mit politischen Ereignissen: Minderheit, Bedrängung, Verfolgung durch das ganze 20. Jahrhundert“, erklärt Äbtissin Katrin Woitack eingangs und fügt hinzu: „Die Musik zeigt uns den Weg einer vielfältigen zu einer versöhnten Welt.“ Sie lässt die Gäste in der Stiftskirche sogar ihr Pfingstwunder erleben: Auch wenn sie nicht des Armenischen, Kurdischen, Türkischen oder des Zazaischen mächtig sind, fühlen, ja verstehen sie die Musik – weil sie mitten ins Herz geht. Schon der Applaus zwischen den Liedern ist kraftvoll, richtig aufbrausend und stürmisch ist die Woge der Begeisterung am Ende des vom Landschaftsverband Hameln-Pyrmont geförderten Konzertes.



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