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Fahrrad überquerte 1953 die alte Weserbrücke – Freitag soll es über die neue rollen

Mit Triumph über die Brücke

KRÜCKEBERG/FUHLEN. „Mit Triumph bin ich als Erster über die neue Weserbrücke gefahren“, diese Worte hat Wilhelm Olschewski (1917 geboren) öfters wiederholt und Tochter Christel Peter sind sie gut im Gedächtnis geblieben. „Triumph“ – das ist die Marke von Olschewskis altem Fahrrad, mit dem er 1953 die damals neue (und heute alte) Weserbrücke direkt nach der Eröffnung überquerte.

veröffentlicht am 01.08.2018 um 16:49 Uhr
aktualisiert am 02.08.2018 um 09:41 Uhr

Der Vater von Christel Peter fuhr mit dem Fahrrad 1953 als Erster über die alte Weserbrücke. Nun will Schwiegersohn Jürgen Rischmüller damit auch die neue überqueren. Foto: jsp
Jens Spickermann

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Das robuste Vehikel steht noch immer in der Garage von Schwiegersohn Jürgen Rischmüller. Bei der Eröffnung der neuen Fuhler Brücke (Freitag, 14 Uhr), so sein Plan, wird er das Bauwerk, wie einst Olschewski, als einer der ersten mit dem alten „Triumph“ überqueren. Mit dem mehr als 65 Jahre alten Fahrrad möchte Rischmüller die Geschichte auf der neuen Weserbrücke im Gedenken an seinen verstorbenen Schwiegervater wiederholen.

Die verstrichenen Jahrzehnte haben am Fahrrad nur geringfügige Spuren hinterlassen. Olschewski hat es immer gut gepflegt. „Das Fahrrad war sein Heiligtum“, erinnert sich die Tochter. „Das wird er sich von seinem ersten verdienten Geld gekauft haben.“

Olschewski hat nie einen Führerschein gemacht oder ein Auto besessen, erzählt Rischmüller. Bevor er sich später ein Moped kaufte, ist er ausschließlich mit dem Rad zur Arbeit gefahren.

„Er hat immer gesagt: Das Rad kommt nicht weg“, erzählt der Schwiegersohn. Es aufgrund seines hohen Alters einfach zu verschrotten ist ihm nach dem Ableben Olschewskis nie in den Sinn gekommen. Schon als die ersten Pläne bekannt wurden, dass eine neue Weserbrücke gebaut werden soll, beschloss er stattdessen, es damit seinem Schwiegervater gleich zu tun.

Für seine geplante Tour über die Weser hat er das Fahrrad herausgeputzt. Neue Reifen hat es auch bekommen, damit es uneingeschränkt fahrtüchtig wird. Viel mehr gab es daran nicht zu werkeln – es handelt sich eben um Wertarbeit. „So etwas bekommt man heutzutage gar nicht mehr“, meint Rischmüller. Deswegen hat er das Rad auch in seinem Originalzustand belassen. Selbst der Lack ist noch von Früher. Ein wenig Flugrost am Lenker stört ihn überhaupt nicht. „Das ist die Patina“, meint er. Wie bei einem alten Bronze-Denkmal.

Trotz des guten Zustandes möchte der Fahrrad-Besitzer lieber nicht den ganzen Weg von seinem Haus in Krückeberg bis zur Brücke in Fuhlen mit dem Triumph zurücklegen. Bei ersten Testrunden nach 20-jähriger Standzeit zeigte sich nämlich, dass sich das Rad doch etwas schwergängiger fährt als moderne Fahrräder. Die sind zwar oft weniger robust, fahren sich dafür aber leichter, wie es scheint.

Auf einem Anhänger wird Rischmüller das Fahrrad deshalb am Freitag bis nach Fuhlen bringen, um direkt nach der Aufhebung der Sperrung damit über die Brücke zu radeln. Auch er wird dann von sich sagen können: „Mit Triumph bin ich als Erster über die neue Weserbrücke gefahren.“ Sofern das Fahrrad dabei nicht in seine Einzelteile zerfällt – was angesichts des Erhaltungszustands unwahrscheinlich ist – wird es wohl auch danach in Ehren gehalten. Irgendwann, in vielen Jahren, wird sicherlich auch die neue Brücke ersetzt werden müssen. Vielleicht findet sich dann ein Nachfahre, der die Familientradition fortsetzt.



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