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Behinderte Menschen sollen im Herbst einziehen / Zusammenarbeit mit Taubblindenzentrum

Millionenprojekt Landhof schafft Arbeitsplätze

Fischbeck (ah). Über 200 Jahre war der Landhof in der Zentralstraße, Ecke Kirchturmsweg, in Besitz der Familie Prasuhn. Wo im Sommer Blumen rund um einen Teich blühten, ist jetzt eine Großbaustelle. Errichtet wird ein Wohnheim mit Therapieräumen. Gestern fand auf dem „Landhof Fischbeck“, den das Deutsche Taubblindenwerk (DTW) erworben hat, die Grundsteinlegung statt. Heimische Handwerker, Vertreter der Stadtverwaltung, Mitarbeiter und Bewohner des Taubblindenzentrums im Pötzer Kirchweg versammelten sich auf der mit einer dünnen Schneeschicht bedeckten Baustelle. Dort nahm Harald Muth, der seit vielen Jahren im Taubblindenheim am Pötzer Kirchweg lebt, ausgerüstet mit einer Maurerkelle, das Einzementieren der Schriftrolle vor.

veröffentlicht am 02.02.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:21 Uhr

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Mitten im Stiftsdorf wird Platz geschaffen für vier weitere familienähnliche Wohngruppen, für 22 mehrfachbehinderte, hörsehbehinderte und taubblinde erwachsene Menschen. „Heute ist ein ganz besonderer Tag, auf den wir lange gewartet haben“, sagt Wolfgang Angermann, Direktor des Deutschen Taubblindenwerks. Hier werde neuer Lebens- und Arbeitsraum geschaffen, fügt er hinzu und bringt seine Hoffnung zum Ausdruck, dass der Landhof Fischbeck eines Tages ebenso wie die Einrichtung im Pötzer Kirchweg Teil des Ortes sein werde.

Der Kreishandwerksmeister, Karl-Wilhelm Steinmann, erinnert an die ersten Baumaßnahmen des Taubblindenwerks im Jahr 1990; damals wie heute würden die Arbeiten in enger Bindung zu Firmen der Region durchgeführt, lobt er. Bürgermeister Harald Krüger dankt dem nach der Neurologischen Klinik zweitgrößten sozialen Arbeitgeber in der Stadt Hessisch Oldendorf. „Sie schaffen Arbeitsaufträge und Arbeitsplätze“, betont er. Mit einem Investitionsvolumen von knapp drei Millionen Euro werden die Neubaumaßnahmen inklusive der Sanierung des Altbestands veranschlagt. Auch diesmal hat der Fischbecker Architekt Michael Wunder im Auftrag des Deutschen Taubblindenwerks die Pläne für das Vorhaben entworfen.

Abgerissen wurde die alte Scheune auf dem 14 000 Quadratmeter großen Gelände, in der früher Pferde untergebracht waren. An ihrer Stelle steht eine neue großzügige Reithalle, in der künftig therapeutisches Reiten für die Bewohner des Taubblindenzentrums wie des Landhofs stattfinden wird. „Außerdem bieten wir dort tiergestützte Therapie mit Kleintieren an“, sagt Betreuungsdienstleiterin Jutta Hennies und ergänzt: „Für ein qualifiziertes Angebot befindet sich eine Mitarbeiterin derzeit in einer entsprechenden berufsbegleitenden Ausbildung.“

Behinderte, Mitarbeiter des Taubblindenheims und zahlreiche Gäste waren gestern zum Landhof gekommen.
  • Behinderte, Mitarbeiter des Taubblindenheims und zahlreiche Gäste waren gestern zum Landhof gekommen.

Beendet ist die Sanierung des Altgebäudes, das mit dem alten Ofen im Eingangsbereich, den abgeschliffenen Dielen und Türen den Bauernhaus-Charme bewahrt hat. Das Haus bietet Platz für Gemeinschaftsräume, Gästezimmer, einen kleinen Verwaltungsbereich und für einen großen Koch- und Backbereich. Hier sollen die Bewohner bei der Selbstversorgung mit Brot und Brötchen gezielt einbezogen werden. Der Leiter des Taubblindenheims, Jürgen Hennies, erklärt: „Der Landhof Fischbeck ist ein Projekt mit zukunftsorientierten Ideen.“ Er fährt fort: „Wir wollen uns verstärkt nach außen öffnen und damit mehr Integrationsmöglichkeiten, aber auch zusätzliche Beschäftigungsangebote schaffen.“ Realisierbar sei dies beispielsweise über den geplanten Werkstattladen, in dem Bewohner ihre Produkte anbieten. Die Eröffnung des Ladens soll im Sommer erfolgen. „Wir werden die neuen Bereiche behutsam aufbauen, die Zusammenarbeit zwischen dem Taubblindenzentrum und dem eigenständigen Landhof Fischbeck soll langsam wachsen“, erklärt Jürgen Hennies.

Wenn alles wie geplant verläuft, können im Herbst ehemalige Schüler aus der Schule für hörsehbehinderte und taubblinde Kinder und Jugendliche in Hannover in das neue Wohnheim einziehen. Auch einige der Bewohner aus dem Pötzer Kirchweg werden sich auf dem Landhof niederlassen. „Es gibt aber auch externe Anfragen“, teilt Jutta Hennies mit.

30 Jahre lang hat Edda Prasuhn auf dem Landhof gewohnt. Sie hat miterlebt, wie schwierig es für Familien ist, solch ein großes landwirtschaftliches Anwesen zu unterhalten. Nun wird das Taubblindenwerk dies übernehmen. „Ich weiß das Grundstück in guten Händen“, sagt Edda Prasuhn.



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