weather-image
17°
Erst die alten Gemälde, dann folgen weitere Renovierungsarbeiten in der St. Marienkirche

Melanchthon gibt wieder ein gutes Bild ab

Hessisch Oldendorf (jh). Das Jahr 2012 steht in der St. Marienkirche im Zeichen der Restaurierung. Die erste Maßnahme ist gerade abgeschlossen: Drei der fünf in der gotischen Hallenkirche aushängenden Gemälde mussten nach Überprüfung durch das Amt für Bau- und Kunstpflege einer besonderen Frühjahrskur unterzogen werden.

veröffentlicht am 29.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 21:41 Uhr

270_008_5361190_lkho103_2903.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Das ist mein erster Luther“, verrät Thekla Hübner-Ohsiek, die im Auftrag der Landeskirche den Schimmelpilzbefall auf Gemälden beseitigt. „Zusätzlich befreie ich bei dieser Konservierungsmaßnahme die Oberflächen von Verschmutzungen wie Staub und Ruß“, fährt sie fort. Generell sei für die Erhaltung von Kunstwerken wichtig, dass Schäden und ihre Ursachen durch regelmäßige Kontrolle früh erkannt werden. Mit Durchführung der notwendigen Arbeiten könne weiterer Schaden verhindert oder begrenzt werden, so die Diplom-Restauratorin und erläutert: „Schimmelpilz verwertet als Nahrungsquelle nicht nur Staub und Schmutz, sondern greift auch das Bindemittel aus den Malschichten an.“ Im Laufe der Zeit könne das im schlimmsten Falle zum Verlust der Malschicht führen.

Ganz vorsichtig, Zentimeter um Zentimeter, arbeitet sich Thekla Hübner-Ohsiek mit Schwämmchen oder Wattestäbchen auf den bemalten Leinwänden vorwärts. Als Zaubermittel für die Gemäldekur dient ihr destilliertes Wasser. Auf diese Weise erhalten Luther, Melanchthon sowie ein Gemälde auf der Seite der Orgel, das die Kreuzigungsszene darstellt, neuen Farbglanz. „Ich bringe das zum Vorschein, was die Künstler geschaffen haben, außerdem auch alte Retuschen oder Leinwandnähte“, erzählt die Restauratorin. Gerade beim Bild von Melanchthon sei dies der Fall, ergänzt sie und weist auf Unebenheiten der Oberflächenstruktur hin.

Die mehr als 200 Jahre alten, knapp zwei Meter hohen Gemälde werden auch von hinten gereinigt und dort mit Abstandshaltern versehen. „Damit gewährleisten wir eine Hinterlüftung der Gemälde und beugen einem Befall auf der Rückseite vor“, sagt Thekla Hübner-Ohsiek. Die Kosten für diese Konservierungsmaßnahme belaufen sich auf rund 950 Euro.

Erich Horn, ehemaliger Kirchenvorsteher und in der Baugeschichte der Marienkirche bewandert, weiß, dass die letzte Gemälderenovierung vor dem großen Umbau der Kirche Mitte der 60er Jahre stattgefunden hat. „Das war wahrscheinlich, als der alte Flügelaltar umgesetzt wurde, dessen Abendmahlsszene noch heute an der Wand im Altarraum hängt“, erinnert sich Erich Horn.

Weil Luther und Melanchthon neben dem Kirchturmaufgang in ungewohntem Glanz erstrahlen, ist nun passend dazu in deren Nachbarschaft ein historischer Schrank von 1530 aus dem Gemeindehaus aufgestellt worden. „Die nächste große Baustelle in unserer Kirche wird die Restaurierung des Kirchturms von innen sein“, erklärt Pastor Michael Hensel. Bereits 1999, als er die Pfarrstelle in der Weserstadt übernahm, habe er bauliche Schäden im Turm bemerkt. Deren Beseitigung stellten sich aber wesentlich komplexer dar, als er sich das seinerzeit gedacht habe, sagt Michael Hensel: „Erst musste der Turm von außen saniert werden, dann galt es, das Austrocknen der Turmwände abzuwarten. Außerdem mussten Untersuchungen am Putz vorgenommen werden, um die Sanierung mit den geeigneten Materialien durchzuführen.“ Jetzt werde aber gleich nach den Konfirmationen mit den Arbeiten begonnen, versichert der Pastor und fügt hinzu: „Nach den Sommerferien, auf jeden Fall noch in diesem Jahr, ist dann auch die Renovierung der Orgel geplant.“

Die Kosten für die Arbeiten am Kirchturm von St. Marien sind mit 75 000 Euro veranschlagt. „Für die Renovierung von Orgel und Kirchturm haben wir langfristig Rücklagen zur Verfügung, die zum Teil aus Spenden im Rahmen des freiwilligen Kirchgeldes kommen“, erklärt Pastor Michael Hensel.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare