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Population in den letzten Jahren stark gestiegen / Landesjägerschaft empfiehlt Bejagung / Zahl der Unfälle hat zugenommen

Mehr Schwarzwild macht den Verkehr saugefährlich

Hessisch Oldendorf (ubo). „Aus einem kleinen Wald kam eine Rotte Wildschweine, die auf eine Wiese auf der anderen Straßenseite wollte. Die Wiese war durch einen Stacheldraht gesichert. Doch das interessierte die Rotte nicht. Sie ging da durch, als sei der Draht nicht vorhanden“, erzählt Kreislandwirt Karl-Johann Stukenbrock. Er hat die Begegnung mit dem Schwarzwild nicht vergessen. Hochintelligente Tiere seien das, mit einem hervorragenden Geruchssinn und einer schnellen Auffassungsgabe: „Man sagt sogar, dass jene Tiere, die eine Treibjagd überstanden haben, sich bei der nächsten Jagd absolut ruhig verhalten und sich nicht aufschrecken lassen.“

veröffentlicht am 28.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 23:41 Uhr

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So viel Faszination das Schwarzwild beim Waidmann weckt, bei anderen sorgt es für Angst und Schrecken. Die tierischen Waldbewohner kommen immer öfter in die Schlagzeilen. Weil ihre Population in den letzten Jahren gewachsen ist, sind Wildschweine auch häufiger in Autounfälle verwickelt, Golfclubs und Bauern beschweren sich über verwüstete Äcker und zerpflügte Golf-Greens.

Nur im Wald, ihrem Rückzugsgebiet, richten sie keinen Schaden an. „Sie sind im Wald sehr nützlich, weil sie Mäuse fressen, den Boden dabei lockern und nebenbei den Samen der Bäume in die Erde bringen“, bricht Christian Weigel, Leiter des Forstamtes Oldendorf, eine Lanze für das Schwarzwild. Allerdings: In den letzten Jahren haben sich die Wildschweine stark vermehrt. Bedingt durch die langen Trockenphasen in den Sommern der vergangenen Jahre, haben die Bäume mehr Bucheckern und Eicheln ausgebildet (Mast). „Durch die hohe Mast der Bäume war der Tisch für das Schwarzwild reich gedeckt. Deshalb konnte es sich reichlich vermehren“, erklärt Kreisjägermeister Jürgen Ziegler.

Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landentwicklung sowie die Landesjägerschaft arbeiten an einer Empfehlung zur intensiven „Bejagung“ des Schwarzwildes, das sich großflächig auch in bisher schwarzwildfreie Gebiete ausgebreitet hat. Deshalb sind die Jäger angehalten, 80 Prozent eines Jahrgangs zu erlegen. Im Jahr 2008 betrug die Strecke in Niedersachsen 57 604, im Landkreis Hameln-Pyrmont 1981 Stück.

Auch der Kreisjägermeister unterstützt diese Forderung: „Das Schwarzwild muss auch weiterhin mit Hilfe von Treibjagden flächendeckend bejagt werden.“ Genaue Zahlen lägen noch nicht vor, doch es seien weniger Tiere als im Vorjahr, meint Ziegler.

„Die Jagden und die Ansitzjagd waren in den letzten zwei Jahren, in denen eine Mast fehlte, sehr erfolgreich und führten zu einer Absenkung des Bestandes“, führt der Kreisjägermeister aus.

Diesen Eindruck bestätigt auch Hegeringleiter Karl-Henning Schwiezer-Koch vom Hegering 10, Hessisch Oldendorf. Danach habe sich gefühlt die Zahl des Schwarzwildes im Bereich Hessisch Oldendorf reduziert. „Die intensive Bejagung war in weiten Teilen erfolgreich. Und auch die Schäden in der Landwirtschaft sind, bedingt durch die frühe Ausbildung der Eicheln, in diesem Jahr zurückgegangen“, erklärt er. Auch sein Kollege Matthias Klett vom Hegering 5, Emmerthal, und Forstamtsleiter Christian Weigel bestätigen den Jagderfolg: „Wir konnten durch zeitgleiche Jagden in mehreren Revieren die Zahl des Schwarzwildes verringern“, sagt Klett. Doch im nächsten Jahr werde durch die gute Mast der Buchen und Eichen der Bestand wieder steigen“, prognostiziert Weigel.

Dass Wildschweine aber auch in die Städte eindringen, kann Kreisjägermeister Jürgen Ziegler nicht bestätigen. „Bedingt durch den hohen Waldbestand und die Walddichte, hält sich das Schwarzwild zwar in den Randbereichen, aber nicht in den Städten auf“, so Ziegler. Weigel hat eine andere Theorie für diese Behauptung: „Die Schweine folgen dem Menschen. Dadurch entsteht der Eindruck, dass der Bestand der Wildschweine sehr hoch ist.“

Nicht von der Hand zu weisen und durch Zahlen belegt ist hingegen die Zunahme an Unfällen, bei denen Wildschweine eine Rolle spielen. In der Statistik des Kreisjägermeisters für den Landkreis fällt besonders das Unfallwild auf. Im Jahr 1997/98 waren es insgesamt 17 Stück Fallwild. 2008/2009 sind es 110. Die Polizei registriert für das laufende Jahr bisher 423 Wildunfälle, wobei vier Personen schwer und sechs Personen leicht verletzt wurden. 220 Wildunfälle passierten im Bereich der Polizeiinspektion Hameln (Stadtgebiet Hameln, Gemeinden Emmerthal und Hessisch Oldendorf).

Hinzu käme aber noch eine deutliche Dunkelziffer, sagt Jörn Schedlitzki, Pressesprecher der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden.

Zu den registrierten Wildunfällen müsse etwa die gleiche Zahl hinzugerechnet werden, die den Jagdpächtern und Versicherungen direkt gemeldet wurden.

Wie gefährlich ein Zusammenstoß mit einem Wildschwein sein kann, rechnet Schedlitzki anschaulich vor: „Ein ,kleiner’ Keiler, der 80 Kilogramm wiegt, hat bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern eine Masse von rund 2000 Kilogramm. Bei 70 Stundenkilometern wirkt der Keiler mit einem Gewicht von 4000 Kilogramm auf das Fahrzeug.“ Dennoch rät Schedlitzki, bei einem drohenden Zusammenstoß nicht auszuweichen, da die Gefahren für den Gegenverkehr und ein Abkommen von der Fahrbahn gefährlicher seien.

Dass die Keiler unglaublich zäh seien, lehrt die Erfahrung. Viele Tiere flüchten unter Schock nach so einem Aufprall in den Wald. Darum sei es sehr wichtig, die Polizei zu benachrichtigen, „damit der Fährtenhund eines Jägers das verletzte Tier aufspüren kann, wenn es verletzt geflüchtet ist.“



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