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Schäden durch Starkregen im September werden untersucht / Politik fordert weitere Sicherheitsvorkehrungen

Mehr Schutz vor Hochwasser

HESSISCH OLDENDORF. Der starke Regen, der in einigen Stadtteilen Hessisch Oldendorfs am 30. September für Überschwemmungen sorgte, lässt bei vielen Bürgern die Angst vor Hochwasser steigen. Jetzt sollen die Schäden analysiert und Verbesserungen erarbeitet werden.

veröffentlicht am 27.10.2017 um 11:38 Uhr

Wie hier in Heßlingen sah es am 30. September in einigen Orten Hessisch Oldendorfs aus. Foto: Fn/Archiv
Johanna Lindermann

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Johanna Lindermann Volontärin zur Autorenseite
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Wie berichtet, hatte die Mehrheitsgruppe aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat eine Intensivierung des Hochwasserschutzes beantragt. Der Bauausschuss sprach sich jüngst dafür aus, diese Vorschläge weiter zu verfolgen. Unter anderem, so der Vorschlag von SPD und Grünen, sollte eine detaillierte Schadensanalyse erstellt werden, die Maßnahmen und die bisher zum Schutz umgesetzten Maßnahmen sollten aufgelistet und auf ihre Wirkung hin untersucht werden. Außerdem sollte eine Prioritätenliste aufgestellt werden, welche Maßnahmen künftig umgesetzt werden müssten, und geprüft werden, mit wie vielen Geldern für den Haushalt 2018 dies zu realisieren wäre.

Es sehe durchaus so aus, als seien die Fälle von Tagen mit hohen Niederschlagsmengen innerhalb von 24 Stunden in den letzten Jahren gestiegen, erläutert Heiko Wiebusch von der Stadtverwaltung. „Es gibt eine Tendenz, dass es zunehmen könnte.“ So seien zwischen den Jahren 1951 und 2001 Niederschläge von 20 bis 50 Liter pro Quadratmeter am Tag vorgekommen, in den Jahren danach habe es auch mehr als 60 Liter pro Quadratmeter und Tag geregnet. Zum Vergleich: Am 30. September seien geschätzt rund 36 Liter Regen pro Quadratmeter heruntergekommen – in einigen Ortsteilen mehr, in anderen weniger. Dies ist allerdings der Niederschlag, der innerhalb einer halben Stunde und nicht im Laufe eines ganzen Tages fiel. „Bei den Hochwasserschäden kommt es nicht auf die Tage an, an denen Starkregenereignisse stattfinden, sondern wie viel Regen in kurzer Zeit fällt“, erklärt Wiebusch.

Es seien einige Faktoren zusammengekommen, weshalb die Überschwemmung Ende September viele Ortsteile Hessisch Oldendorfs so stark traf: Es wurde gerade abgeerntet, deshalb gebe es viel kahlen Boden und gebe es mehr versiegelte Flächen als früher. Außerdem hätten zum Teil abgefallene Blätter das Ablaufen des Wassers verhindert.

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Allerdings sei in den letzten Jahren schon viel für die kommunale Schadensabwehr getan worden, fährt Wiebusch fort. „Das hat auch schon viel gebracht, doch nur in einem akuten Fall sieht man, wo noch mehr gebraucht wird.“ Daher sei die Verwaltung derzeit dabei, die Schadensfälle aus dem September abzuarbeiten. Damit stehe man aber derzeit noch am Anfang. „Dabei ist jeder Schadensfall ein Einzelfall“, so Wiebusch. Nicht alle könnten sich auch in der Zukunft verhindern lassen – wie etwa in Heßlingen, wo ein Strohballen einen Bach verstopfte und dafür sorgte, dass das Wasser übertrat.

Die Politik habe zwar schon viel an den Gefahrenpunkten gearbeitet, erklärt Wiebusch, doch es müssten noch mehr Haushaltsmittel zum Hochwasserschutz zur Verfügung gestellt werden. „Nach unserer ersten Analyse kommen wir zu dem Schluss, dass in den Jahren 2018 und 2019 jeweils 50 000 Euro für eine wirkungsvolle Vorsorge benötigten werden.“ Dafür hatte sich auch der Ausschuss für Bau, Umwelt-, Feuerschutz und Energiemanagement ausgesprochen.

Auch der Ortsrat Hessisch Oldendorf hat den Hochwasserschutz in seinen Anträgen zum Haushalt für das Jahr 2018 eingeschlossen. Als ersten Punkt bei den Investitionsmaßnahmen sieht der Ortsrat die Hochwassersicherung durch das Brückensperrwerk am Segelhorster Bach, im Bereich der Grundschule zur Sicherung des Bereichs Rohdener Weg, des geplanten Baugebiets „Kösters Kamp“ und der Innenstadt vor. „Wäre das Brückensperrwerk schon bis September fertig gewesen, hätte man hier schon einen Probelauf gesehen“, bedauert Ortsbürgermeister Claus Clavey.

Außerdem fordert der Ortsrat, der Wasserverband Exter-Weser solle Maßnahmen zur Hochwasserreduzierung vornehmen, wie etwa Baumschnitt. Darüber hinaus hat der Ortsrat beantragt, alle Oberflächen- und Mischwasserkanäle im Bereich des Rohdener Weges, der Bergstraße und der Welseder Straße zu untersuchen und Lösungen zu erarbeiten, damit zukünftige Straßenüberschwemmungen vermieden werden könnten.

Doch der Antrag der Mehrheitsgruppe im Stadtrat auf eine Intensivierung des Hochwasserschutzes wird nicht von allen begrüßt. Ratsherr Thomas Figge (CDU) merkt an, SPD und Grüne hätten im Ortsrat Sonnental beantragt, in Fuhlen ein Regenwasserauffangbecken verfüllen wollen, da sich darin fast nie Wasser befinde. Das sei richtig, denn diese Becken füllten sich eben nur im Hochwasserfall, meint Figge. Mit der Verfüllung dieses Beckens „beantragt die Mehrheitsgruppe eine Aufweichung des Hochwasserschutzes“, ganz entgegen des jetzigen Antrags, so Figge. Das Thema Hochwasserschutz werde in Hessisch Oldendorf und auch vom Landkreis „gut und mit Nachdruck“ bearbeitet.

Die Verwaltung habe das Rückhaltebecken geprüft, erklärt Wiebusch dazu. „In der nächsten Sitzung des Ortsrates Sonnental wird es die Mitteilung geben, dass die Verwaltung vorschlägt, dass Becken so zu belassen, wie es ist.“

Mein Standpunkt
Johanna Lindermann
Von Johanna Lindermann

Eigentlich schön, wenn durch ein Unwetter, das viele Schäden verursacht hat, trotzdem noch etwas Gutes geschieht: Die Schwachstellen im Hochwasserschutz sind nun aufgedeckt und hier kann jetzt gehandelt werden – damit beim nächsten Starkregen Sach- oder gar Personenschäden vermieden werden können.

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