weather-image
840 Hektar Wald im Süntel können sich jetzt frei entwickeln

Mehr Raum für Wildnis

LANGENFELD. Der Wald wird wilder am Süntel. Auf 1301 Hektar wird es künftig keine Pflegemaßnahmen und keinen Holzeinschlag mehr geben und der Forst sich zu einem Naturwald entwickeln können.

veröffentlicht am 03.10.2017 um 19:29 Uhr

Christian Weigel erklärt Klaus Merker, Stephan Wenzel und Christian Meyer (v.r.) die Entwicklung. Foto: wft
wft 4

Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Nur noch Fichten, Lerchen und die Roteiche sollen bis zum Jahr 2020 geschlagen und damit herausgenommen werden, weil sie nicht zum natürlichen Bestand der heimischen Wälder zählen, wie Forstminister Christian Meyer, Umweltminister Stephan Wenzel (beide Grüne) und Klaus Merker, der Präsident der niedersächsischen Landesforsten, gestern bei einer Besichtigung des Naturwaldes auf der Langenfelder Gemarkung erklärten. Begleitet wurden die beiden Minister auch von Ricky Stankewitz vom Landesvorstand des Nabu und Karl-Friedrich Weber, dem waldpolitischen Sprecher des BUND in Niedersachsen.

Bereits im Jahr 1972 waren 461 Hektar Baumbestand in diesem Bereich zum Naturwald erklärt und aus der Bewirtschaftung genommen worden. Jetzt wurden durch Beschluss der Landesregierung weitere 840 Hektar umgewidmet und damit eine Lücke zu dem Ziel geschlossen, zehn Prozent der in öffentlicher Hand befindlichen Wälder zu Naturwald zu machen. Auf dem Süntel kann sich damit die zweitgrößte Waldfläche in Niedersachsen mit eigener Dynamik entwickeln und Schauplatz einer besonderen Biodiversität werden. Insgesamt wird jetzt in Niedersachsen auf rund 33 000 Hektar Waldfläche auf Pflegemaßnahmen verzichtet und kein Holz mehr geerntet.

„Wir erhöhen in den alten und neuen Naturwaldflächen entscheidend die Artenvielfalt. Profitieren werden also die vielen im Wald beheimateten, teils sehr seltenen Tier- und Pflanzenarten, denen wir jetzt mehr Lebensraum geben. Zugleich bildet diese Vielfalt wichtige genetische Ressourcen für die Zukunft“, sagte Fortsminister Meyer gestern beim gemeinsamen Waldspaziergang. Zu den ausgesprochen seltenen Pflanzen auf dem Süntel zählen nach Angaben von Christian Weigel, dem Leiter des Forstamtes Oldendorf, das „Westfälische Brillenschötchen“, die „Österreichische Rauke“, der erst im Jahr 2005 entdeckte Milzfarn und der Berglauch. Niedersachsen und der Süntel leisteten damit einen wichtigen Beitrag zur „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Sie hat zum Ziel, deutschlandweit fünf Prozent des gesamten Waldes stillzulegen. „Die jetzt beschlossene Gebietskulisse ist ein Meilenstein für den Naturschutz“, betonte Meyer, „die Landesforsten sind damit Vorbild auch für andere Waldbesitzer.

Nachdem im Jahr 2013 nur rund fünf Prozent des Landeswaldes wirtschaftlich ungenutzt waren, wurden bis 2015 durch ein erstes Auswahlverfahren bereits mehr als acht Prozent der Fläche als Naturwald ausgewiesen. Auch Bürger und die Naturschutzverbände konnten Vorschläge für mögliche Naturwaldflächen im Landeswald machen. Den Vorschlag, die zusätzlichen 840 Hektar auf dem Süntel umzuwidmen, hatte Forstamtsleiter Weigel gemacht.

„Mit der Schaffung von Naturwäldern kommen wir dem Ziel, den Wald als Zentrum der natürlichen Arten- und Lebensvielfalt dauerhaft zu schützen, wieder ein Stück näher“, erklärte Umweltminister Wenzel. „Bäume reinigen die Luft, spenden Schatten, regulieren den Wasserhaushalt und sind entscheidende Klimaschützer in unserer Natur.“ Der Zustand der Umwelt und die Bedrohung vieler Arten zeigten aber auch, dass noch ein langer Weg vor uns liege.

Mit dem Verzicht auf Pflegemaßnahmen und der Ernte von Holz verzichten die Landesforsten auch auf erhebliche Einnahmen. Klaus Merker, der Präsident der im Jahr 2005 gegründeten niedersächsischen Landesforsten schätzt den Verzicht auf den jetzt hinzugekommenen 840 Hektar im Süntel auf etwa 8000 Festmeter Holz, die nicht mehr geerntet und vermarktet werden könnten. Für den niedersächsischen Finanzminister bedeute dies einen Einnahmeverlust von jährlich etwa 200 000 Euro, erklärte Wenzel. „Das sieht der zwar nicht besonders gerne, aber er hat dem im Kabinett zugestimmt.“

Im Süntel wird in Zukunft die Buche der vorherrschende Baum sein. Offen ist noch, ob die Süntelbuche, eine genetische Mutation des Laubbaums und früher als Teufels- oder Hexenbaum bezeichnet, besonderen Schutz im Naturwald genießen und seine direkte Umgebung von Unterholz bereinigt wird. Auch wenn künftig grundsätzlich keine Pflegemaßnahmen erfolgen sollen, fordert Kreisjägermeister Jürgen Ziegler als Teilnehmer des Waldspazierganges, dass auch in Zukunft Flächen im Naturwald vorgehalten werden, auf denen beispielsweise das Schwarzwild mit Drückejagden dezimiert werden kann. „Dazu brauchen wir freies Schussfeld“, erklärte der Kreisjägermeister. „Wenn alles voller Unterholz steht, wird das nicht möglich sein.“ Grundsätzlich werde die Jagd auch im Naturwald möglich sein, betonten die beiden Minister und auch der Präsident der Landesforsten während des Waldspazierganges.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare