weather-image
11°

Premiere: Geschichtliche Führung zu letzten Ruhestätten

Marktplatz und Friedhof – einst schmutzige Einheit

Hessisch Oldendorf (ah). „Der Tod begleitet das Leben wie der Schatten das Licht“ – so lautete eine in Hessisch Oldendorf so noch nicht erlebte Führung, die letzten Samstag im Rahmen des Landsommers 2009 stattfand. Mehrere Wochen hatte Gästeführerin Gabriele Lingen recherchiert, Quellen und Geschichtsbücher bearbeitet und Mitglieder alteingesessener Familien befragt. Die Gäste ließen sich von ihr zu den Plätzen führen, auf denen die Oldendorfer Vorfahren ihre letzte Ruhestätte fanden – und waren sehr beeindruckt.

veröffentlicht am 24.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 13:21 Uhr

Gabriele Lingen führt zum Abschluss über den jüdischen Friedhof.
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Am Kirchplatz befand sich im Mittelalter der große Friedhof der Stadt. Er diente nicht nur als Stätte für Verstorbene, sondern auch als (Jahr-)Marktplatz – „und war entsprechend schmutzig“, wie Gabriele Lingen anmerkte. Ursprünglich sei der Friedhof viel größer gewesen als der heutige Kirchplatz, alle umliegenden Gebäude seien erst nach 1600 errichtet worden, erklärte sie. Ärmere Bürger wurden am äußeren Rand bestattet, Angehörige des Adels und des Klerus hingegen fanden ihre letzte Stätte direkt in der Kirche.

Ärmere Bürger wurden am Rand bestattet

Mit der Reformation und bedingt durch Seuchen wurden Friedhöfe vor die Stadttore verbannt. Der Friedhof in Oldendorf wurde vor dem Ostertor gebaut. Im ältesten Grab von 1739, dem der Familie Baxmann, liegen die sterblichen Reste des Sohnes von Cord Baxmann, der seinerzeit Bürgermeister in Oldendorf war. Beim Gang über den sogenannten alten Friedhof wusste die Gästeführerin viel Wissenswertes aus der Geschichte der Stadt zu erzählen.

Die jüdische Bevölkerung hatte ihre Grabstätten getrennt von den Christen. Im Mittelalter erhielt sie auf dem Nordwall Land für ihren Totenhof. Grabsteine aus dieser Zeit sind nicht erhalten; ein Gedenkstein erinnert aber an dieser Stelle an die Oldendorfer Juden. Im Zuge des Abbaus der alten Befestigungsanlage beantragte der Stadtrat 1828 die Beseitigung des Totenhofs zugunsten einer Promenade. So entstand der jüdische Friedhof am Maibergring, auf dem neben jüdischen Metzgers- und Kaufmannsfamilien der ehemalige Kreisvorsteher der Juden, Nathan Peres Lilienfeld, der 1862 starb, ruht. Am einzig christlichen Grab, dem einer polnischen Zwangsarbeiterin, am Kreuz auf dem Grabstein erkennbar, endete die einmalige zweistündige Führung.

Das Grab der Familie Baxmann auf dem alten Friedhof.

Fotos: ah



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt