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Dewezet-Serie „Kleine Museen auf dem Lande“ / Heute: Die „Schillat-Höhle“

Märchenwelt unter der Erde

HESSISCH OLDENDORF. Auch die Schillat-Höhle im Hessisch Oldendorfer Stadtteil Langenfeld gehört zu den Einrichtungen, die sich unter dem Dachverband „Museumslandschaft Hameln-Pyrmont“ zusammengefunden haben und nach und nach in einer Dewezet-Serie vorgestellt werden sollen. Zusammen mit dem dort ebenfalls angesiedelten „Natour-Nah-Zentrum“ und dem Landfrauen-Café ergibt sich ein touristischer Dreiklang, der von Ausflüglern gern auch als „Schlechtwetterziel“ angesteuert wird. Die - zunächst berechtigte - Frage, was eine Tropfsteinhöhle mit Museen verbindet, beantwortet sich beinahe von selbst, wenn man in Betracht zieht, dass die „Exponate“ dieser musealen Einrichtung bereits etliche Millionen Jahre alt sind und sich zudem immer schon an jenem Ort befunden haben, an dem sie den Besuchern auch heute noch gezeigt werden: rund 45 Meter unterhalb der heutigen Erdoberfläche.

veröffentlicht am 14.06.2018 um 17:10 Uhr
aktualisiert am 14.06.2018 um 18:00 Uhr

Zauberhafte Gebilde aus längst vergangenen Zeiten, wie Burgen, Städte und Türme, gibt es im „Märchenwald“ zu entdecken. Hier endet für Besucher der Weg durch die Höhle, denn die letzten 30 Meter des Gangs können nur kriechend zurückgelegt werden. fot
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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Mit den notwendigen Schutzhelmen versehen, gleiten die Besucher der Schillat-Höhle in einem Aufzug mit gläserner Wand in 45 Meter Tiefe hinab – und durchqueren dabei innerhalb von gut 50 Sekunden mehrere Millionen Jahre Erdgeschichte. Unten angekommen, befinden sie sich auf dem Grund eines ehemaligen zur Besichtigung freigegebenen Steinbruchs und können zunächst einmal an den senkrechten Felswänden den soeben vollzogenen erdgeschichtlichen Trip nachvollziehen.

Auch von dem, was eine Tropfsteinhöhle zu gestalten vermag, erhalten Besucher einen ersten Eindruck. Denn dort liegt das Fragment Stalagmiten, ein mächtiger Brocken mit einem Durchmesser von etwa einem Meter. Ein weiteres, kaum kleineres Fundstück beweist, dass dort, wo sich heute der Höhenzug Süntel erhebt, vormals ein riesiges Meer war, denn dieser mächtige Stein trägt die für Wattboden typischen Rippelmarken. Zurück auf dem Weg in die Schillat-Höhle geht es zunächst noch durch einen künstlich angelegten Gang, dessen Betonwände gleichwohl mit „Höhlenmalereien“ geschmückt sind. Allerdings wurden diese, den prähistorischen Wandzeichnungen in der Höhle von Lascaux in der Dorgogne nachempfunden, kurz nach dem Bau es Tunnels von Kunststudenten aus Hildesheim gestaltet.

Eine weitere Stahltür wird von der Höhlenführerin oder dem Höhlenführer aufgeschlossen, und vor den Augen der Besucher öffnet sich eine wahre Schatzkammer an natürlichem Gestaltungsreichtum, an Formen und Farben. Hier geht es indes nicht um Gold, Silber oder Edelsteine. Was hier das Auge des Betrachters erfreut und oft nicht minder glänzt, strahlt und funkelt, ist schlichter Kalk. Kohlensäurehaltiges Wasser hat ihn aus dem Karst des Höhenzugs herausgelöst und über Millionen von Jahren, Tröpfchen für Tröpfen zu den wundersamsten Gebilden, eben jenen, Stalagmiten und Stalaktiten genannten Tropfsteinen wachen lassen.

Ein der Länge nach aufgeschnittener Stalagmit lässt Werden und Wachsen eines solchen Gebildesüber einen Zeitraum von Jahrtausenden erkennen. foto: br
  • Ein der Länge nach aufgeschnittener Stalagmit lässt Werden und Wachsen eines solchen Gebildesüber einen Zeitraum von Jahrtausenden erkennen. foto: br
Knapp einen Meter Durchmesser hat dieses Fragment eines Stalagmiten, an dem Höhlenführerin Annette Gerten aufzeigt, dass sich Farbe und Struktur von Tropfsteinen verändern, wenn sie ihrem ursprünglichen Mikroklima entrissen wurden und Einflüssen der
  • Knapp einen Meter Durchmesser hat dieses Fragment eines Stalagmiten, an dem Höhlenführerin Annette Gerten aufzeigt, dass sich Farbe und Struktur von Tropfsteinen verändern, wenn sie ihrem ursprünglichen Mikroklima entrissen wurden und Einflüssen der Außenwelt, wie Sonnenlicht, Wind und Regen, ausgesetzt sind. foto: br

Aber auch Wundersames und Sagenhaftes gibt es zu entdecken, wie etwa eine Kuh, die beweist, dass diese Milcherzeuger im Süntel auf dem Rücken liegend gemolken werden, denn ihr steinernes Euter und ihre ebensolchen Zitzen zeigen senkrecht nach oben. Auch werden Besucher unschwer die Beine des Süntel-Bösewichts Baxmann erkennen, der einst in die Höhle verbannt worden war und nun seit 400 Jahren in einer Felsspalte feststeckt. Es gibt Muscheldecken und vielfarbige Gesteinsvariationen zu bewundern, sichtbar gewordenes, versteinertes Meeresgetier aus der Urzeit und feucht glänzende Stalaktiten, denen man beim Wachsen zusehen könnte – wenn man denn jemals alt genug würde. Und schließlich öffnet sich der „Märchenwald“ mit seinem Staunen hervorrufenden Formenreichtum.

Von da an würde es für die letzten etwa 30 Meter der bisher erschlossenen Höhle nur noch kriechend vorwärts gegen. Aber diese Mühe wird den Besuchern erspart, das bleibt Sache professioneller Höhlenforscher.

Auf die Gäste wartet am Ende der Führung aber noch ein letzter Höhepunkt: In einer weiteren unterirdischen Kammer wird ihnen in einer faszinierenden 3-D-Fotoschau die benachbarte Riesenberghöhle vorgestellt. Sie gilt, und die Bilder beweisen es, als die schönste Tropfsteinhöhle Deutschlands. Damit sie das auch bleibt und nicht durch Fremdklima wie Licht und Außenluft geschädigt wird, ist sie fest verschlossen. Lediglich zweimal pro Jahr dürfen Experten der Höhlengruppe Nord sie zu Forschungszwecken betreten und sich von ihrer Schönheit verzaubern lassen.

Information

Schillat-Höhle

Hartmut Brepohl war seinerzeit Sprengmeister im Langenfelder Steinbruch. Im Rahmen seiner Tätigkeit öffnete sich ihm im Jahr 1992 der Zugang zu einem neuen, bis dahin unbekannten Höhlensystem. Als Entdecker fiel Brepohl das Privileg der Namensgebung für die Tropfsteinhöhle zu. In Anerkennung der hohen Verdienste, die sich der langjährige Vorsitzende der Höhlengruppe Nord, Bodo Schillat, unter anderem Entdecker der benachbarten Riesenberghöhle, um die Höhlenforschung erworben hatte, gab Brepohl „seiner“ Tropfsteinhöhle den Namen „Schillat-Höhle“. Unter anderem, um den ursprünglichen Zustand der unter Schutz gestellten Riesenberghöhle auf Dauer zu sichern, wurde die Schillat-Höhle „geopfert“, in den Folgejahren zu einer Besucher-Einrichtung ausgebaut und am 21. August 2004 feierlich eröffnet. „Rund 300 000 Besucher haben seitdem die Höhle besichtigt“, berichtet Annette Gerten im Gespräch mit der Dewezet. Die Geografin ist, neben Höhlenführer Hartmut Brepohl, Höhlenführerin der ersten Stunde. Inzwischen stehen ihnen weitere 22 Höhlenführer als freie Mitarbeiter auf Honorarbasis zur Seite. Längst beschränkt sich das Angebot der Schillat-Höhle an die Besucher nicht mehr ausschließlich auf die Führungen. Es ist vielmehr inzwischen um weitere Bereiche ausgebaut worden. Dazu gehören spannende Taschenlampenführungen, die insbesondere Kinder faszinieren, Vorträge, unter anderem über Flora und Fauna innerhalb und oberhalb der Höhle sowie Exkursionen, zum Beispiel in den Steinbruch. Seit einiger Zeit gilt zudem der Museumspädagogik ein besonderes Augenmerk. Selbst Kindergeburtstage können in der Höhle in Gruppen von bis zu acht Kindern und zwei Erwachsenen gefeiert werden. Aus Anlass der Museumssommernacht am Samstag, 16. Juni, ist die Schillat-Höhle von 10 bis 22 Uhr geöffnet. Ab 16.30 Uhr kann die Ausstellung „Mikrokristalle“ (www.mikrokristall.org) besichtigt und danach auch noch bis zum Ende der Sommerferien besucht werden. Zudem wird tagsüber im Kino im Huthaus in einer Endlosschleife der Süntel-Film gezeigt, und schließlich werden um 19, 20 und 21 Uhr Taschenlampenführungen angeboten.


Weitere Informationen, unter anderem über Öffnungszeiten, Eintrittspreise sowie das Veranstaltungsprogramm 2018 erhalten Interessierte im Internet: www.schillathoehle.de



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