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Kunstausstellung mit Werken der verstorbenen Malerin Elke Michell Schnepel in Langenfeld

Märchenhaft, surreal, bürgernah

LANGENFELD. Kunst zu bestaunen, sie zu besprechen, zu kaufen und zum Teil auch sie herzustellen, erscheint manchen als ziemlich elitäre Beschäftigung, bei der ein akademisch-urbanes Publikum in hochglanzpolierten Hallen mit gerunzelter Stirn seine humanistische Bildung zur Schau trägt. Mit alldem hatte die Künstlerin Elke Michelle Schnepel nicht so viel am Hut:

veröffentlicht am 18.05.2018 um 16:30 Uhr
aktualisiert am 18.05.2018 um 17:20 Uhr

Dietrich Wulf, langjähriger Lebensgefährte, und Sandra Schnepel werden in einer Ausstellung den künstlerischen Nachlass von Elke Michelle Schnepel zeigen. Foto: jsp
Jens Spickermann

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„Die glatten Galerien mochte sie nicht – den intellektuellen Mainstream“, erzählt ihre Tochter Sandra Schnepel. Es sei ihr immer um eine „lebendige Kunst“ gegangen, auch auf der Straße habe die Künstlerin gemalt – „ganz bürgernah“. Elke Michelle Schnepel, die zuletzt in Schaumburg lebte, ist im Juli vergangenen Jahres verstorben und hat eine große Menge Malereien und Skulpturen hinterlassen. In Langenfeld, Riesenbergstraße 35, sollen sie am 3. Juni (ab 15 Uhr) in einer Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Das Haus, in dem die Bilder vorgestellt werden, wirkt von außen und innen wie ein Gesamtkunstwerk. Schnepels langjähriger Lebensgefährte, Dietrich Wulf, wohnt darin und hat dort immer mehr Gemälde und Skulpturen angesammelt. Die Türen sind bemalt, Lampen von der Künstlerin selbst getöpfert. Im Garten starren tönerne Masken von einem Baumstamm herab.

Das „Atelier 2002“ in Schaumburg, in dem Schnepel zuletzt arbeitete, mussten die Töchter nach dem Tod der Mutter aufgeben. Pläne, das Atelier als Museum zu erhalten, scheiterten. Von 300 Kunstwerke, die dort lagerten sollen bei der Ausstellung etwa 100 gezeigt und zum Verkauf angeboten werden.

Sie hat viel wahrgenommen, was sich für andere Menschen nicht so aufschlüsselte. Sie war immer produktiv und hat ein sehr unangepasstes Leben geführt.

Sandra Schnepel, Tochter der Künstlerin

Die Bilder wirken surreal bis märchenhaft-fantastisch. „Das Welten Ei“ zeige eine Welt „die sich immer neu gebiert“, sagt Sandra Schnepel. Ein anderes Gemälde stellt einen germanischen Thing, wie er vor langer Zeit auch auf dem Hohenstein stattfand, in märchenhaft-verfremdeter Weise dar. „Wenn ich längere Zeit, draufblicke, öffnen sich die Bilder ganz anders“, sagt Wulf. „Das hört nicht auf.“ Schnepel hat ihre Wahrnehmung von realen Dingen, wie einem Blumenstrauß oder Landschaften, zu Gemälden verarbeitet und sie mit fantastischen Elementen angereichert. „Sie hat viel wahrgenommen, was sich für andere Menschen nicht so aufschlüsselte. Sie war immer produktiv und hat ein sehr unangepasstes Leben geführt“, erzählt Sandra Schnepel.

Mit 17 Jahren sei ihre Mutter von Zuhause nach München-Schwabingen ausgerissen und sei dort auf eine Kunstszene getroffen, die es beispielsweise in Hannover noch nicht gegeben habe. 1962 stellte sie im Seerosenkreis erste Werke aus, neben Grafiken der Surrealisten Ernst Fuchs und Max Ernst. 1964 bezog sie ihr erstes Atelier in Hannover bei dem Fotografen Otto Umbehr. Es folgte eine künstlerische Karriere über mehrere Jahrzehnte. Sie gestaltete unter anderem einen „Kunstbus“ und gründete 1994 das Atelier 2002 in Schaumburg.

Teilweise könne man ihre Mutter dem Dunstkreis der 68er-Bewegung zuordnen, bestätigt Tochter Sandra Schnepel. Bei der Ausstellung können die Besucher das gesamte Haus und den 500 Quadratmeter großen Garten besichtigen. Schnepel ist zuversichtlich mit der Ausstellung auf Resonanz zu stoßen, obwohl sie in einer ländlichen Gegend stattfindet. Als das Atelier 2002 im Oktober zum letzten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, sei sie überrascht gewesen, wie viele Leute sicht dort für Kunst interessieren, sagt sie.



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