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Landwirt ringt mit Behörden um Ackerstreifen

Pötzen (doro). „Wir haben immer in guter Nachbarschaft gelebt“, sagt Jutta Kaiser. Auch wenn es öfter mal laut gewesen sei und die Panzer und Amphibienfahrzeuge die Landstraße verdreckt hätten. Nur jene Straße trennt das Truppenübungsgelände der britischen Streitkräfte vom Hof der Kaisers in der Pötzer Landwehr.  Doch diese Zeiten sind seit Dezember 2009 vorbei. Wegen eines 2,30 Meter breiten Streifens Erde und einem unerlaubt versetzten Grenzpunkt ist die Stimmung unter dem Gefrierpunkt.

veröffentlicht am 18.05.2011 um 17:25 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 16:21 Uhr

Militär
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Pötzen (doro). „Wir haben immer in guter Nachbarschaft gelebt“, sagt Jutta Kaiser. Auch wenn es öfter mal laut gewesen sei und die Panzer und Amphibienfahrzeuge die Landstraße verdreckt hätten. Nur jene Straße trennt das Truppenübungsgelände der britischen Streitkräfte vom Hof der Kaisers in der Pötzer Landwehr.  Doch diese Zeiten sind seit Dezember 2009 vorbei. Wegen eines 2,30 Meter breiten Streifens Erde und einem unerlaubt versetzten Grenzpunkt ist die Stimmung unter dem Gefrierpunkt. Der schmale Streifen am Rande des Manövergebiets, den die Kaisers seit Jahr und Tag beackern, gehört nach Messungen des Katasteramtes nämlich der Bundesrepublik Deutschland, die es den Streitkräften zu Übungszwecken überlassen hat. „Ich kenne keinen anderen Grenzverlauf“, sagt Jutta Kaiser, die den Hof mit ihrem Mann 1982 übernommen hat. Der Vater habe immer bis kurz vor den Graben gepflügt, der eine natürliche Grenze zu dem Gebiet bildet.
 Weil es Sinn machte, schlugen die Eheleute dem zuständigen Mitarbeiter des Bundesamtes für Immobilienangelegenheiten (Bima) vor, den Streifen zu kaufen oder zu pachten. Und weil der beim Ortstermin einen positiven Verlauf in Aussicht stellte, hätten sie sich nichts Schlimmes dabei gedacht, als sie „den Grenzpunkt exakt um zwei Meter an den oberen Ackerrand versetzten“. Denn der rund zwei Hektar große Acker sollte nach Abernten der Bio-Möhren neu mit Dinkel bestellt werden.
 Doch das Verändern von Grenzpunkten ist kein Kavaliersdelikt, sondern stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer Geldbuße bis zu 10 000 Euro geahndet werden kann. Der potenzielle Abschluss eines Pachtvertrages berechtige keinesfalls zur Versetzung einer amtlichen Marke, erklärte das Bundesamt. 1100 Euro zahlten Jutta und Lothar Kaiser für die Wiederherstellung und erneute Abmarkung. Der Antrag auf Pacht wurde von den britischen Streitkräften dennoch abgelehnt.
 „Weil es zu gefährlich ist,“ erklärt Christian Mohrahrend vom Bima, Fachgebietsleiter für den Bereich ausländische Streitkräfte in Deutschland. Immer wieder hätten in der Vergangenheit Übungen abgebrochen werden müssen, weil Spaziergänger in das Gebiet hineingelaufen seien.
 In der Tat sind in letzter Zeit viele Schilder rund um das Manövergebiet aufgestellt worden, in Pötzen ist gleich ein ganzer Schilderwald entstanden, an einer Stelle sind es gleich neun an der Zahl. Sie sind das Ergebnis einer rigorosen Überprüfung der Truppenübungsplätze weltweit, wie Mike Whitehurst, Pressesprecher der britischen Streitkräfte, erklärt. Ursache seien der hohe Missbrauch der Truppenübungsplätze und Rechtsstreitigkeiten.
 Was ihren schmalen Ackerstreifen betrifft, erschien die Erklärung des Beamten der Bundesbehörde den Kaisers jedoch nicht schlüssig: Dass es gefährlicher sei, wenn er sein Feld um 2,30 Meter versetzt bestellt, wollte Lothar Kaiser nicht einleuchten. Auf Nachfrage der Dewezet gibt es für die Absage der Briten in diesem Fall tatsächlich einen anderen Grund: „Der Pachtvertrag stand kurz vor dem Abschluss, intern war zwischen den beteiligten Stellen schon alles geregelt“, sagt Mike Whitehurst. Hätten die Kaisers nicht die vom Katasteramt gesetzte Grenzmarke entfernt, hätte dem Vertrag nichts mehr im Wege gestanden. Möglicherweise hätten Missverständnisse die Kommunikation erschwert, sagt Whitehurst. Der Pressesprecher der britischen Streitkräfte kann sich aber vorstellen, dass ein freundlich formulierter, erneuter Antrag der Eheleute erfolgreicher ist.



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