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Aber: Ingenieur kritisiert den „VSR-Gewässerschutz“ als unseriös

„Labormobil“ warnt vor Nitrat

HESSISCH OLDENDORF. „Viel zu hohe Nitratwerte“ habe der VSR-Gewässerschutz im Hessisch Oldendorfer Brunnenwasser festgestellt, schreibt der Verein in einer Pressemitteilung. „In jeder fünften untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter“, heißt es darin. Thomas Loges vom Ingenieurbüro Geries, das über die Qualität des städtischen Wassers wacht, bezeichnet die Vorgehensweise des Vereins aber als „total unseriös“.

veröffentlicht am 20.06.2018 um 16:53 Uhr
aktualisiert am 20.06.2018 um 18:40 Uhr

Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz hat Wasserproben aus Hessisch Oldendorf analysiert. Foto: Gerhard Seybert/VSR-Gewässerschutz
Jens Spickermann

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Am 2. Mai hat das „Labormobil“ des VSR-Gewässerschutz Brunnenwasserproben von Privatleuten angenommen und sie unter anderem auf ihren Nitratgehalt untersucht (wir berichteten). Nachdem der Anteil der Proben mit erhöhtem Nitratgehalt bereits auf Nachfrage der Dewezet bekanntgegeben worden war, teilt der Verein nun die gemessenen Werte aus einzelnen Ortsteilen mit. Außerdem ruft er dazu auf, städtische Flächen in der Konsequenz nur noch ökologisch bewirtschaften zu lassen.

In einem Brunnen in Zersen seien 129 Milligramm pro Liter gemessen worden, 85 Milligramm in Pötzen, 53 in Weibeck, 82 in Fuhlen und 106 in Hemeringen. „Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet“, teilt der Verein mit.

Was in der Pressemitteilung erst einmal dramatisch klingt, sind allerdings nur die Spitzenwerte, die der VSR-Gewässerschutz in einzelnen Brunnen gemessen hat. Bei der Betrachtung sämtlicher Messwerte, die der Verein auf Nachfrage liefert, wird deutlich: Selbst innerhalb der einzelnen Dörfer weichen die Nitratgehalte stark voneinander ab. So wurden beispielsweise in einem anderen Brunnen in Zersen 0,0 Milligramm pro Liter gemessen. In Pötzen lag zwar in einem Brunnen ein Messwert von 86,3 Milligramm vor, in einem anderen aber nur 22,6. In einem weiteren Pötzener Brunnen wurden sogar 0,0 Milligramm ermittelt. Errechnet man den Durchschnitt aller im Stadtgebiet gemessenen Werte, so liegt er bei 34,1 Milligramm pro Liter.

Was bedeutet das nun für die Qualität des Grundwassers in Hessisch Oldendorf?

Das Ingenieurbüro Geries, kritisierte bereits kürzlich die methodische Vorgehensweise des Vereins. Die Proben würden von Privatleuten und nicht nach wissenschaftlichen Standards genommen, heißt es. Man wisse beispielsweise nicht, wo genau die Brunnen liegen, wie tief gebohrt wurde, ob das Wassser eventuell in einer Leitung stand und bei welcher Temperatur es aufbewahrt und transportiert wurde. Desweiteren werde bei der Entnahme nicht die Leitfähigkeit und der Sauerstoffgehalt gemessen.

„Das ist, was im Grundwasser vorhanden ist“, sagt aber Harald Gülzow von dem Verein. Er macht das Düngen der Landwirte für die erhöhten Nitratkonzentrationen verantwortlich. „Nach der Erfahrung, die wir haben, ist es die Landwirtschaft“, sagt Gülzow. In Gebieten mit wenig Landwirtschaft lägen die Werte nämlich regelmäßig unter 25 Milligramm pro Liter.

„Fakt ist, dass das Trinkwasser bestens geschützt ist“, teilt Loges auf Nachfrage mit. Die Werte einzelner Brunnen seien „punktuelle Belastungen“, deren Ursprung man nicht erfahre. Sie könnten durchaus von den Brunnenbesitzern selbst verursacht sein. „Da muss man sich das Umfeld anschauen“, sagt Loges. Der Nitratwert des Leitungswassers in Hessisch Oldendorf liege jedenfalls nur bei zehn Milligramm pro Liter.

Die Werte, die die Geries Ingenieure in den einzelnen Entnahmestellen des Wasserwerkes gemessen haben, zeigen tasächlich, dass der Nitratgehalt dort in den letzten Jahren gesunken ist. Er liegt je nach Brunnen zwischen 2 und 30 Milligramm Nitrat pro Liter – deshalb muss das Wasser nicht aufbereitet sondern nur gemischt werden.

Um die Nitratkonzentration im Grundwasser zu senken, besteht seit 26 Jahren mit der „Kooperation Trinkwasserschutz IG Weser“ ein Abkommen zwischen 313 Landwirten, den Wasserwerken mehrerer Kommunen und dem Landkreis. Auf freiwilliger Basis reduzieren die Landwirte die Düngung ihrer Felder und erhalten dafür Ausgleichszahlungen. Dieses Abkommen habe sich mittlerweile positiv ausgewirkt, heißt es vom Ingenieurbüro.



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