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Nicht immer zum Trinken geeignet

Labormobil misst höheren Nitratwert als in den Jahren zuvor

HESSISCH OLDENDORF. Nicht jedes Wasser sollte getrunken werden, auch wenn es klar aussieht – das ist wohl allgemein bekannt. Doch das Wasser mancher Brunnen in Hessisch Oldendorf ist so nitratbelastet, dass es in größeren Mengen sogar als Dünger wirkt.

veröffentlicht am 28.05.2018 um 17:33 Uhr
aktualisiert am 29.05.2018 um 11:36 Uhr

Einige Werte konnte Harald Gülzow schon vor Ort, im Labormobil, ermitteln. Für umfangreichere Analysen schickte der VSR-Gewässerschutz die Proben an ein Partnerlabor. Foto: Gerhard Seybert/VSR-Gewässerschutz
Jens Spickermann

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Jens Spickermann Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Am 2. Mai hat das „Labormobil“ des VSR Gewässerschutz auf dem Marktplatz von Bürgern Brunnenwasserproben für eine Laboruntersuchung angenommen. 42 Hessisch Oldendorfer nutzten das Angebot. Mittlerweile liegen alle Ergebnisse vor. „Schaut man sich die Ergebnisse der letzten Jahre an, so zeigt sich eine Verschlechterung beim Nitrat im Raum Hessisch Oldendorf“, erklärt Harald Gülzow, Pressesprecher des Vereins, auf Nachfrage.

21 Prozent der Proben lagen dieses Mal oberhalb des Wertes von 50 mg/l. Zwischen 2012 und 2014 waren es nur 16 Prozent. Ab dem Schwellenwert sollte das Wasser nicht mehr getrunken werden, da andernfalls Gesundheitsschäden drohen. Schon ab einem Wert von 25 mg/l ist es für das Befüllen von Gartenteichen nicht mehr geeignet, weil eine Überdüngung die Folge wäre und beispielsweise die Algen rasant wachsen würden. Diesen Grenzwert überschritten 38 Prozent der Proben, lagen aber unterhalb des Grenzwertes von 50 mg/l. In zwei Proben sei der Nitratwert so hoch gewesen „dass der Nitratwert in die Düngeplanung im Gemüsegarten einbezogen werden solle“, schreibt Gülzow.

Verglichen mit anderen niedersächsischen Kommunen liegen die Werte aus Hessisch Oldendorf im Mittelfeld. Allerdings sind die Werte nicht repräsentativ für die Grundwasser-Qualität, weil nur Proben aus privaten Brunnen entnommen wurden. 

Nitrat könne bei Menschen das Krebsrisiko steigern, schreibt der VSR-Gewässerschutz. Besonders für Säuglinge sei nitratbelastetes Wasser gefährlich, weil es den Sauerstofftransport im Blut blockiert. Im schlimmsten Fall ist innerliches Ersticken die Folge. Einer der Gründe für eine hohe Nitratbelastung im Grundwasser ist die Gülle, die in der Landwirtschaft auf den Feldern ausgebracht wird. Für die Belastung von privaten Brunnen, kann aber auch die Düngung im eigenen Garten verantwortlich sein. Eine neue Düngeverordnung, die die Belastung des Grundwassers reduzieren soll, ist erst seit kurzer Zeit rechtsverbindlich. „Ihre mögliche Wirkung wird sich erst über einen längeren Zeitraum zeigen“, sagt Gülzow. Noch sind keine Fortschritte festzustellen.

Doch selbst bei einem hohen Nitratgehalt ist Brunnenwasser nutzbar: „Gerade zum Bewässern im Garten ist ein Brunnen immer sinnvoll. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass eine Bewässerung für Zierpflanzen, Rasen und Obstgewächse fast immer möglich ist“, erklärt Gülzow. Bei einem hohen Nitratwert müsse allerdings die Menge des zusätzlichen Düngers angepasst werden, schreibt der VSR-Gewässerschutz.

Im eigenen Garten einen Brunnen anzulegen, ist also trotz eines hohen Nitratwertes sinnvoll – das Wasser muss nur für die richtigen Zwecke verwendet werden. „Bedenklich sind Proben immer dann, wenn der Bürger das Wasser nicht so nutzen kann, wie er es möchte“, so Gülzow. Probleme macht bei manchen Brunnen außerdem nicht nur der Nitratwert, sondern auch Keime wie E. Coli. Das Bakterium lebt normalerweise im Darm von Menschen und Tieren

Zum Duschen könne nitratbelastetes Wasser übrigens gefahrlos genutzt werden, schreibt der Verein. Wenn der Brunnenbesitzer das Wasser zum Trinken verwenden möchte, kann er es außerdem entsprechend aufbereiten. Das funktioniert mit Umkehrosmose Wasserfiltern, die bereits zum Preis von 50 Euro erhältlich seien, so der Verein. Die Kosten für das Bohren eines Brunnens könne man nicht verallgemeinern – sie seien davon abhängig, wie groß die Eigenleistung ist und wie wie die lokalen Gegebenheiten aussehen, teilt Gülzow mit.



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