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Werke in Lachem und Fuhlen

„Kunst im Weg“: Mit Spachtelmasse nachgeholfen

Ein Dutzend Künstler stellen ihre Werke am Wochenende bei „Kunst im Weg“ in Lachem und Fuhlen aus. Ein Besuch mit Betrachtungsweisen.

veröffentlicht am 09.09.2018 um 17:41 Uhr

Im weitläufigen Park des Hofs Heißmeyer in Lachem konnten Besucher von „Kunst im Weg“ unter anderem Werke des Bildhauers Friedrich Heißmeyer betrachten, der dort die gesamte Bandbreite seines künstlerischen Schaffens präsentiert. Foto: br
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Burkhard Reimer Reporter
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Lachem/Fuhlen. Ursula Adrian-Ries aus Bonn zieht einen erheblichen Teil ihrer künstlerischen Inspirationen immer noch aus ihrem einstigen Berufsleben. 25 Jahre lang hat die Malerin als OP-Schwester in einer Unfallchirurgie gearbeitet. Ihre Bilder sprechen davon – lassen auf Amputationen schließen, zeigen mehrfach zerteilte Gliedmaßen. Nicht, dass sie deshalb im eigentlichen Sinne schockierend oder gar abstoßend wären, aber sie machen deutlich, wie viel Leid und Elend, das ihre Mitmenschen erleiden mussten, die Künstlerin während dieser Jahre gesehen hat. Da weicht sie dann gern auch auf ruhige, abstrakte Farbkompositionen aus, bei denen sie ihre innere Ruhe und Entspannung wiederfindet.

Auch ihre Künstlerkollegin Ricarda Rommerscheidt ist Bonnerin und auch sie nimmt Erfahrungen und Sichtweisen aus beruflicher Tätigkeit in ihr künstlerisches Schaffen auf. Beide haben am Wochenende ihre Werke bei „Kunst im Weg“ in Fuhlen und Lachem ausgestellt. Eröffnet und von Sigrun Krüger aus Hannover auf dem Tenor-Saxofon musikalisch begleitet, wurde die Veranstaltung des Culturvereins Hessisch Oldendorf in der großen Scheune des Hofs Heißmeyer in Lachem, wo im weitläufigen Park auch zahlreiche Werke des Lachemer Bildhauers Friedrich Heißmeyer ausgestellt sind.

Die Künstlerin Rommerscheidt ist nicht nur Malerin, sondern auch Qi-Gong-Lehrerin und weiß menschliche Körper in Ruhe wie in Bewegung zu studieren, in sich aufzunehmen und in ihr Werk zu übertragen. Dabei ist für sie die Figur im Vordergrund und Mittelpunkt ihrer Gemälde doch nur Mittel zum Zweck. Die eigentlichen Träger dessen, was sie ausdrücken möchte, sind Umfeld und Hintergrund. Da sieht dann zum Beispiel ein Betrachter, es ist übrigens Hessisch Oldendorfs Bürgermeister Harald Krüger, in der Figur des Mannes, der in leicht gebückter Haltung einen runden, länglichen Gegenstand aus der geöffneten Hand entlässt, „ganz klar einen Zeitungsboten, der eine Zeitung auf ein Grundstück wirft“. Tatsächlich ist das Bild auch eine Arbeit aus Rommerscheidts Gemäldeserie „Werfer eins bis vier“, aber genannt hat sie es „Urknall – Saturn“. Denn es ist die beinahe explosive Unruhe in Umfeld und Hintergrund, die für sie im Vordergrund steht.

Sigrun Krüger aus Hannover hat die Eröffnung von „Kunst im Weg“ musikalisch auf dem Tenor-Saxofon begleitet. Foto: br
  • Sigrun Krüger aus Hannover hat die Eröffnung von „Kunst im Weg“ musikalisch auf dem Tenor-Saxofon begleitet. Foto: br
Material und Objekt – Holz und Sägewerk – verbinden sich in dieser Plastik von Tom Otto, die der Künstler „Fabrik“ nennt. Foto: br
  • Material und Objekt – Holz und Sägewerk – verbinden sich in dieser Plastik von Tom Otto, die der Künstler „Fabrik“ nennt. Foto: br

So wie die beiden Bonnerinnen gehören auch Tom Otto und Thomas Ritter in den Reigen der zwölf darstellenden Künstlerinnen und Künstler von „Kunst im Weg“. Tom Otto aus Hameln erstellt Plastiken, wobei er gern Vorgefundenes, oft industriell gefertigte Stücke, verarbeitet. Auch er möchte „erzählen, den Betrachter regelrecht gefangen nehmen“. Otto setzt bewusst auf die Gefühle seines Publikums, indem er seine Arbeiten „durchaus geheimnisvoll und auch beängstigend“ gestaltet. Wie etwa mithilfe der beiden Holzpuppen, die sich unter einer Art Weihnachtsbaum gefährlich selbstgefährdend nahe kommen.

Auf ganz andere Weise verhilft Thomas Ritter seinem Werk zu dreidimensionaler Wirkung. Was sich da, in starkem Farbkontrast, aus der Mitte seiner großformatigen Gemälde hervorhebt, ist nun nicht etwa durch besonders verschwenderischen Umgang mit Ölfarben entstanden. Nein, der Künstler aus Lauenau scheut sich nicht zuzugeben: „Das ist Spachtelmasse.“ Erst nach deren Aushärten versieht er die Erhebungen mit einer farbigen Fassung und erzielt so die besondere Wirkung seiner Bilder.

Die Greifswalder Künsterlin Suse Haugk gesteht: „Manchmal werde ich sogar regelrecht gläubig.“ Dann nämlich, wenn sie auf ein ganz besonderes Fundstück stößt, das sie für eine ihrer Collagen verarbeiten kann. „Wie dieses Papier hier“, zeigt sie auf ein bräunliches Blatt im Din-A-4-Format, auf das sie ein Frauenporträt gezeichnet hat. „Als ich es gefunden habe, war es mindestens 30 Jahre alt. Ich habe mich dann über das Blatt gebeugt und ihm gesagt: ,Du bist einmalig, wenn wir beide etwas miteinander anfangen, dann gibt es für uns nur einen Schuss‘.“


Online: Eine Bildergalerie zu „Kunst im Weg“ finden Sie online ab Montagmittag unter www.dewezet.de



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