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1544 Trauungen: Herbert Wichmann arbeitet seit 25 Jahren als Standesbeamter in Hessisch Oldendorf

Kürzeste Ehe, ältestes Paar, größtes Hin und Her

Hessisch Oldendorf. 1544 Eheschließungen, von denen nur 159 durch Scheidung aufgelöst wurden: So lautet die „Erfolgsquote“ von Herbert Wichmann. Am 28. Januar 1988 wurde er auf Vorschlag von Ordnungsamtsleiter Alfred Albert, der Wichmann und seine Frau 1975 getraut hatte, zum Standesbeamten der Stadt Hessisch Oldendorf bestellt. Zunächst fungierte der Rohdener als Verhinderungsvertreter, als Nachfolger von Heinrich Wegener ist er seit Juli 1993 Leiter des Standesamtes.

veröffentlicht am 16.03.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 00:21 Uhr

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Autor:

Annette Hensel
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Seine erste Trauung führte der frühere Grenzschutzbeamte im März 1988 durch. „Diese Ehe besteht noch, während sich das zweite Paar, das ich traute, bereits scheiden ließ“, erzählt er. Zu der Zeit wies ein Messingschild mit der Aufschrift Standesamt am ehemaligen Marktplatz-Eingang den Weg zum kleinen Trauzimmer, das manches Mal mit bis zu 30 Personen vollgestopft war. Seit dem Umbau des Rathauses empfängt Herbert Wichmann Paare und ihre Angehörigen im geräumigen neuen Standesamt mit der goldenen Wand und der „Hochzeitstreppe“ zum Innenhof.

Das alte Messingschild holt er noch für Trauungen auf dem Fahrgastschiff „Brissago“ hervor. Dort schließt er besonders gerne Ehen. Das erste Paar, das er im Juni 1999 an Bord traute, waren Kollegin Ina Krettek und Andreas Kraus. Eine Bremerin, die dort ebenfalls den Bund fürs Leben schloss, meldete sich Jahre später bei ihrem Standesbeamten und sagte: „Meine Mutter möchte auch auf der Brissago heiraten.“ „2012 habe ich das Paar getraut und war sogar zur Feier eingeladen“, berichtet Wichmann.

Beim jüngsten Paar, das er traute, waren die Partner gerade 18 geworden. „Da war kein Kind unterwegs, es war einfach die große Liebe“, erinnert er sich. Das älteste Paar war zusammen 169 Jahre alt: „Sie waren beide verwitwet, kannten sich schon länger und wollten ihre Liebe mit einer Eheurkunde besiegeln“, erklärt Wichmann und fährt fort: „Die kürzeste Ehe hielt nur sechs Wochen, die Braut brannte mit einem anderen durch.“ Der Bräutigam habe ihn zu überreden versucht, die Eheschließung rückgängig zu machen, letztendlich sei sie wegen Täuschung aufgehoben worden, berichtet der Standesbeamte und fügt hinzu: „Später habe ich die Braut mit demjenigen, für den sie ihren ersten Mann verlassen hat, verheiratet.“

Und dann fällt ihm noch das Paar ein, das sich in jungen Jahren von ihm trauen, bald darauf jedoch wieder scheiden ließ: Geschäftlich seien beide aneinander gebunden gewesen und hätten 25 Jahre nach ihrer Scheidung beschlossen, wieder zu heiraten. „Wir haben festgestellt, dass wir einfach zusammengehören“, erzählen sie Wichmann bei der Anmeldung zur Trauung.

Nicht vergessen wird er auch die Eheleute aus einem Kriegsgebiet, die in Deutschland Asyl beantragten. „Als es in ihrem Heimatland wieder ruhiger wurde, ließen sie sich scheiden, lebten aber weiter unter einem Dach. Der Mann kam zu mir und wollte die Trauung mit einer Deutschen anmelden, angesichts der Vorgeschichte habe ich Bedenken geäußert und war nicht bereit, die Eheschließung vorzunehmen“, berichtet Wichmann. Vor dem Amtsgericht Hameln wurde sie jedoch genehmigt, sodass er das Paar verheiraten musste. „Nach ein paar Jahren ließ der Mann sich von seiner deutschen Frau scheiden und kam erneut zu mir, um seine erste Frau wieder zu heiraten“, fährt er fort und ergänzt: „Dadurch hat es das Paar geschafft, in Deutschland zu bleiben.“

Auch auf Nottrauungen muss der Standesbeamte vorbereitet sein, wenn, vom Arzt bestätigt, der Tod unmittelbar bevorsteht. So habe er in drei Fällen Schlaganfall-Patienten in der Neurologischen Klinik getraut. „Die Feststellung der Geschäftsfähigkeit des Patienten ist eine der schwierigsten Aufgaben, da sie mir überlassen bleibt. In einem Fall konnte der Bräutigam zwar nicht reden, sich aber mit den Augen verständlich machen.“ Vier Wochen später habe er die Sterbeurkunde ausgefüllt. Im Falle einer Bettlägrigen führte er außerdem eine Haustrauung durch.

Als besonders schönen Moment in seinem Amt empfinde er es, wenn Wochen, Monate oder Jahre nach der standesamtlichen Trauung junge Paare mit einem Baby im Arm vor ihm stehen und sagen: „Das ist das Ergebnis Ihrer Trauung, Herr Wichmann.“ Vor dem Ja-Wort Reißaus genommen habe bislang noch kein Paar vor ihm. Bei aller Freude und Festlichkeit handle es sich bei einer Eheschließung um eine ernste Sache. „Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen“, zitiert er Paragraf 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Neben seiner Tätigkeit im Rathaus unterstützt Herbert Wichmann seit 1999 den Landesfachverband ehrenamtlich als Fachberater in der Aus- und Fortbildung niedersächsischer Standesbeamte. Von 2002 bis 2005 fungierte er zudem als beratendes Mitglied im Vorstand des Landesfachverbandes. Zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum überreicht ihm Karin Kerner, Leiterin des Standesamtes in Hameln und Kreisvertrauensfrau, eine „Ehrenurkunde im Personenstandswesen“ des Landesfachverbandes und liest daraus vor: „Seine Arbeit und seine Berufung sind geprägt durch besonderes Engagement verbunden mit einem immer überzeugenden und kreativen Einsatz im Dienste des Bürgers.“

Herbert Wichmann



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