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Mädchen und Jungen haben sich am Rosenbusch eingelebt / Im August startet zweite Gruppe

Krippenkinder gehen auf Entdeckungstour

Hessisch Oldendorf. Wie in einer Bullerbü-Cafeteria sitzen Mädchen und Jungen jeweils zu viert beisammen und löffeln ohne große Schmiererei ihr Mittagessen. Das Essen aus der Küche des Kindergartens Zwergenland scheint zu munden, manches Kind nimmt sogar noch einen Nachschlag oder gleich den Nachtisch, ein Schüsselchen mit Eis. Was diesen Anblick doch irgendwie ungewohnt macht, ist das Durchschnittsalter der Runde von nicht einmal zwei Jahren, die daneben sitzenden Erzieherinnen einmal ausgeschlossen. Vorzeitig aufstehen und davonflitzen geht nicht; die Gruppe beginnt und beendet das Essen gemeinsam. Schließlich fangen die ersten Mädchen und Jungen an, sich die Augen zu reiben, und es verbreitet sich ein ganz besonderer Duft. Vor dem Mittagsschlaf wird noch so manche Windel gewechselt.

veröffentlicht am 12.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 14:41 Uhr

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Autor:

Annette Hensel
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Nach 14 Monaten Bauzeit läuft in der neuen Krippe am Hessisch Oldendorfer Rosenbusch seit dem 1. Juni der Betrieb: Ein- und Zweijährige krabbeln und toben durch die großzügigen, hellen Räume, klettern auf den Bewegungspodesten herum, malen oder lassen sich etwas vorlesen. Das Spiel mit Gleichaltrigen scheint vielen noch fremd zu sein. „Besonders beliebt ist bei den Kleinen, sich im Spiegel kennenzulernen“, verrät Katja Söhlke. Als Leiterin des Entwicklungsraumes Nordweser ist sie auch für die neu eröffnete Krippe verantwortlich, in der sich sechs weitere Erzieherinnen sowie ab dem 1. August noch zwei FSJ-ler oder Bufdis um die Mädchen und Jungen kümmern.

„Das neue Team findet gut zusammen, alle starten mit großem Elan, um das hier zu ihrem zu machen“, sagt Katja Söhlke. Auch die Stimmung bei den Eltern sei entspannt, zum Teil euphorisch, weil sie einen Platz für ihre Sprösslinge in der Krippe erhalten haben. Die überwiegende Mehrheit ist nach Aussage der Leiterin berufstätig und auf das Einkommen angewiesen, manche Väter oder Mütter seien noch in der Ausbildung, andere alleinerziehend.

„Die ersten Elterngespräche haben wir Anfang Mai geführt, die ersten vier Krippenkinder starteten am 1. Juni“, erklärt Katja Söhlke. Dem Berliner Eingewöhnungsmodell entsprechend kamen sie in der ersten Woche in Begleitung einer Bezugsperson, anfangs nur für etwa zwei Stunden. Damit soll ein sanfter Übergang vom Elternhaus in die Krippe gewährleistet werden. Schließlich ist es eine Herausforderung für die Kleinen, sich so früh aus der gewohnten Umgebung zu lösen. Manche Eltern haben mit schlechtem Gewissen zu kämpfen. „Unser Team entscheidet, ab wann wir die Aufenthaltsdauer steigern oder ob die Bezugsperson schon mal zwischendurch einkaufen gehen kann“, erläutert Katja Söhlke die Vorgehensweise. Zwei Wochen lang haben die Erzieherinnen den vier Kindern all ihre Aufmerksamkeit geschenkt und Vertrauen aufgebaut, dann kommen die nächsten vier Kinder, um sich einzugewöhnen, natürlich ebenfalls in Begleitung. Katja Söhlke gesteht, dass nicht alles ganz so locker gelaufen sei: „Auch diejenigen, die schon länger als zwei Wochen bei uns sind, brauchen enge Bezugspersonen und reagieren eifersüchtig, wenn den Neuen größere Aufmerksamkeit zuteil wird.“

Der Tagesablauf wird in das Eingewöhnungsmodell eingegliedert: Manche Kinder werden bereits um 7 Uhr gebracht, andere erst um 8.30 Uhr, so dass es zwei Frühstückszeiten gibt. Wenn die Gruppe zu Mittag isst, schlafen zwei der Kleinstkinder noch. „Denen machen wir dann später das Essen fertig“, sagt Katja Söhlke. Deutlich ist nach den ersten sechs Wochen: Durch die Altersunterschiede (der Jüngste wurde Ende Juni ein Jahr alt, andere sind anderthalb Jahre älter) bestehen auch große Interessenunterschiede: Ältere möchten gerne oft nach draußen, Jüngere bleiben lieber in geschlossenen Räumen.

„Meine zweijährige Tochter Lena fühlt sich hier sehr wohl“, sagt Katja Evers. Sie sei sehr erfreut gewesen, als sie erfahren habe, dass ein Krippenplatz ab dem 1. Juni zu haben ist. Sie hat die Zeit der Eingewöhnung für Lena, aber auch für sich selbst als sehr wichtig empfunden. „Es hat schon ein paar Tage gedauert, doch mittlerweile erzählt Lena mir schon, mit wem sie gespielt hat“, fügt sie hinzu. Gut findet es die berufstätige Mutter aus Fischbeck, dass es in der Krippe Frühstück und Mittagessen für die Kleinen gibt. Froh ist auch Nicole Schmidt aus Bensen, dass sie nach anderthalb Jahren Warten einen Krippenplatz für ihren zweijährigen Sohn erhalten hat. „Ich musste wieder arbeiten, und Philipp gefällt es hier sehr“, erklärt sie.

Seit dem 1. Juli ist die erste der Krippengruppen mit zwölf Vormittags- und Ganztagskindern voll ausgelastet. „Eigentlich ist die Gruppenstärke auf 15 Kinder ausgelegt, aber da sieben Kinder unter zwei Jahren dabei sind, reduziert sich der Schlüssel auf zwölf“, erläutert Katja Söhlke. Die städtische Einrichtung ist auch in den Ferien geöffnet. Am 1. August startet die zweite Gruppe – erneut nach dem Eingewöhnungsmodell. Es ist laut Katja Söhlke noch ein Platz frei, bis zum 15. September wird auch diese Gruppe komplett sein. Insgesamt können in der Krippe 40 Mädchen und Jungen aufgenommen werden, bedarfsorientiert wird die Betreuung in einer Nachmittagsgruppe als Kleingruppe oder Großtagespflege angeboten.

Am morgigen Freitag wird der in freundlichen Farbtönen gehaltene, knapp 420 Quadratmeter große und eine Million Euro teure Neubau im Norden der Kernstadt eingeweiht.



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