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Andreas Liebig an der Fischbecker Hillebrand-Berner-Orgel

Konzert mit begeisternder Vielfalt

Fischbeck. Es waren vor allem weniger bekannte Werke, darunter auch Raritäten, mit denen das Programm des jüngsten Fischbecker Orgelkonzerts aufwartete. Der Dresdner Organist Andreas Liebig verknüpfte mit ihnen drei Komponisten, deren Lebenswege sich zwischen 1637 und 1750 kreuzten.

veröffentlicht am 03.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:21 Uhr

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Autor:

Karla Langehein
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Während Georg Böhm als Organist in Lüneburg wirkte, war der 15-jährige Johann Sebastian Bach Schüler der dortigen Michaelis-Klosterschule und Mitglied im Kirchenchor. Fünf Jahre später legte Bach von Arnstadt aus die rund 400 Kilometer bis Lübeck zu Fuß zurück, um dem ältesten und seinerzeit berühmtesten Organisten Norddeutschlands, Dietrich Buxtehude, einiges von Fingern und Feder abzuschauen. Dass er dabei wohl auch auf die Nachfolge des betagten Komponisten spekulierte, sich dann aber doch nicht ernsthaft darum bemühte, schreibt die Musikgeschichte dem Umstand zu, dass, wer sein Nachfolger im prominenten Lübecker Amt werden wollte, zugleich die Tochter des Altmeisters ehelichen musste.

Zur Eröffnung seines Fischbecker Konzerts wählte Andreas Liebig aus dem reichen Schaffen des Lübeckers die Toccata in F (Dur). Einsätzig, mit präludierenden Abschnitten, die eine vierstimmige Fuge und später ein längeres Fugato umschließen – ein typischer Buxtehude, mit dessen Interpretation der Dresdner Organist seine musikalische Visitenkarte präsentierte. Da ließ er sich nicht von der Registervielfalt des Hillebrand-Berner-Instruments verführen, sondern blieb stil- und werkgemäß in subtil ausgewogenen Registerfarben.

Das änderte sich vorübergehend (und notwendigerweise) mit Georg Böhms Präludium, das mit rhythmusfrei hämmernden Akkorden in lupenreiner Homophonie in starkem Kontrast steht zur fein ausgearbeiteten Polyphonie der anschließenden Fuge und dem mit gebrochenen Akkorden spielerisch abschließenden Postludium. Ebenso spannend, wenn auch auf ganz andere Weise, bezaubert die bekanntere Choralpartita „Freu Dich sehr o meine Seele“. In ihr verbindet Böhm eine gewisse Schlichtheit mit der raffinierten, reich verzierten Umspielung der Choralmelodie. Und beeindruckend: Zwei Choralbearbeitungen des Lüneburgers von „Christ lag in Todesbanden“. Dieser Böhm-Zyklus, zu dem auch noch das Choralvorspiel zu „Vater unser im Himmelreich“ gehörte, war in der ebenso feinfühligen wie variantenreichen Darstellung durch Andreas Liebig zugleich Zentrum und Höhepunkt des Pogramms.

An seinem Ende stand mit Bachs Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564 eine virtuose Herausforderung und das nicht nur wegen des achtzehntaktigen, so exponiert erklingenden Pedalsolos der Toccata. Auch die vierstimmige Fuge fordert ganzen Einsatz, den Andreas Liebig in überzeugender Weise vollzog. Stürmischer Beifall aus dem großen, zu etwa drei Vierteln besetzten Kirchenraum – und als Antwort darauf Joseph Haydns „Musik für eine Flötenuhr“, von Liebig mit dem entzückenden Vogelregister der Fischbecker Orgel liebevoll angereichert.

Andreas Liebig durfte sich über stürmischen Beifall am Ende des Konzerts in der Fischbecker Stiftskirche freuen.

Foto: lgh



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