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Zwei Traditionsunternehmen bündeln ihre Kräfte: Ab Oberkante letzte Decke wird jetzt gemeinsam gearbeitet

Kompetenz im Doppelpack statt Preiskrieg ohne Ende

Hessisch Oldendorf/Hemeringen (doro). „Wir sind beide Powertypen, entscheidungsfreudig, aber nicht oberflächlich“, sagt Traugott Grundmann über Zimmerermeister August Wolter und sich selbst. „August macht alles im Dauerlauf, und mein Sohn ist genauso“, beschreibt er die beiden Männer, mit denen er am engsten zusammenarbeitet. Mit dem einen schon lange und mit dem anderen seit neuestem.

veröffentlicht am 28.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 13:41 Uhr

Traugott Grundmann und Jörg Drenka beim Eindecken eines Daches.
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Um ganz genau zu sein: Seit dem 1. April werken der Dachdeckerbetrieb Junker und der holzverarbeitende Betrieb Wolter Hand in Hand. Ein nicht alltäglicher Schritt für zwei Traditionsunternehmen. Fusionen und Kooperationen kennt man schließlich eher von Konzernen und Großbetrieben. Und leicht hat es sich Traugott Grundmann nun wirklich nicht gemacht. „Ich habe lange und genau überlegt“, sagt der Hessisch Oldendorfer Unternehmer. Aber schließlich ist er doch zu dem Mann gegangen, mit dem er sich seit rund eineinhalb Jahren einen Preiskrieg geliefert hat. Um mit ihm zusammenzuarbeiten, statt ständig gegen ihn anzukämpfen.

Dass er kampflustig ist, gibt August Wolter gerne zu. Aber darüber hinaus ist eines klar: Traugott Grundmann und er, das sei ein und dasselbe Kaliber. „Wir sind genau gleich: Nicht arbeitsscheu, keine unnötigen Risiken und immer volle Pulle voran“, sagt August Wolter, Handwerksmeister durch und durch. Gleich eingeschlagen habe er nicht, so Wolter. Grundmann musste zunächst Überzeugungsarbeit leisten – auch bei seinem Sohn Christian. „Am Ende hat die Vernunft gesiegt“, sagt der 44-jährige Hemeringer. Und deshalb wird in Zukunft ab Oberkante letzte Decke gemeinsam gearbeitet. Vorteil: Jeder konzentriert sich wieder auf das, was er am besten kann: Junker Dächer decken, Wolter Dachstühle bauen. Um wettbewerbsfähiger zu sein, hatten beide Unternehmer vorher auch die Arbeiten des anderen angeboten, als Paket sozusagen. „Dafür habe ich extra einen Zimmerermeister angestellt und ein Betriebsgelände am Steinbrinksweg gekauft“, sagt Grundmann, „aber wem nützt schon perfektes Halbwissen?“

Die Folge war, dass die beiden Unternehmen sich bei den Angeboten gegenseitig unterboten, um Aufträge zu bekommen. Nun gilt wieder das alte Sprichwort „Schuster, bleib bei deinen Leisten“, sagt Traugott Grundmann „und trotzdem haben die Bauherren den Vorteil, dass sie nur mit einem Ansprechpartner verhandeln müssen.“ Das sei es, was die Kunden heute wollten: Eine Person, die alle Fäden in der Hand hält, die einen reibungslosen Ablauf ohne großen Zeitverlust garantiert. Das Ganze möglichst stressfrei und günstig.

Traugott Grundmann und August Wolter (v. li.) unterzeichnen den
  • Traugott Grundmann und August Wolter (v. li.) unterzeichnen den Kooperationsvertrag. Foto: ah
Die hochmoderne Abbundstraße in der Werkstatt von August Wolter
  • Die hochmoderne Abbundstraße in der Werkstatt von August Wolter in Hemeringen. Mit der computergesteuerten Anlage wird Holz zugeschnitten. Foto: ah

Und noch zwei wichtige Vorteile gibt es: Traugott Grundmann braucht nicht in eine neue Abbundstraße zu investieren. Eine solche computergesteuerte Zuschneidemaschine für Holz kostet immerhin zwischen 50 000 und 100 000 Euro. Nicht gerade ein Pappenstiel, denn auch die kleinen Handwerksbetriebe spüren die Finanzkrise: „Wir können nicht gerade Hurra schreien, für Solar wird die Förderung gekürzt und die Industrie hält sich mit Aufträgen zurück“, erklärt Grundmann.

August Wolter wiederum profitiert von den weitreichenden Kontakten seines Partners, denn Traugott Grundmann ist ein bekannter Unternehmer, in dessen Betrieb 35 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Bei aller Kooperationslust erhalten sich die Betriebe dennoch ihre Selbstständigkeit. Man erweitert da, wo Größe Vorteile bringt und erhält dennoch den traditionellen Betrieb, das ist beiden wichtig. Überhaupt sei es für ihn bedeutsam gewesen, dass ein Alteingesessener mitmacht, das erhöhe die Schlagkraft der Truppe. Und den Familienbetrieb Wolter gibt es immerhin seit über 150 Jahren, August Wolter führt ihn in der 5. Generation. Derzeit arbeiten 11 Mitarbeiter in Handwerk und Büro. Die Zimmerleute bauen Dachstühle und sanieren Fachwerk in Altbauten.

So traditionell die Struktur der Betriebe, so fortschrittlich ist im Gegenzug ihre Technik. Neben der Abbundstraße von Wolter haben beide einen Autokran und modernste Handmaschinen. „Wir sind auf dem allerneuesten Stand der Technik“, sagt August Wolter, „und rechnen durch die Kooperation mit einem Zuwachs des Kundenstammes.“

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