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Philipp Schumann will Sprachrohr sein / Mit Anna Hoferichter folgt Höfingerin dem Kernstädter

Können Schüler in Hannover etwas bewegen?

Hessisch Oldendorf (ah). Sie vertreten knapp eine Million Schüler in Niedersachsen, doch dass es sie gibt, dass sie auf schulpolitischer Ebene Einfluss nehmen können, ist vielen nicht so geläufig. Die Rede ist von den Mitgliedern des Landesschülerrates, der sich zum 18. Mal mit Schülervertretern aus dem ganzen Land in Hannover konstituierte. Eingewiesen in ihre zweijährige Amtszeit, in Rechte, Pflichten sowie Aufgabenbereiche, wurden die 39 Gewählten von ehemaligen Vorstandsmitgliedern, darunter Philipp Schumann aus Hessisch Oldendorf.

veröffentlicht am 02.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 23:21 Uhr

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Zwei Jahre liegt die Vereidigung des Elisabeth-Selbert-Schülers zurück. „Ich habe den Wunsch, als Vertreter der Schüler etwas zu bewegen“, sagte Philipp Schumann bei seinem Amtsantritt. Sein Ziel lautete, an der Basis wirkungsvolle Arbeit zu leisten, sich bei größeren Schulveranstaltungen im Landkreis als „Sprachrohr der Schülerschaft“ vorzustellen. Auch kleineren Schulen wollte er vermitteln, dass sie wahrgenommen werden.

Schumann erklärt jetzt im Rückblick, nur wenig von der sehr guten Vorstandsarbeit des Landesschülerrates sei nach außen getragen worden. Er erinnert sich: „Bei einer Vollversammlung hat uns der Vorsitzende eines Landesverbandes für Behinderte darüber aufgeklärt, wie ideale Inklusion auszusehen hat.“ In der Folgezeit verfasst der Landesschülerrat eine Stellungnahme, in die auch die Sorge von Schülern, dass Behinderte im Unterricht zu stark die Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnten, aufgenommen wird. Am Austausch über den Vorentwurf des Gesetzes zur Einführung der inklusiven Schule in Niedersachsen im Kultusministerium nimmt Philipp Schumann teil. Übrigens als einziger Schülervertreter zwischen Schulleitern, Lehrkräften, Gewerkschaftsmitgliedern und Landeselternratsvertretern. Stolz berichtet er, dass die Stellungnahme des Landesschülerrates im Gesetzentwurf Berücksichtigung gefunden hat. Als kleine Anekdote erzählt er: „Vor Beginn der Sitzung begrüßte ein Mann jeden Gast per Handschlag, wechselte ein paar Worte, ging weiter, kam schließlich zu mir und fragte, wer ich sei. Ich stellte mich als Vertreter des Landesschülerrates vor und er antwortete, dass das klasse sei. Als er sich entfernen wollte, fragte ich ganz laut: Und Sie sind? Der ganze Saal fing an zu lachen, von hinten raunte einer: Das ist unser Kultusminister Dr. Bernd Althusmann.“

Noch heute schäme er sich dafür, dass er einen vorausgegangenen Termin im Landtag zur Aussprache über den Gesetzentwurf nicht wahrnehmen konnte, da er eine Klausur geschrieben habe, gesteht der 26-Jährige. Insgesamt habe er Einblick in die Landesschulpolitik gewonnen und das Schulgesetz näher kennengelernt, resümiert er.

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  • Mittlerweile hat sich Philipp Schumann aus der Schülervertretungsarbeit zurückgezogen, möchte nach seinen Abschlussprüfungen beruflich in der Jugendarbeit Fuß fassen. Foto: ah

Etwas Besonderes sei es für ihn gewesen, als Delegierter zwischen Professoren, Dozenten und dem Ministerpräsidenten im Kuratorium „n-21: Schulen in Niedersachsen online“ zu sitzen. „Wann trifft man schon als Schüler das Landesoberhaupt?“ Der Verein fördert die Vermittlung von Medienkompetenz bei jungen Menschen in Niedersachsen, bezuschusst die Beschaffung von Hard- und Software sowie Projekte auf dem Gebiete von Multimedia und Telekommunikation. „Zwischendurch habe ich allerdings kein Wort mehr verstanden, es ging nonstop über Multimedia und Internet“, erzählt Schumann. Daher habe er sich gemeldet und darauf hingewiesen, dass er wahrscheinlich der einzige Nichtakademiker im Raum sei und darum bitte, für ihn als Schüler verständlich zu sprechen. „Daran haben sich alle dann auch gehalten“, fügt er hinzu.

Gerne nimmt der angehende Erzieher eine Einladung zum Bildungskongress in Wolfsburg sowie zur Landesdelegiertenkonferenz in Sachsen, seiner Heimat, an und gibt Tipps aus seiner Landesschülerratsarbeit weiter. Schülernah habe er vor allem im Landkreis Hameln-Pyrmont gewirkt, sagt Philipp Schumann. Auf Anfrage referiert er vor dem Schülerrat einer Sonderschule in Hameln über die Aufgaben eines Klassensprechers sowie Schülervertreters. Mit einem Tafelbild und Strichmännchen erläutert er Grundstruktur, Verantwortung und Fürsorgepflicht vom Klassensprecher bis zum Schülersprecher. „Die 15-köpfige Gruppe hat gespannt zugehört, wollte wissen, was ein Landesschülerrat ist und was er so macht“, erinnert sich Schumann. Den Schülern gibt er mit auf den Weg: „Schülersprecher sollte der werden, der sich das wirklich zutraut.“

Auch in der Hessisch Oldendorfer Oberschule ist er zu Gast beim Schülerrat, zählt mit Schulleiter Ottmar Framke die Stimmen bei der Wahl des Schulsprechers aus. Als Schumann von seiner Arbeit im Landesschülerrat in Hannover berichtet und dafür wirbt, für den Kreisschülerrat zu kandidieren, stößt er bei der neu gewählten Schulsprecherin Anna Hoferichter auf offene Ohren. „Ich fand super, dass Philipp das vorgestellt hat, das hat mich interessiert“, erzählt sie und gesteht: „Ich wusste gar nicht, dass es einen Landesschülerrat gibt.“ Die 16-Jährige informiert sich näher, lässt sich für den Kreisschülerrat aufstellen, wird gewählt und ist seit Januar 2012 Mitglied im 18. Landesschülerrat Niedersachsen.

„Es ist erfreulich, dass Hessisch Oldendorf dadurch erneut eine Stimme in Hannover bekommen hat“, reagiert Ottmar Franke auf die Wahl der Realschülerin. Erklärter Wunsch der Zehntklässlerin: „Ich möchte, dass Schüler wissen, dass es den Landesschülerrat gibt, welche Rechte wir haben und was wir alles ändern können.“

Der 18. Landesschülerrat, mit dabei: Anna Hoferichter (1. Reihe, 2. v. li.) aus Höfingen stellt sich vor.



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