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Stenzel und Kivits überzeugen

Klassik mit Spaß – und die Zuhörer sind begeistert

Mit ihrer überbordenden Musik-Comedy und körperlichen Höchstleistungen zelebrieren Stenzel und Kivits die klas-

veröffentlicht am 10.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 12:21 Uhr

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sische Musik.

Foto: boh

Hessisch Oldendorf (boh). Stenzel und Kivits, zwei seriös befrackte Herren, zwischen denen majestätisch ein abgehalfterter Flügel thront, hatten zum „perfekten klassischen Konzert“ ins Kultourismusforum geladen. Der erste Eindruck täuscht allerdings angenehm: Ehe überhaupt ein Ton erklingt, arbeiten Publikum und Künstler eine Checkliste ab und warten gemeinsam auf weitere Zuhörer. Was liegt da näher, als den Flügel kurzerhand zur Tischtennisplatte umzufunktionieren? Schnell wird klar, dass dieser besondere Konzertabend in absurde Dimensionen abgleitet. Und es bedurfte keiner Stoppuhr, um den vielzitierten Funken überspringen zu sehen.

Zwar kam Verdis berühmte Rigoletto-Arie „Questa o quella“ gewollt nicht richtig aus den musikalischen Startlöchern, das Publikum jedoch wurde vom ersten hakenden Takt an im Sturm erobert. Zwei Stunden atemlose Improvisationskunst mit zwerchfellerschütternden Persiflagen später war jedem klar – klassische Musik von Mozart über Verdi bis zu Puccini kann einen hohen Spaßfaktor garantieren. Der selbsternannte Meistertenor Tiny van den Eijnden alias Stenzel und Pianist Wilbert Kivits verliehen diesem perfekten Konzert eine bravouröse Dimension des Grotesken, das augenzwinkernd pathetischen Gesang ad absurdum führte und Virtuosentum auf die Schippe nahm wie etwa beim bekannten „Kalinka“, dessen Klaviersolo in rasanter Geschwindigkeit in Chatschaturjans Säbeltanz mündete.

Akrobatik und musikalische Perfektion

Dabei begeisterten die beiden Holländer nicht nur durch glänzendes Fingerspiel und facettenreiche Tenorstimme – das Instrument selbst entwickelte ungeheuere Eigendynamik, wurde über die Bühne getrieben, auf die Seite gekippt, als Ausguck missbraucht und im rasanten Galopp geritten. Bei aller vordergründigen Akrobatik bestach jede Note durch musikalische Professionalität. Nur so wagen sich Stenzel und Kivits an Meisterwerke wie Rossinis Figaro-Arie, bei der der Klavierhocker im Taktmaß den Geist aufgibt, oder Beethovens „Fünfte“ mit aufgestellter Gipsbüste des Komponisten, die das lockige Haupt missbilligend schüttelt bei herrlich respektlos eingestreuten Freejazz-Schnipseln. Manchmal verloren aber auch die Künstler selbst die Nerven. Das lyrische „Catarine“ brachte Stenzel nicht zum Abschluss, weil er in Tränen ausbrach und erst eine Zuschauerin um ein Taschentuch bitten musste. Kivits wechselte derweil im jagenden Presto durch sämtliche Musikstile. Ohne Zweifel: Mit ihrer Musik-Comedy und körperlichen Höchstleistungen zelebrieren sie die klassische Musik, agieren fortlaufend mit dem Publikum und haben abschließend Schwierigkeiten, die 80 Zuhörer im Kultourismusforum wieder loszuwerden. Da halfen im lautstark geforderten Zugabenteil weder Drohungen noch vorgehaltene Wasserpistole. Erst der liebevoll auf ein Kopfkissen drapierte Flügel, unter tosendem Applaus zum berühmten „Guten Abend, gute Nacht“ zur Ruhe gebettet, brachte dieses herzerfrischende Konzert zum krönenden Abschluss.



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