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Kellers Novelle „Kleider machen Leute“ in die heutige Zeit übertragen / Manche lebten ihre Rolle

„Kinder sollen sich ihren Applaus verdienen“

Hessisch Oldendorf. „Kinder sollen etwas leisten und sich ihren Applaus verdienen“, erklärt Christine Gleiss. In Anlehnung an Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“ hat sich die Theaterpädagogin mit zehn Kindern zwischen sechs und 13 Jahren mit der Frage auseinandergesetzt: „Machen Markenklamotten glücklich?“ Daraus entwickelte sie ein Theaterstück. Für eine überzeugende Darstellung hat Christine Gleiss den Mitwirkenden an nur vier Vormittagen das notwendige Handwerkszeug mit auf den Weg gegeben.

veröffentlicht am 07.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 15:21 Uhr

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Autor:

Annette Hensel
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Die jungen Schauspieler setzten das Erlernte wunderbar um, manche fühlten und lebten ihre Rolle regelrecht. Am Ende der beeindruckenden Aufführung fragt Katrin, die in Wirklichkeit Jennifer heißt: „Ist euch schon aufgefallen, wie nah unser Theaterstück an der heutigen Realität ist?“ Alle schauen an sich herunter und rufen: „Kleider machen Leute!“ Tosender Applaus der 50 Gäste in der Malschule ist ihr Lohn.

In dem vom Culturverein gesponserten Osterspaß-Theaterworkshop stellte Christine Gleiss den Teilnehmern Gottfried Kellers Novelle vor, die es in die heutige Zeit zu übertragen galt. Spielerisch wurden Gefühlsausbrüche inszeniert, lautes und leises Sprechen geprobt, aber auch die Bedeutung der richtigen Positionierung besprochen. Mit passender Mimik und Gestik mussten die Texte der jeweiligen Rollen auswendig gelernt werden – erst in kleinen Abschnitten, dann im Ganzen.

Dass vier Tage zum Einstudieren genügen, beweist von der ersten Sekunde an die zehnjährige Belana in ihrer Rolle als Tina Schmidt. Sicht- und hörbar wütend wettert sie zu Hause beim Mittagessen über „Sonja, diese Zecke“ und ihr Getue bei der Rollenverteilung in der Schule für „Kleider machen Leute“. Die Unterhaltung am Mittagstisch klingt wie aus dem Leben gegriffen, Besteck und Geschirr-Geklimper sorgen für den richtigen akustischen Rahmen. Später vertragen sich Tina und „Zecke“ Sonja beeindruckend natürlich wieder, wie selbstverständlich umarmen sich die beiden.

Mal sehen, was da noch so alles im Koffer ist.
  • Mal sehen, was da noch so alles im Koffer ist.

Billigklamotten, Flohmarktartikel, das „spießig“ mit Möbeln der Malschule eingerichtete Wohnzimmer der Familie Schmidt werden dem todschicken neuen Bikini, für den Kalorien gezählt werden, und „perfekt aufeinander abgestimmter“ Mode gegenübergestellt. Der 13-jährige Aaron aus Bünde, der zu Besuch in Hessisch Oldendorf, „überraschend“ im Theaterworkshop landete, blickt auf „arbeitsintensive, gute“ Tage zurück, in denen er „verliebt spielen muss“ und die Rolle unverkrampft meistert. Witzig, wenn er von außen durch das Fenster der Malschule ruft und ins Haus einsteigt. Witzig auch, als auf die Frage: „Wo kriegen wir eine Kutsche her?“, ein Kinder-Trecker vorfährt.

„Echt begeistert“ vom Theater-Workshop ist die elfjährige Julia. Für sie ist einer der Höhepunkte, als sich alle „schicke Kleider von früher“, ausgeliehen vom Fürstentreff Bad Pyrmont, überziehen und darin wie zu Gottfried Kellers Zeiten tanzen. Im Theaterstück heißt es: „Ey, das ist ja ein geiler Fummel.“

„Ihr seid die erste Hessisch Oldendorfer Gruppe, die für den Culturverein Theater gespielt hat“, lobt die Vorsitzende Barbara Jahn-Deterding, und Christine Gleiss fügt hinzu: „Die Kinder haben im Team hart gearbeitet und Unglaubliches geschafft.“ Stadtjugendpfleger Tarik Oenelcin ist angetan von der „guten pädagogischen Förderung“ und versprach nach diesem Erfolg, zu versuchen, im nächsten Osterspaß-Programm erneut einen Theater-Workshop anzubieten.

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