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Bürokratie verbaut den Weg zu Fachärzten / Offene Beratung bei Martin Barwich

Kein Taxigeld für Gehbehinderte

Hessisch Oldendorf (ah). Das Sozialrecht ist gerade für ältere Menschen oft zu kompliziert und bürokratisch geworden. Entsprechend gut angenommen wird die von Ortsbürgermeister Claus Clavey initiierte offene soziale Beratung für Senioren, die Martin Barwich vom Diakonischen Werk seit einem halben Jahr jeden letzten Freitag im Monat anbietet. Auch morgen wird der Kirchenkreissozialarbeiter wieder von 9 bis 12 Uhr im Sitzungsraum der Stadtverwaltung (Eingang Weserstraße) bei Fragen zum Wohngeld, zur Grundsicherung oder zum Schwerbehindertenrecht beraten.

veröffentlicht am 27.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 11:21 Uhr

Martin Barwich Foto: ah
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Der Fall der 80-jährigen Herta B. (Name von der Redaktion geändert) zeigt, mit welchen Problemen ältere Menschen zu kämpfen haben.

Die Rentnerin ist schwer behindert; ihre Gehfähigkeit stark eingeschränkt, Wege kann sie mit dem Rollator kaum noch bewältigen. Vom Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie in Hannover wurde Herta B. jedoch nur eine erhebliche Gehbehinderung (Merkzeichen „G“) anerkannt. Zweimal täglich hilft ihr der Pflegedienst beim Waschen, An- und Auskleiden. Dennoch ist die Anerkennung der Pflegestufe I und somit die Zahlung eines Pflegegeldes in Höhe von 215 Euro von der Pflegekasse abgelehnt worden; den Pflegedienst muss Herta B. selbst bezahlen. Notwendige Fahrten zu Fachärzten sind ihr mit dem Bus – dank „G“ kostenfrei – nicht mehr möglich. Taxifahrten werden von der Krankenkasse aber nur bei Schwerbehinderten mit dem Merkzeichen „aG“ (außergewöhnliche Gehbehinderung) oder „H“ (Hilflosigkeit) übernommen. Weil die Taxikosten ihr Budget überstiegen, wandte sich die 80-Jährige hilfesuchend an die Sozialberatung.

„Als Bevollmächtigter von Herta B. habe ich beim Landesamt einen Verschlimmerungsantrag gestellt“, berichtet Martin Barwich. Daraufhin habe die Behörde zwar den Grad der Behinderung hoch gestuft und die Notwendigkeit einer ständigen Begleitung („B“) anerkannt, nicht aber eine außergewöhnliche Gehbehinderung oder Hilflosigkeit.

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Die Krankenkasse hat die Ausnahmeregelung für Herta B. auf Übernahme der Fahrtkosten abgelehnt. Gegen beides hat der Sozialarbeiter Widerspruch eingelegt und erneut die Anerkennung einer erheblichen Pflegebedürftigkeit bei der Pflegekasse beantragt. Das Urteil wird im Juni erwartet. Im Kampf für das Recht von Herta B. fordert er: „Die staatlichen Stellen sollten Herta B. unbedingt zu einer medizinischen Untersuchung einladen und erst dann entscheiden.“

Viele gehbehinderte Senioren müssen um die Anerkennung der Pflegestufe I kämpfen. Martin Barwich aus Rinteln hilft bei seiner offenen sozialen Beratung auch bei diesem Problem.

Foto: Bilderbox



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