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Stephanie Wagener setzt sich als Hessisch Oldendorfs Gleichstellungsbeauftragte für Frauen ein

Kampf gegen die Geschlechter-Kluft

HESSISCH OLDENDORF. „Ich arbeite darauf hin, dass meine Stelle irgendwann nicht mehr gebraucht wird.“ – Ein Satz, den so sicherlich nicht viele Angestellte von sich behaupten würden. Anders bei Stephanie Wagener. Seit 2013 ist sie als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hessisch Oldendorf tätig.

veröffentlicht am 26.04.2017 um 12:39 Uhr
aktualisiert am 26.04.2017 um 17:00 Uhr

Gleichstellungsbeauftragte Stephanie Wagener. Foto: jli
Johanna Lindermann

Autor

Johanna Lindermann Volontärin zur Autorenseite
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Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Organisation des Mädchentreffs, Beratungsgespräche mit Angestellten des Rathauses, die Mitwirkung in Ausschüssen und im Stadtrat oder auch die Kooperation mit der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft, die Frauen im Weserbergland unter anderem hilft, ihre beruflichen Potenziale zu entwickeln und den Wiedereinstieg in den Beruf zu finden. Natürlich gehören auch Beratungsgespräche mit Hessisch Oldendorfer Bürgerinnen zum Tätigkeitsfeld der Gleichstellungsbeauftragten. Nach vorheriger Anmeldung kann jede Frau im Rathaus vorbeischauen und sich von Stephanie Wagener mit Informationen, Ansprechpartnern und Flyern zu den verschiedensten Themen versorgen lassen.

Auch bei Vorstellungsgesprächen ist Wagener dabei. „Ich achte darauf, dass bei gleicher Eignung auch Frauen in die Verwaltung kommen sowie Männer in Stellen an Kindergärten.“ Dennoch konzentriere sich ihre Arbeit auf die Frauen, da diese eher benachteiligt seien. „Wenn wir sowohl Frauen als auch Männer gleichermaßen stärken, bleibt die Kluft zwischen den Geschlechtern bestehen“, erklärt sie.

Darüber hinaus organisiert Wagener jährlich stattfindende Projekte, wie etwa die Taschenverteilaktion auf dem Markt, die im letzten und in diesem Jahr für den „Equal Pay Day“ sensibilisieren sollten, also dem Tag im Jahr, bis zu dem Frauen theoretisch umsonst arbeiteten, um am Jahresende denselben Lohn wie Männer zu haben.

Am Zukunftstag im vergangenen Jahr waren insgesamt 18 Schüler in Einrichtungen der Stadt zu Besuch, heute, beim Zukunftstag 2017, sind es sogar 26. Dabei legt Wagener großen Wert darauf, dass der Zukunftstag so stattfindet, wie er ursprünglich gedacht ist: Die Jungs gehen in die Kindertagesstätten, die Mädchen schnuppern in typisch männliche Berufe hinein. „Es ist wichtig, dass die Kinder am Zukunftstag nicht einfach irgendwo hingehen, sondern dass es ihnen auch etwas bringt und sie über ihre Berufswahl und Rollenklischees nachdenken“, sagt Wagener. „Soziale Berufe müssen die gleiche Anerkennung und Bezahlung genießen wie handwerkliche Berufe.“

Im Jahr 2016 fanden zudem einige Ausstellungen, ein Mentoringprogramm, um mehr Frauen in die Politik einzubinden, Computerkurse zur Fortbildung für Migrantinnen und Einheimische sowie ein gemeinsames Kunstprojekt für Frauen mit und ohne Migrationshintergrund statt.

Auch in diesem Jahr finden aufgrund der hohen Nachfrage erneut Computerkurse und Kunstprojekte statt. Am 8. Juni ist eine Podiumsdiskussion mit den Kandidaten zur Bundestagswahl geplant, die ihre Einstellungen zu Gleichstellungsthemen vortragen. Am 30. Juni findet eine Schulung für Integrationslotsen und Paten im Bereich der Flüchtlingshilfe zum Thema „Zwangsheirat“ statt. Neu in diesem Jahr ist auch die App „Movis“, mit der Migrantinnen, die aufgrund der Kinderbetreuung keine Gelegenheit haben, zu Sprachkursen zu gehen, zu Hause Deutsch lernen können.

Doch Stephanie Wagener hat noch viele weitere Ideen: So möchte sie in der Zukunft noch gerne Selbstbehauptungskurse, ein Netzwerk für kommunalpolitisch interessierte Frauen sowie Filmabende anbieten. „Ideen habe ich genug“, sagt sie. „Es bringt auch nichts, wenn man da nicht mit vollem Einsatz dabei ist.“

Und die Arbeit ist auch wichtiger denn je, denn in den letzten Jahren habe die starke Unterscheidung zwischen Spielzeug und Kleidung für Jungen und für Mädchen wieder zugenommen. „Das zementiert natürlich die alten Rollenbilder und ist kontraproduktiv für die Gleichstellung“, bedauert Wagener. Doch sie bemerke auch, dass gerade bei vielen jungen Menschen bereits ein Umdenken stattgefunden habe, etwa in der gerechteren Arbeitsteilung in Beruf und Haushalt. Das sei ein Schritt in die richtige Richtung, doch die Arbeit von Stephanie Wagener und ihren Kolleginnen ist damit noch lange nicht beendet. „Bis die Gleichstellung erreicht wird, und die Arbeit von Gleichstellungsbeauftragten dann wirklich nicht mehr gebraucht wird, ist es noch ein langer Weg, aber steter Tropfen höhlt den Stein.“

Seit knapp zwanzig Jahren müssen Städte und Gemeinden mit mehr als 20 000 Einwohnern eine hauptberufliche Gleichstellungsbeauftragte einstellen, Kommunen mit weniger Einwohnern ist die Beschäftigung freigestellt. So hat neben Hessisch Oldendorf auch Hameln eine hauptberufliche Gleichstellungsbeauftragte, in Bad Münder ist eine nebenamtliche Kraft, in Bad Pyrmont und Aerzen sind Ehrenamtliche zuständig. Auch für den Landkreis gibt es eine Beauftragte. Vernetzt sind sie im Arbeitskreis der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises. Sie planen viele Aktionen gemeinsam, wie etwa im November 2016, als 30 Frauen und vier Männer auf dem Hamelner Rathausplatz am Internationalen Gedenktag zu einer Demonstration zusammenkamen.

Information

Viele von Gewalt betroffene Frauen trauen sich oft nicht ins Rathaus. Hilfe bekommen sie hier:

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000/116016

Frauenhaus Hameln e.V.: 05151/25299

Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS): 05151/ 405707

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