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„Das möchten wir lernen“

Kamera filmt den Unterricht: Lehrer lassen sich fortbilden

FISCHBECK. Seit Schuljahresbeginn lassen sich alle Lehrer an der Grundschule Fischbeck von einer Lerntherapeutin fortbilden. Dabei wird die sogenannte Marte Meo-Methode angewandt. Diese hat das Ziel, mithilfe von Videoaufnahmen positives Verhalten zu erkennen und zu bestärken. Immer wieder werden dafür im Unterricht Videoaufnahmen angefertigt.

veröffentlicht am 22.11.2017 um 16:17 Uhr
aktualisiert am 22.11.2017 um 18:30 Uhr

Das Kollegium der Grundschule Fischbeck verfolgt, was Sabrina Lange (vorne) im Film festgehalten hat. Foto: ah
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Autor

Annette Hensel Reporterin
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Eine Klasse soll einen Text abschreiben. Während einige bereits beim letzten Satz angekommen sind, müht sich ein Schüler noch mit dem ersten ab. Sollten alle auf ihn warten oder kann der Unterricht fortgesetzt werden, während der Junge noch schreibt? „Sehr häufig werden Lehrer durch Kinder mit erhöhtem Förderbedarf oder aus schwierigen Familienverhältnissen an Belastungsgrenzen gebracht“, sagt Sabrina Lange dazu und ergänzt: „Manchmal sind es auch fehlende Fähigkeiten wie das Schuhe-Zubinden oder Flasche-Öffnen nach dem Sportunterricht, die Stress auslösen.“

Lange ist pädagogische Mitarbeiterin an der Grundschule Fischbeck, Lerntherapeutin und Marte Meo-Trainerin. Die von der niederländischen Pädagogin Maria Aarts entwickelte Methode hat das Ziel, mithilfe von Videoaufnahmen positives Verhalten zu erkennen und zu bestärken. „Marte Meo“ (übersetzt: aus eigener Kraft) geht davon aus, dass hinter jedem Problem eine Entwicklungsbotschaft steht: Mir fehlt etwas. Das habe ich noch nicht entwickelt“, sagt Sabrina Lange und betont: „Genau da können wir ansetzen und Positives bewirken, indem wir die Entwicklung von Schülern unterstützen.“ Als sie dem Kollegium die Methode vorstellt, war die Reaktion: „Das möchten wir lernen.“ So führt Lange seit Schuljahresbeginn an der Grundschule eine Marte Meo-Fortbildung durch; alle Lehrkräfte nehmen daran teil.

„Unangekündigt besuche ich sie im Unterricht, filme dort alltägliche Situationen und schaue später das Filmmaterial nach positiven Elementen durch“, erklärt Sabrina Lange und betont:„Weder Kinder noch Eltern brauchen Angst zu haben – die Videos sind nur für unsere Fortbildung gedacht.“ Die Interaktion mit den Schülern fordere übrigens so viel Aufmerksamkeit, dass die Lehrkräfte keine Möglichkeit haben, sich anders als im nicht gefilmten Unterricht zu verhalten.

„Bei unseren Treffen ist es für sie eine besondere Erfahrung in Großformat wahrzunehmen, was sie tun, um eine gute Atmosphäre in der Klasse zu schaffen – das geht über ein nettes Gesicht, ein Lächeln, eine Geste oder die angenehme Stimme“, so Lange und ergänzt: „Auch Schüler mit auffälligem Verhalten sehen sie von ihrer positiven Seite.“ Um diese in ihrer Entwicklung zu unterstützen, werden dann im Plenum die Fragen diskutiert: Was sollte ich als Lehrer wann tun und wozu ist das gut? Neben grundlegenden Informationen gibt Sabrina Lange den Lehrkräften dabei Anleitung, den Fokus darauf zu setzen, was einem Kind bereits gut gelingt und wo seine Stärken sind. „Für Kinder mit Sprachstörungen wird etwa durch das Benennen dessen, was sie tun, eine Verbindung von Handlung und Sprache hergestellt. Sie bekommen somit Worte für ihr eigenes Tun und Sprache entwickelt sich – das ist ein Beispiel dafür, wie Lehrkräfte befähigt werden, die Prinzipien der Methode in die eigene pädagogische Arbeit zu integrieren“, erläutert sie. Wichtig sei auch die Herstellung eines Gleichgewichts zwischen Struktur und Atmosphäre. „Das ist eine Aufwertung unserer Arbeit“, so Schulleiter Dr. Michael Nimsch-Faron, beeindruckt von dem Erlebnis, sich dank Videoaufnahmen selbst von außen beobachten zu können.

Auch an der Grundschule am Rosenbusch nimmt fast das gesamte Kollegium seit diesem Schuljahr an einer Marte Meo-Fortbildung teil. „Die Methode greift schnell, Schüler verändern ihr Verhalten“, erklärt Schulleiterin Monika Rehberger. Im laufenden Schuljahr wird Marte Meo erstmals als Zusatzqualifikation für angehende Lehrer am Studienseminar in Hameln angeboten – „eine tolle Sache“, wie Sabrina Lange findet.

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