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Nach Anlaufschwierigkeiten nun ein Multi-Kulti-Fest / Landkreis schickt bald einen Sozialpädagogen

Jetzt wird das Thema Integration angepackt

Hessisch Oldendorf (doro). Der Bedarf an Unterstützung ist hoch an der Grundschule am Rosenbusch. 45 Prozent beträgt der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund – mehr als in jeder anderen Gemeinde im Landkreis. Die meisten von ihnen haben türkische oder russische Wurzeln. Doch egal woher die Eltern oder Großeltern stammen, viele von ihnen haben Probleme mit der Sprache und somit Schwierigkeiten, sich zu integrieren. Immer wieder hat Schulleiterin Monika Rehberger in der Vergangenheit bei Verwaltung und Politik auf die Missstände hingewiesen, die das Lehrerkollegium allein nicht bewältigen kann. Dort hat man den Bedarf zwar ebenfalls erkannt, die Bemühungen indes waren bisher nicht von Erfolg gekrönt. Die Zusammenarbeit mit dem Verein für Kinder- und Jugendarbeit verlief nach kurzer Zeit im Sande. Zum einen, weil dem Verein wohl das Konzept gefehlt hat, zum anderen, weil die Mitarbeiter keinen Zugang zu Eltern und Kindern fanden. Der darauf folgende Plan, eine Kraft der Stadt für mehrere Stunden in der Woche für die Grundschule abzustellen, erwies sich ebenfalls als Totgeburt: Die Mitarbeiterin kündigte nach kurzer Zeit ihre Stelle.

veröffentlicht am 27.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 09:21 Uhr

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Nun aber kommt aus verschiedenen Richtungen Bewegung in die Sache. Ab Oktober wird sich die Grundschule am Rosenbusch mit der Grundschule Fischbeck einen der insgesamt acht neuen Schulsozialarbeiter des Landkreises teilen. Zwei Drittel der Zeit wird er in Hessisch Oldendorf verbringen, den Rest in Fischbeck.

Was den Sozialpädagogen freuen dürfte: Nebenbei ist die Elternarbeit seit einiger Zeit ganz von selbst ins Rollen geraten, und zwar dort, wo es besonders wichtig ist: an der Basis. Der Elternverein mit einem engagierten Kernteam hat für frischen Wind gesorgt. Der vorläufige Höhepunkt der Bemühungen wird am Freitag ab 17 Uhr das Multi-Kulti-Fest an der Grundschule sein. Im Rahmen des Festes wird der neue Bewegungsparcours auf dem Außengelände eingeweiht. Rund 5000 Euro hat die Spielelandschaft gekostet, für die der Vorsitzende Reinhard von Aulock Sponsoren gefunden hat. Noch mal 3000 Euro wurden durch Eigenarbeit eingespart. Die Erdarbeiten erledigte Landschaftsbauer Stefan Dreier, den Rindenmulch spendierte die Stadt, die Bauaufsicht führte Peter Siegmann, Werklehrer Klaus Bode und Hausmeister Heiner Franz beteiligten sich ebenfalls. Dass es nicht nur Unterschiede, sondern Gemeinsamkeiten unter den Nationalitäten gibt, zeigte sich beim Aufbau des Parcours und der Fest-Planung: Die Arbeitsteilung entsprach kulturübergreifend dem altgedienten Rollenbild - für die Männer der Hammer, für die Frauen der Kochlöffel.

Auch am Freitag werden russische, türkische und deutsche Spezialitäten aufgefahren. Doch das Miteinander beschränkt sich nicht aufs Buffet. Das Kernteam ist eine gewachsene Gemeinschaft, ein Teil kennt sich vom gemeinsamen Kampf um eine IGS für Hessisch Oldendorf. Ein großer Multiplikator ist Mesut Özdemir, Vorstandsmitglied der türkisch-islamischen Gemeinde in Hessisch Oldendorf und Schriftführer beim Elternverein.

„Integration funktioniert nur über persönliche Kontakte, wenn Eltern bereit sind, sich über Vorbehalte hinwegzusetzen“, appelliert Reinhard von Aulock. Er mahnt eine stärkere Integration von Migranten an, um Isolationstendenzen einzudämmen. Der Vater einer Drittklässlerin, der in der Schule einen Computerkurs anbietet, weiß um die auseinanderklaffenden Leistungen bei den Schülern: „Ein Teil der Eltern kann sich gar keinen Computer leisten.“

Schulleiterin Monika Rehberger weiß die Unterstützung des Vereins zu schätzen: „Ein tolles Gerät – es ist ein gutes Gefühl, dass die Eltern uns ein Stück Verantwortung abnehmen.“ Sie brächten die Einstellung mit, für alle Kinder gemeinsam etwas tun zu wollen.

Neben dem Bewegungsparcours hat der Elternverein auch das Deeskalationstraining bezahlt und das sogenannte Schultagebuch mitgesponsert. So bleibt das Heft, das statt eines Hausaufgabenheftes eingeführt wurde, und über das Eltern und Lehrer kommunizieren sollen, bezahlbar. „Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, dass die Schule ein Lebensraum wird“, sagt Monika Rehberger. Im Blick hat sie nicht nur die Grundschüler, sondern auch die Jugendlichen. Am Wochenanfang zeugen immer wieder Wodkaflaschen von deren Aktivitäten rund um die Schule. „Für diese Altersgruppe gibt es hier nichts“, kritisiert die Schulleiterin.



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