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Afrikanische Schweinepest zwingt zu schnellem Handeln – Schwarzwildbestand weiter hoch

Jäger in ständiger Alarmbereitschaft

HESSISCH OLDENDORF. Immer, wenn sich Jäger treffen, ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) ein Thema. Bisher ist Deutschland davor verschont geblieben, doch die Gefahr eines Ausbruchs ist jederzeit gegeben.

veröffentlicht am 05.04.2019 um 13:35 Uhr

Die Jäger haben die Wildschweine im Blick, um die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest gering zu halten. Foto: pj

Autor:

PETER JAHN
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Im Landkreis Hameln-Pyrmont „ist die Jagdstrecke beim Schwarzwild stark zurückgegangen – überraschend“ – wie der stellvertretende Kreisjägermeister Dietrich von Hake erklärt. „Dennoch ist der Bestand weiterhin hoch“, fügt er an. Das bedeutet: „Jede Art der Bejagung, ob bei revierübergreifenden Drückjagden oder vom Ansitz aus, muss genutzt werden“, um die ASP-Gefahr gering zu halten.

Kreisjägermeister Jürgen Ziegler betont in seinem letzten Bericht als Vorsitzender der Kreisjägerschaft, dass es bei einem Ausbruch darauf ankomme, „früh einen Kadaver zu finden, was den früheren Beginn der Bekämpfung ermöglicht. Wir wollen keine ASP finden, aber wenn sie auftritt, muss schnell gehandelt werden“. Um Proben bei verendeten Wildschweinen zu entnehmen, hat die Kreisjägerschaft in enger Absprache mit dem Kreisveterinäramt Tupfer an alle Reviere versandt. Vor mehr als 200 Waidgesellen aus dem Landkreis richtet Ziegler am Donnerstagabend im Hessisch Oldendorfer Baxmann-Zentrum an alle den Appell: „Bei allen verendeten Stücken und dem Fallwild von den Straßen eine Tupferprobe nehmen und im Veterinäramt gegen eine Bescheinigung abliefern. Wir bleiben in ständiger Alarmbereitschaft.“

Ziegler, viele Jahre gleichzeitig Kreisjägermeister und Vorsitzender der Jägerschaft – ihn hat am Donnerstag Burkhard Cramer aus Aerzen als neuer Vorsitzender der Jägerschaft abgelöst – verweist auf ein „Monitoring, um den Überblick über den Gesundheitszustand der Sauen zu haben“. Um für den Ernstfall gerüstet zu sein, sind bereits Übungen in Zusammenarbeit zwischen Forstämtern und Veterinäramt durchgeführt worden. Der Landkreis ist in 14 Aktionsbezirke aufgeteilt, Kernzonen, gefährdete Bezirke und Pufferzonen wurden umrissen.

Das Modell, das in Tschechien zum Erfolg geführt hat – das Nachbarland ist inzwischen als seuchenfrei erklärt -, soll auch bei uns angewandt werden. Aus Belgien gibt es derzeit eher negative Meldungen, eine Verbreitung der ASP sei dort zu befürchten, so Hameln-Pyrmonts Verantwortliche der Jägerschaft.

Dass im abgelaufenen Jagdjahr wesentlich weniger Schwarzwild erlegt werden konnte, sehen die Kreisjägermeister, Ziegler und von Hake, im hohen Abschuss des Jagdjahres 2017/2018 begründet. Im Zeitraum zwischen April 2017 und Ende März 2018 kamen 2480 Schwarzkittel zur Strecke. Es war ein Jagdjahr ohne Mast, das heißt, dass die Schweine sich auf Futtersuche machen mussten und damit einfacher rund um die Kirrungen zu bejagen waren. Im vergangenen Jahr, also im Herbst 2018 war die Mast groß. Unter den Buchen und Eichen lagen Zentner an Früchten, das Wild konnte sich ohne Anstrengung bedienen.

Da sich durch den heißen Sommer die Keiler und Sauen auch im Feld rar gemacht und sich in den kühleren Wald zurückgezogen haben, war der Erfolg bei den Maisjagden auch eher mäßig. Nur noch 1450 Wildschweine, 773 Keiler und 678 weibliche Stücke, konnten geschossen werden, oder starben bei Unfällen auf den Straßen.

Die starke Mast und der milde Winter haben nach Einschätzung der Jäger Folgen für das neue Jagdjahr. Da davon auszugehen ist, dass im Winter nur wenige Frischlinge nicht überlebt haben, wird der Wildschweinbestand weiter hoch sein und es für die Jägerinnen und Jäger im Landkreis viel zu tun geben.

Dass „wenig von der Jagd bekannt ist“, bedauert die stellvertretende Landrätin, Ruth Leunig. Erst wenn Wildtiere in den menschlichen Lebensraum eindringen, würden viele Menschen auf diese aufmerksam. Sie geht darauf ein, dass der Landkreis die Jäger unterstütze, wenn es um die Abwendung der ASP geht. Bei der Jagdsteuer, die um die Hälfte gesenkt wurde und bei der Entsorgung des Fallwildes von den Straßen „wurde ein Kompromiss gefunden“, betont Leunig.

Sie bedauert jedoch, dass noch nicht alle Reviere im Landkreis mitmachen, sogar einige ablehnen, das Fallwild zu entsorgen. Unterstützung erfahren die Waidgesellen im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest auch vom Land Niedersachsen. Evelyn Puls von der Landwirtschaftskammer erläuterte am Donnerstag den Jägerinnen und Jägern wie sie bei der ASP-Förderung vorzugehen haben.



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