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Am Dienstag geht es um den Segelhorster Steinbruch / Langenfelder beklagen Belastung ihrer Lebensqualität

Ist es mit der Ruhe bald wieder vorbei?

LANGENFELD. Wenn im Segelhorster Steinbruch die Sprengladungen hochgehen, klirren in vielen Häusern des oberhalb der Abbaustätte gelegenen Ortes Langenfeld die Gläser. Derzeit freilich ist es ruhig in dem Dorf, weil der Abbau des Kalksteins Oolith ruht. Doch: Die Abbaustätte soll nun erweitert werden. Es gibt Protest.

veröffentlicht am 19.02.2017 um 17:44 Uhr
aktualisiert am 20.02.2017 um 09:50 Uhr

Um 11,8 Hektar soll der Segelhorster Steinbruch erweitert werden. Foto Archiv: wfx
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Die genehmigten Flächen sind mittlerweile von der Norddeutschen Naturstein GmbH (NNG) weitestgehend ausgebeutet. „Das könnte so bleiben, das wäre der Idealfall“, sagen Bewohner des Ortes. Doch könnte es mit der Ruhe bald vorüber sein, denn die NNG hat beantragt weitere 11,8 Hektar, so viel wie etwa 17 Fußballfelder, abzubrechen. Der von Langenfeld aus zu sehende bewaldete Höhenzug würde dann verschwinden. Am Dienstag um 10 Uhr gibt es in der Weinschänke Rohdental eine von der Genehmigungsbehörde, dem Gewerbeaufsichtsamt Hannover, moderierte Erörterung der rund 100 bei dem Amt eingegangenen Einwendungen gegen die Planung der NNG, die sowohl von Trägern öffentlicher Belange als auch von Privatpersonen stammen.

Einer der Einwender ist Martin Drelichowski aus Langenfeld. In seinem Einspruch spricht er von „unerträglichen“ Lärmemissionen, von einer „permanenten“ und „immensen“ Belastung der Langenfelder auch durch die Wartungsarbeiten, das Verladen, Brechen, Schütten und sonstige Verarbeitungsgeräusche auf dem Gelände.

Zu Sprechern haben sich die Langenfelder Bürger neben Drelichowski unter anderem Christel Detmer, Brigitte Klein, Erika und Bernhard Riphaus sowie Kai Kunze gewählt. Ihre gemeinsame Sorge betrifft nicht nur die Lärmemissionen, die Verschmutzung durch viel Staub, die Verkehrsbelastung durch den Abtransport des Materials sowie die Entwertung ihrer Immobilien, sondern auch die Tatsache, dass mit der geplanten Erweiterung des Abbaugebiets in einem etwa 1,4 ha großen FFH-Gebiet 3000 Quadratmeter Wald gefällt werden sollen, in dem sich mehrere Uhu-Schutzgebiete befänden, sich Luchs und Wildkatze aufhielten, verschiedene Fledermausarten und geschützte Hohltauben, Orchideen und im Blutbachtal lebende seltene Milzfarne sowie besondere Moose und Flechten ihre Heimat hätten. Angekündigte Ausgleichsmaßnahmen bei Bakede und der Eulenflucht sowie bei Coppenbrügge für die Eingriffe in die umliegenden Naturschutzgebiete „helfen uns hier gar nicht“, weil damit die Schäden im Langenfelder Süntel-Bereich nicht kompensiert würden, betonen die Sprecher des Ortes und erinnern sich etwas wehmütig der Tatsache, dass in den 90er Jahren der Abbau des Dachtelfeldes erfolgreich durch eine Bürgerinitiative verhindert worden sei.

Das Problem der Langenfelder, die auch durch von den Sprengungen verursachte Schäden an ihren Häusern berichten: „Wir müssen beweisen, dass die Schäden durch die Sprengungen und die davon ausgehenden Druckwellen entstanden sind.“ Martin Drelichowski ist sich da in seinem frisch renovierten Haus ganz sicher: „Nach der letzten Sprengung entstand bei mir im Haus ein Riss quer durch eine tragende Wand. Da kann von einer Setzung des Hauses keine Rede sein.“

Besonders schlimm sei die Lärmbelastung in den Morgenstunden kurz nach sechs Uhr, wenn der Brecher die Steinbrocken zermalme und die leeren und ungepolsterten Mulden befüllt würden. „Dann braucht man sich keinen Wecker zu stellen“, beklagt Brigitte Klein. „Wir wissen, dass dies alles im gesetzlichen Rahmen stattfindet“, erläutern die Sprecher, „aber unsere Lebensqualität wird dadurch trotzdem ganz erheblich belastet.“

Und noch etwas anderes hat Brigitte Klein beobachtet: „Mir ist im vergangenen Jahr mein Brunnen leer gefallen.“ Was sie und ihre Langenfelder Mitstreiter vermuten: Offenbar seien durch den Gesteinsabbau und die Sprengungen die Wasserflüsse innerhalb des Kalksteinberges verändert worden. Das sei auch an der Quelle des Blutbachs sichtbar, erklärt Bernhard Riphaus. „Vor zehn Jahren hatte die Quelle nach einen armdicken Strahl, heute ist es nur noch ein Rinnsal.“

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