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Steinbruch-Betreiber widerspricht Angaben der Online-Petition / Weitere vorbereitende Arbeiten genehmigt

Ist die Natur gefährdet?

SEGELHORST. Eine endgültige Genehmigung für die Steinbruch-Erweiterung gibt es noch nicht, vorbereitende Arbeiten laufen jedoch. Eine Online-Petition setzt sich aus Gründen des Naturschutzes gegen die Erweiterung ein, der Betreiber legt jetzt einen Faktencheck vor, der einigen Angaben der Petition widerspricht.

veröffentlicht am 29.06.2017 um 13:22 Uhr
aktualisiert am 29.06.2017 um 20:40 Uhr

Das FFH-Gebiet, das an den Steinbruch grenzt, könnte Gegenstand einer Klage von „Rettet den Süntel“ werden. Foto: dana
Johanna Lindermann

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Johanna LindermannDWZ Volontärin
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Die vorbereitenden Arbeiten für die Erweiterung des Steinbruchs Segelhorst gehen weiter voran: Nach der Rodung von 3,2 Hektar Waldfläche hat das Gewerbeaufsichtsamt Hannover nun eine Genehmigung für das Abschieben des Oberbodens und den Abtrag des Deckgebirges erteilt. Darüber hinaus hat der Betreiber des Steinbruchs, die Norddeutsche Naturstein GmbH (NNG), einen Faktencheck vorgelegt, der vielen der Behauptungen, die in einer Online-Petition gegen die Erweiterung angeführt werden, widerspricht.

„Große Teile des Süntels sind ein naturnaher schützenswerter Waldmeister-Buchenwald“ und „durch den Abbau bis direkt an die Grenzen der umliegenden Natur- und Vogelschutzgebiete werden“ Flora-Fauna-Habitat-Gebiete „stark gefährdet“, heißt es der Online-Petition „Rettet den Süntel – Nein zum Kahlschlag im Naturschutzgebiet“ (wir berichteten). Seit ihrer Begründung Anfang Juni haben über 2300 Menschen das Gesuch unterschrieben. Auch der Hessisch Oldendorfer Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen unterstützt das Gesuch. „Den Begründungen der Petition stimmen wir vollumfänglich zu“, sagt Günter Kuhnert, Vorsitzender des Ortsverbandes.

Die NNG hat nun einen sogenannten Faktencheck des Sachverständigenbüros Dr. Fahlbusch und Partner vorgelegt. Darin heißt es, die Vorhabensfläche liege, wie der gesamte Steinbruch, außerhalb von Naturschutzgebieten. „Die Durchführung von betrieblichen Arbeiten in einem Naturschutzgebiet findet somit nicht statt, die Überschrift der Online-Petition ist nicht richtig.“ Auch sei bei den vorbereitenden Arbeiten im März Gehölz beseitigt worden, der Begriff „Kahlschlag“ treffe jedoch nicht zu. Außerdem seien für die gerodeten Flächen „umfangreiche Ersatzmaßnahmen“ vorgesehen.

Das Vorhaben ist mit naturschutzfachlichen und -rechtlichen Anforderungen vereinbar.

Sachverständigenbüro, Dr. Fahlbusch und Partner

Richtig sei jedoch, dass ein geringer Teil eines Flora-Fauna-Habitat-Gebietes (FFH) innerhalb der geplanten Erweiterungsfläche liege. Es seien jedoch lediglich 1,4 Hektar des FFH-Gebietes betroffen, das eine Gesamtfläche von rund 2500 Hektar habe. „Die betroffene Teilfläche entspricht daher circa 0,06 des FFH-Gebiets.“ Darüber hinaus wurde eine FFH-Verträglichkeitsstudie durchgeführt, die zu dem Ergebnis kam, dass die Schutz- und Erhaltungsziele des FFH-Gebiets „nicht erheblich beeinträchtigt“ würden. Des Weiteren teilt das Sachverständigenbüro mit: „Die Inanspruchnahme dieser Teilfläche ist auch zeitlich befristet, da nach Beendigung die Renaturierung der betrieblich beanspruchten Flächen erfolgt.“ Der Angabe, dass ein Teil des Bereichs, auf dem die Erweiterung stattfinden soll, als FFH-Gebiete an die EU gemeldet werden sollen, setzt der Faktencheck entgegen: „Die Fläche zur Fortführung der Rohstoffgewinnung liegt vollständig innerhalb von Flächen, die im Flächennutzungsplan für die Rohstoffgewinnung vorgesehen sind.“

Des Weiteren liege das Uhu-Vogelschutzgebiet nicht innerhalb der Erweiterungsfläche, wohl aber im Bereich des bisherigen Steinbruchs; es sei eingerichtet worden, eben weil sich dort Uhus angesiedelt hätten. Die Auswirkungen einer Steinbruch-Vergrößerung auf das FFH- und das Vogelschutzgebiet seien „mit dem klaren Ergebnis geprüft“ worden, „dass keine negativen Auswirkungen auf die jeweiligen Schutzziele durch das Vorhaben zu erwarten sind“, heißt es in der Erklärung.

Die Petition fordert weiter: „Unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift die Rettung wertvollen Waldes und seltener Biotope“. Es sei richtig, dass die vorgesehene Fläche überwiegend mit Wald bedeckt sei, rund 10 Hektar der geplanten Erweiterung von 11,8 Hektar fielen würden zudem als hohes naturschatzfachliches Biotop gelten. Jedoch handele es sich dabei um einen Waldmeisterbuchenwald und die Flächengröße dieser Wälder nähme in Niedersachsen zu. Dieser Biotop-Typ sei daher „nicht selten und nur auf weniger als der Hälfte der Fläche naturschutzfachlich besonders wertvoll“.

Information

Der Steinbruch bei Segelhorst ist bislang rund 35 Hektar groß, angestrebt wird eine Erweiterung um etwa 11,8 Hektar, da dort rund 13 Millionen Tonnen Kalkstein vermutet werden. Im vergangenen Jahr hatten Anwohner und Naturschutzbehörden die Möglichkeit, Einwendungen gegen das Vorhaben einzureichen und auf einem Erörterungstermin im Februar 2017 vorzutragen. Rund 100 Einwände sind eingegangen.

Bereits im März hatten auf Erlaubnis des Gewerbeaufsichtsamtes Hannover Rodungsarbeiten zur Beseitigung von Holz und Baumstümpfen begonnen. Diese vorbereitenden Arbeiten können durchgeführt werden, wenn eine positive Prognose für die Genehmigung besteht. Als Fortführung der vorbereitenden Arbeiten wurde jetzt die Beseitigung des Oberbodens und der Deckgesteinsschichten erlaubt. Da eine endgültige Genehmigung aber noch immer aussteht, erfolgen diese Arbeiten in der Eigenverantwortung der NNG.

Erhebliche Beeinträchtigungen von Flora und Fauna könnten auch aufgrund von Untersuchungen, die seit dem Jahr 2000 regelmäßig durchgeführt würden, „ausgeschlossen beziehungsweise kompensiert werden“. Auch erhebliche Gefährdungen der umliegenden Natur- und Vogelschutzgebiete durch Erdrutsche, Wasserverknappung und Windwurf seien in den letzten Jahren nicht vorgekommen und im Bereich der Erweiterung nicht zu erwarten.

Der Faktencheck schließt mit dem Fazit, diese Behauptungen der Online-Petition hätten sich in naturwissenschaftlicher Hinsicht „erwiesenermaßen als unzutreffend“ herausgestellt. „Das Vorhaben ist mit naturschutzfachlichen und -rechtlichen Anforderungen vereinbar.“


Zum Nachlesen: Unter www.nng-segelhorst.de finden Sie den Faktencheck und die Präsentation des Erörterungstermins. Die Petition ist unter https://weact.campact.de/petitions/stoppt-steinbruch-erweiterung-langenfeld verfügbar.

Mein Standpunkt
Johanna Lindermann
Von Johanna LindermannDWZ

Schwierig. Die detaillierten Angaben in der Petition zeigen, dass sich die Antragsteller intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Dass die NNG das nicht unkommentiert auf sich sitzen lässt, ist nachvollziehbar, dass jedoch so viele Punkte als falsch betitelt werden, verwundert. Klarheit kann wohl nur die Entscheidung über die Genehmigung bringen.



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