weather-image

Früherer Verkauf von Gebäudeteilen macht Gesamtplanung für alte Zuckerfabrik unmöglich

Interessenten springen wieder ab

HESSISCH OLDENDORF. Bürgermeister Harald Krüger hofft, dass sich für Hessisch Oldendorfs alte Zuckerfabrik noch ein Käufer mit tragbarem Nutzungskonzept findet. Solange will der Bürgermeister weiter für den Erhalt des bislang nicht zu vermarktenden Industriebaus kämpfen, „denn dieser ist wichtig für die Stadt, er gibt der Silhouette ein Gesicht“.

veröffentlicht am 04.11.2018 um 16:50 Uhr

Die optisch schöne Rückseite der alten Fabrik, in der früher aus Rüben Zucker erzeugt wurde.

Autor:

Peter Jahn
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

. Die ehemalige Zuckerfabrik ist das Wahrzeichen der Stadt, weithin sichtbar. Die Geschichte des Industriebaues ist alt, reicht zurück bis ins vorletzte Jahrhundert. Die Fabrik am westlichen Stadtrand gehört zu den ältesten im Weserbergland, die aus Zuckerrüben das weiße Gold machten. Glücklich sind die Hessisch Oldendorfer mit der Immobilie nicht, da durch Teilverkäufe Gebäudeteile schneller in verschiedene Hände kommen, als die Stadt zugreifen kann, sind nur noch rund 5000 Quadratmeter zu haben. Anders als in Emmerthal, wo die „Neue Mitte“ auf dem alten Zuckerfabrikgelände nach deren Abriss entsteht, ist es der Stadt Hessisch Oldendorf nicht vergönnt, das gesamte Areal zu erwerben und eine Gesamtplanung für das große Gelände zu erstellen.

Zunächst zurück in die Geschichte: „Die Zuckerfabrik ist etwa um 1870 erbaut und in Betrieb genommen worden“, sagt Frank Werhahn, stellvertretender Verwaltungschef im Rathaus. Die „Aktien-Zuckerfabrik“, wie sie hieß, ist von wohlhabenden Bauern, Rittergutsbesitzern und Domänenpächtern aus dem Wesertal gegründet worden. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Fabrik am Markt erfolgreich. Mit der zunehmenden Konzentration in der Branche schwindet die Rentabilität, 1964 werden die Tore geschlossen. Zehn Jahre stehen die Gebäude zwischen Bahn und Weser leer. Die Familie Borcherding erwirbt Gelände und Gebäude.

Es folgen Vermarktungsversuche. Für einzelne Teile findet die Familie Käufer. Übrig bleiben der fünfgeschossige Mittelbau und der angrenzende linke Gebäudeteil sowie eine Freifläche. Dies erwirbt die Stadt Hessisch Oldendorf im Jahr 2008. „Es werden Überlegungen angestellt, was mit dem herausragenden Industriebau geschehen könnte“, erklärt Bürgermeister Harald Krüger. Ein Konzept sieht vor, dass ein Teil des städtischen Besitzes abgerissen und eine Straße gebaut wird, die das dahinterliegende Grundstück erschließt. Hier soll Kleingewerbe angesiedelt werden.

Freunde historischer VW-Bullis können einen Teil des städtischen Besitzes nutzen.

Diese Pläne zerschlagen sich, eine Konzeptstudie wird im Rahmen von Leader in Auftrag gegeben. Das renommierte Planungsbüro Schumann aus Frankfurt am Main macht sich ans Werk.

Als die Studie vorliegt, glauben die Verantwortlichen im Rathaus, es sei geschafft. Doch gefehlt. Trotz der Lage an der Bahnlinie unweit der Weser und dem Weserradweg – Investoren für ein Hotel und Wohnungen werden nicht gefunden. Das Investitionsvolumen ist zu hoch. 600 000 Euro für den niedrigeren Gebäudeteil und rund zwei Millionen für das hohe Gebäude müssten in die Hand genommen werden, um etwas Attraktives zu schaffen.

Da kommt die Interessengemeinschaft T2 ins Spiel. Im historischen Bauwerk ziehen historische Fahrzeuge ein. Es wird ein Grundstück gesucht, wo die Bullis bleiben können, ein Museum aufgebaut werden kann. Für die Stadt sieht alles gut aus, VW-Nutzfahrzeuge und andere Investoren wollen sich am Aufbau des Museums beteiligen. Da kommt die Autokrise und die Sponsoren ziehen sich zurück. Im Hessisch Oldendorfer Rathaus gilt es zudem ein größeres finanzielles Loch im Stadtsäckel zu stopfen. Haushaltssicherung wird der Verantwortlichen in Verwaltung und Politik verordnet. „Wir haben nicht die finanziellen Möglichkeiten, wir können kein städtisches Geld in ein Museum stecken“, muss der Bürgermeister dem Vorstand der IG erklären.

Lange Gesichter auf beiden Seiten, der Kampf um den Erhalt des historischen Gebäudes geht für die Stadt weiter, die Interessengemeinschaft muss ihre Pläne für ein Bullimuseum ebenfalls begraben. Immer wieder startet die Stadtverwaltung Versuche, Mieter für die Gebäude zu finden. „Interessenten melden sich und springen wieder ab“, ist die langjährige Erfahrung. Zuletzt glimmt im Frühjahr dieses Jahres wieder ein Hoffnungsfunke. Vier Interessenten melden sich. Der durchschlagende Erfolg für die Stadt stellt sich dennoch nicht ein. Die alte Immobilie bleibt ein Problemfall. Woran es liegt: Eigentlich verfügt die Stadt nur über eine Gebäudehülle, für eine rentable Nutzung sind für einen Käufer Investitionen in Brandschutzmaßnahmen, Energetik und Erschließung notwendig. Dazu muss man wissen, dass es kein Treppenhaus und keinen Fahrstuhl gibt.

„Die Suche geht weiter“, sagen Krüger, Werhahn und die verantwortlichen Politiker. Etwas Zeit bleibt, ein Standsicherheitsgutachten bestätigt, der historische Bau hat eine gute Substanz, Baufälligkeit droht in absehbarer Zeit nicht. Doch die Dachflächen sind undicht, dort müsste bald etwas geschehen, soll ein Abriss nicht irgendwann das Ende des Wahrzeichens am Lokenweg bedeuten.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt