weather-image
27°
Kreis kontrolliert die Aufbewahrung bei über 2000 Personen / Nur einmal Verfahren eingeleitet

In den sicheren Waffenschrank oder entsorgen?

Hessisch Oldendorf (pj). Amokläufe, wild um sich schießende Täter, Opfer, die ihr Leben lassen – der Staat war gefordert und reagierte. Nach dem Amoklauf von Winnenden ist das Innenministerium an die Waffenbehörden herangetreten und hat diese gebeten, die Kontrollen des privaten Waffenbesitzes zu intensivieren. Bereits vor dem schrecklichen Geschehen in Winnenden, als ein 17-Jähriger die unverschlossen aufbewahrte Waffe seines Vaters nahm und ein Blutbad anrichtete, führte die Waffenbehörden des Landkreises Hameln-Pyrmont Kontrollen durch.

veröffentlicht am 04.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 20:21 Uhr

270_008_4256044_lkho102_04.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Nach der am 25. Juli 2009 in Kraft getretenen Neuregelung des Waffengesetzes hat der Besitzer erlaubnispflichtiger Schusswaffen oder Munition der zuständigen Behörde die zur sicheren Aufbewahrung getroffenen oder vorgesehenen Maßnahmen nachzuweisen – so steht es in Paragraf 36 Abs. 3 Satz 1 des Waffengesetzes. „Das sind über 2000 Personen im Landkreis“, sagt Tilmann Kasting, der Verwaltungsleiter des Fachdienstes Ordnung und Veterinärwesen. Was die Überprüfung anbelangt, so beginnt nach Ostern die letzte große Welle, dann ist der Landkreis bei den Jägern und Schützen durch.

Die Verunsicherung war groß, sagt Horst Ulbrich, Vorsitzender des Schützenvereins Lauenstein. Was macht eine ältere Frau, die noch die Waffen ihres verstorbenen Mannes im Haus hat? Es gab auch Fälle, in denen frühere Sportschützen ihre Kleinkalibergewehre nicht mehr nutzten und im Schrank stehen hatten. Oder ein Jugendlicher: Er ist Schütze, wo lässt er seine Waffe, wenn die Eltern nicht dem gleichen Hobby frönen und kein Waffenschrank im Haus steht?

Tilmann Kasting räumt ein, dass es vorkam, „dass im Einzelfall nicht ordnungsgemäß aufbewahrt wurde“. Es habe sich aber auf den „laienhaften Umgang“ beschränkt. Wer sich hilfesuchend an den Landkreis wandte, dem wurde auch geholfen, denn „es gibt einen besonderen Service“, wie Anja Hegener, die Pressesprecherin, betont. Wer sich im Kreishaus meldet, kann Waffen abholen lassen. „Diese werden nach Hildesheim gebracht und dort vernichtet“, erklärt Tilmann Kasting. Im Laufe der letzten elf Monate, in denen der Landkreis seine Überprüfung durchführte, sind viele Gewehre und Pistolen auf diesem Wege unschädlich beseitigt worden. Waffen und Munition können auch weiterhin bei der Waffenbehörde des Landkreises Hameln-Pyrmont kostenfrei zur Vernichtung abgegeben werden.

270_008_4256048_lkho103_04.jpg
Das Digitalschloss befreit vom Problem, den Schlüssel so aufzube
  • Das Digitalschloss befreit vom Problem, den Schlüssel so aufzubewahren, dass kein Unbefugter in den Waffenbesitz kommt.

Das Gesetz regelt eindeutig, dass, wer Waffen oder Munition besitzt, die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen hat, um zu verhindern, dass Waffen oder Munition abhandenkommen oder Dritte sie unbefugt an sich nehmen. Dabei geht es nicht nur um Schusswaffen, auch Blankwaffen wie Messer und Säbel müssen sicher aufbewahrt werden. Für Schusswaffen gilt auch, dass diese nur getrennt von Munition aufbewahrt werden dürfen, wenn der Waffenschrank eine bestimmte Norm nicht erfüllt.

In den letzten Wochen und Monaten bekam bereits ein Großteil der Waffenbesitzer vom Landkreis die Aufforderung, nachzuweisen, dass die Kleinkalibergewehre, Büchsen, Flinten und Kurzwaffen vorschriftsgemäß aufbewahrt werden. Mit der Rechnung vom Kauf eines Waffenschrankes und mit Fotos konnte belegt werden, dass die geforderte Sicherheit gewährleistet wird. Das habe reibungslos geklappt, sagt Tilmann Kasting. „Unsere Mitarbeiter sind auch rausgefahren und haben sich das eine oder andere Mal selbst überzeugt“, fügt der Verwaltungsleiter Fachdienst an.

Wie viele Langwaffen in einem Waffenschrank aufbewahrt werden dürfen und welche Sicherheitsstufe dieser haben muss, regelt das Waffengesetz. Das gleiche gilt für Kurzwaffen, also Pistolen oder Revolver. Verriegelung, Gewicht und Verankerung der Schränke werden genau vorgegeben. „Munition, deren Erwerb nicht von der Erlaubnispflicht freigestellt ist, darf nur in einem Stahlblechbehältnis ohne Klassifizierung mit Schwenkriegelschloss oder einer gleichwertigen Verschlussvorrichtung oder in einem gleichwertigen Behältnis aufbewahrt werden“, heißt es in den Bestimmungen.

Bei den Überprüfungen, die seit April letzten Jahres durchgeführt wurden, habe es keine Probleme gegeben, sagen die zuständigen Mitarbeiter im Kreishaus. Zwar musste an einige Waffenbesitzer eine weitere Aufforderung geschrieben werden, doch bis auf eine Ausnahme haben alle Waffenbesitzer dann prompt ihre Nachweise geführt. Lediglich in diesem Fall wurde, als auf die wiederholte Aufforderung nicht reagiert wurde, ein Verfahren eingeleitet.

In einem nicht dauernd bewohnten Gebäude dürfen nur bis zu drei Langwaffen, zu deren Erwerb und Besitz es einer Erlaubnis bedarf, aufbewahrt werden. Dies betrifft die Schützenheime und die Jagdhütten. Rudolf Trampe vom Landkreis führt dazu aus: „Die Anzahl der Waffen, die in Schützenhäusern aufbewahrt werden dürfen, ist auf drei Langwaffen begrenzt.“ Für die Waffenschränke gelte eine noch höhere Sicherheitsstufe. „Kurzwaffen dürfen nicht gelagert werden, wenn das Gebäude nicht dauernd bewohnt ist“, fügt Rudolf Trampe an.

Der Hessisch Oldendorfer Hegeringleiter Karl-Henning Schwiezer-Koch weiß von seinen Jägern, dass es keine Probleme gab. „Wir mussten schon immer Waffenschränke haben; wenn jetzt bei dem einen oder anderen die Sicherheitsstufe nicht mehr ausreichte, wurde ein neuer Schrank angeschafft“, sagt er. Viele Jäger nutzten dabei die preisgünstigen Angebote, die nach der Novellierung des Waffengesetzes von den Waffenschrank-Herstellern gemacht wurden. Viele kauften sich jetzt Waffenschränke mit Digitalschloss, denn damit entfällt das Problem, den Schlüssel so aufzubewahren, dass kein Unbefugter in den Besitz gelangen kann.

Bei Schützen und Jägern hat das neue Waffengesetz zunächst viel Staub aufgewirbelt. „Es geht aber um die Sicherheit, da ist es gut, dass es so gehandhabt wird“, sagt Horst Ulbrich. Der Schützenverein Rohden hatte im vergangenen Jahr Besuch von Rudolf Trampe. Die Überprüfung ergab keine Beanstandungen, was die Lagerung der Waffen anbelangt. Auch viele der aktiven Sportschützen sind bereits überprüft, wie der Vorsitzende des Schützenvereins Rohden, Klaus Römmer, erklärt. „Der Vorlauf war lang genug, die Angebote für Waffenschränke waren günstig, wenn der alte Schrank nicht der Norm entsprach, wurde eben ein neuer gekauft“, sagt er.

Für Schützen und Jäger steht fest, dass nicht ihre Waffen das Problem sind. „Es sind die illegalen, nicht registrierten Gewehre, Revolver und Pistolen, die eine große Gefahr darstellen“, sagt auch Horst Ulbrich. Seit dem 25. Juli letzten Jahres stellt die vorsätzliche nicht sichere Verwahrung einen Straftatbestand dar, wenn auch nur die Gefahr besteht, dass Unberechtigte Zugriff auf Waffen oder Munition erlangen können. Wer Waffen oder Munition nicht sorgfältig aufbewahrt, verliert die erforderliche Zuverlässigkeit. Werden Waffen zwar in einem Sicherheitsbehältnis aufbewahrt, dieses entspricht aber nicht der vorgeschriebenen Norm, kann ein Bußgeld von bis zu 10 000 Euro verhängt und die Waffen können eingezogen werden.

Der Höfinger Jäger Werner Himstedt mit Hegeringleiter Karl-Henning Schwiezer-Koch vor seinem Waffenschrank.Fotos: pj

Hegeringleiter Karl-Henning Schwiezer-Koch zeigt worauf es ankommt: Der Waffenschrank muss bestimmten DIN-Vorschriften genügen, dazu gehört auch, dass dieser eine Mehrfachverriegelung hat.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare