weather-image
Nachfrage steigt und steigt – Initiative „Augen auf!“ stößt an finanzielle Grenzen

Immer mehr bedürftige Kinder

Hessisch Oldendorf. Was haben Trauungen, Firmenjubiläen, Stockbrot-Backen, ein Schulfest, ein Konzert und ein DRK-Basar gemeinsam?! Aus all diesen Aktionen sind in den vergangenen zwölf Monaten Spenden für „Augen auf! Initiative für Kinder“ hervorgegangen – und die sind offenbar auch dringend notwendig.

veröffentlicht am 29.12.2015 um 15:51 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:38 Uhr

270_008_7815190_lkho101_ah_3012.jpg

Autor:

Annette Hensel
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

25 400 Euro hat Schuldnerberaterin Silke Schmidt in diesem Jahr im Auftrag von „Augen auf!“ in Form von Einzelhilfen in Höhe von 100 Euro an bedürftige Kinder in Hessisch Oldendorf verteilt. „Insgesamt konnten wir damit 254 Kindern in 92 Familien helfen“, betont Schmidt, die seit 2010 ehrenamtlich für die Initiative die Einzelhilfe-Anträge bearbeitet. Im Vorjahr gab „Augen auf!“ 18 000 Euro an 180 Kinder aus 70 Familien aus, 2013 waren es rund 13 000 Euro für 130 Kinder aus 49 Familien. Die Nachfrage ist enorm gestiegen, hat sich in den letzten beiden Jahren fast verdoppelt.

Müssen Einzelhilfen künftig gekürzt werden?

Noch Ende November lag die Summe der Einzelhilfen bei 16 900 Euro. „Im Dezember kamen dann aber noch viele in mein Büro, an einem Tag sogar neun Familien: Flüchtlinge aus Montenegro, dem Irak oder Albanien sowie deutsche Familien, die ihre Quittungen nicht vorgelegt hatten und daher mit der Neubeantragung ein Jahr warten mussten“, sagt Silke Schmidt und berichtet: „Flüchtlingsfamilien erfahren gleich bei der Anmeldung im Rathaus von den Einzelhilfen und nehmen diese schnell in Anspruch, vor allem wenn sie schulpflichtige Kinder haben, die Schulmaterialien benötigen. Deutsche Familien, darunter mehrere mit zehn Kindern, geben diese Information kaum an andere weiter aus Sorge, der Topf könnte irgendwann leer und für sie selbst nichts mehr übrig sein. Erst zum Jahresende hin wird vermehrt über „Augen auf!“ gesprochen, wenn in anderen Familien keine Weihnachtsgeschenke für Kinder gekauft werden können.“

Den in der Initiative der evangelischen Kirchengemeinde engagierten Teamern, allesamt Jugendliche, ist es wichtig, dass die Einzelhilfen wirklich nur Kindern zugute kommen. „Mit Quittungen muss belegt werden, dass davon Mobiliar, etwa ein Schreibtisch, Schulbedarf und vor allem Kinderbekleidung gekauft wird: bei Mädchen eher Hosen, Pullis oder Jacken, bei Jungen eher Schuhe, wobei dazu auch Sport- oder Fußballschuhe zählen“, sagt Silke Schmidt. Sie weiß aber auch, dass mit den 100 Euro eine Kinderbrille für einen Asylbewerber und Spezialschuhe für ein behindertes Kind finanziert wurden.

Bei gut zwei Dritteln der Familien handelt es sich um Menschen mit Migrationshintergrund oder neu in der Stadt eingetroffene Flüchtlinge. Bei den deutschen Familien sind vor allem Alleinerziehende oder Geringverdiener auf Unterstützung angewiesen.

An Spenden für die Initiative sind beim Kirchenamt in Wunstorf bis zum gestrigen Tage 20 340 Euro eingegangen, auch durch Aktionen der Teamer wie Stockbrot-Backen und Kirchenführungen beim Martinimarkt. Auf dem Konto ist der jährliche Zuschuss der Stadt in Höhe von 2000 Euro verbucht, 1600 Euro erwirtschaftete der Freundeskreis „Augen auf!“ beim Martinimarkt-Café im Gemeindehaus. 1000 Euro spendeten Gewerbetreibende, die seit zehn Jahren unter einem Dach vereint sind, ein Tiefbauunternehmen und ein Hochzeitspaar, 950 Euro ein Praxisteam, das „Augen auf!“ seit Jahren unterstützt. Knapp 1400 Euro erbrachte das Benefizkonzert mit Detlev Jöcker in Fischbeck, 520 Euro ein Herbstbasar des DRK-Ortsvereins Rumbeck – beide Summen fließen ebenso wie mehrere private Daueraufträge in die Ausgabe der Einzelhilfen mit ein. Die Spende von einem Fest an der Oberschule steht noch aus.

Den Einnahmen von 20 340 Euro stehen Ausgaben in Höhe von 27 144 Euro gegenüber – neben den Einzelhilfen auch für „Augen-auf!“-Projekte wie beispielsweise „Mahl-Zeit“ an der Grundschule am Rosenbusch oder den Obstteller an der Grundschule Fischbeck. Das Obst für den Hessisch Oldendorfer Obstteller spendet seit sechs Jahren Edeka Ladage.

Somit fehlen 2015 aktuell 6804 Euro, die die Initiative noch aus Rücklagen finanzieren kann. Damit sind diese dann allerdings aufgebraucht. So muss sich die Initiative „Augen auf!“ wohl überlegen, wie und in welcher Größenordnung die finanzielle Unterstützung bedürftiger Kinder gekürzt werden kann, damit künftig keine Schulden entstehen.

Internet: Wer mehr über die Arbeit der Initiative wissen möchte, findet Infos auf der Seite : www.kirche-hessisch-oldendorf.de/augen-auf



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt