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Welche Rolle spielen Beizmittel?

Imker besorgt: Bienensterben gibt Rätsel auf

Fischbeck (pj/bj). „Der Gesundheitszustand der europäischen Bienen ist sehr, sehr besorgniserregend“, warnt Ungarns Agrarminister Sandor Fazekas bei einem Treffen mit Amtskollegen in Brüssel. „Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr“, so beschrieb Albert Einstein einmal die Kette. Dass dann auch der süße Brotaufstrich fehlt, ist dabei nur eine Nebensache.

veröffentlicht am 03.02.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:21 Uhr

Dirk Adomat kontrolliert einen seiner Bienenstöcke. Die Insekten bilden eine Wintertraube. Foto: bj
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Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes lag die Bienensterblichkeit in Deutschland im Vorjahr bei 15 Prozent. Bei Imkereien, die nicht wissenschaftlich betreut würden, seien es sogar 30 Prozent gewesen, führt der Präsident des Deutschen Imkerbundes, Peter Maske, aus. Vor knapp einem Jahrzehnt hatten es die Imker bereits einmal mit einer gefährlichen Krankheit zu tun. „2002/03 gab es Verluste von 20 Prozent und einige Totalschäden“, sagt Dirk Adomat, der Vorsitzende der Kreisimkerschaft. Die Varroa-Milbe war damals mit Ursache für die Verluste. Die Milbe wurde 1977 von Wissenschaftlern aus Asien eingeschleppt. Auch heute sei die Milbe eine große Bedrohung für die Bienenvölker. Es sterben jedes Jahr rund zehn Prozent der Bienenvölker durch sie. Das zwei Millimeter große, achtbeinige Panzertierchen ist der Bienen größter Feind. „Hat sich die Varroa-Milbe erst einmal an sein Opfer angeheftet, saugt sie dessen Brut aus. Wenn danach überhaupt noch Bienen schlüpfen, haben sie zumeist keine Flügel und sind nicht überlebensfähig“, erklärt Dirk Adomat.

Mit der Varroa-Milbe haben auch im Weserbergland alle Imker zu tun, weiß Dirk Adomat. Es gibt verschiedene Methoden, um sich gegen den Befall zu schützen. Der Kreisvorsitzende der Imkerschaft setzt auf biologische Verfahren, Kollegen greifen auch zu Medikamenten.

Auf die Ursachen für den schlechten Gesundheitszustand der Bienen angesprochen, nennt der Fischbecker, der selbst 25 Bienenvölker besitzt, auch Vergiftungen durch Pestizide, Klimaveränderungen sowie Methoden von Imkereien. Imker beklagen auch, dass den hochempfindlichen Honigbienen durch einseitige Landwirtschaft das Futter und die Lebensräume ausgingen. „Die Vielfalt in der Natur verschwindet“, bedauert Adomat. Feldränder fielen der intensiven Landwirtschaft zum Opfer, immer noch verschwinden Hecken aus der Landschaft. „Dabei sind wir im Weserbergland immer noch im gelobten Land“, sagt der Vorsitzende der Kreisimkerschaft. Und dann ist da noch der Einsatz von Pestiziden, die den Bienen zusetzen. So werde derzeit untersucht, welche Auswirkungen die mögliche Anreicherung von Stoffen aus der Beize, mit der Getreide vor der Aussaat behandelt wird, über Gutationströpfchen – das sind Tautropfen, die sich morgens an Blättern bilden – auf die Bienen haben. Die Insekten nehmen die Feuchtigkeit auf, verenden und die so dezimierten Völker werden von Artgenossen vernichtet. Um die derzeit grassierende rätselhafte Bienen-Krankheit aufzuklären, sammeln Forscher europaweit Daten. Bis April soll in Frankreich ein Labor der Europäischen Union zur Bienengesundheit entstehen.



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