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Oliver Nacke will mit Biogasanlagen die Energiewende retten / Doch Gabriels Pläne gefährden sein Geschäft

Ihm stinkt’s

Hessisch Oldendorf. Oliver Nacke hat die Nase voll. Der Diplom-Ingenieur ist Vorstand der Archea Biogas Holding und entschiedener Atomstromgegner. In seiner Freizeit engagiert er sich beim Naturschutzbund Nabu, er baut dann zum Beispiel Nistmöglichkeiten für Wasseramseln und Eisvögel. Vor Nackes Haustür steht ein Elektroflitzer, Strom produziert er selbst. Kurzum: Nacke lebt so gut es geht im Einklang mit der Natur. Doch mit der Harmonie ist es schnell vorbei, wenn er über Sigmar Gabriel spricht. Dabei ist der doch Bundesminister für Energie.

veröffentlicht am 08.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 02:41 Uhr

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Autor:

VON ROBERT MICHALLA
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Was Nacke auf die Palme bringt? Das Bundeskabinett soll Anfang April die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beschließen. Damit will der SPD-Mann Gabriel den Kostenanstieg bei der Energiewende bremsen. Bürger und Wirtschaft zahlen über den Strompreis etwa 23,5 Milliarden Euro jährlich, damit mehr Strom aus Wind, Sonne, Wasser und Biogas erzeugt wird. Deren Anteil soll von derzeit 25 Prozent auf 40 bis 45 Prozent im Jahr 2025 steigen. Dieses Ziel unterstützt auch Nacke. Doch auf dem Weg dorthin liegen zwischen ihm und dem Minister Welten, die viel weiter voneinander entfernt sind als Hessisch Oldendorf und Berlin.

Gabriel möchte unter anderem, dass der Bau neuer Biomassekraftwerke überwiegend auf Anlagen begrenzt wird, die Abfall- und Reststoffe verbrennen; Anlagen, die mit Mais laufen, sollen kaum noch gebaut werden. Nacke schielt schon auf Hausmüll und Klärschlamm, den er gern vergären möchte. „Mais war für uns nur die Anfangspflanze“, beteuert er. Nacke kritisiert aber, dass Gabriels Pläne schon ab dem Herbst gelten sollen. Laut dem Fachverband Biogas wäre dann kein nennenswerter Zubau von Anlagen möglich, zumal der Minister einen Ausbaudeckel von 100 Megawatt pro Jahr vorsieht. Zum Vergleich: Nackes Anlage hat eine Leistung von 1,4 Megawatt. „Durch die aktuell diskutierten Pläne zur Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes läuft der Wirtschaftsstandort Deutschland Gefahr, eine moderne und klimafreundliche Branche massiv einzuschränken“, warnt Nacke.

Bei aller Liebe zum Naturschutz ist er aber auch Geschäftsmann. „Wenn die Große Koalition die Vergütung für Energiepflanzen vollständig streicht, sind Biogasprojekte zukünftig kaum noch umsetzbar. Dadurch sind viele Jobs in unserem Betrieb gefährdet.“ 76 Menschen arbeiten für die Archea-Gruppe, 20 von ihnen demonstrierten kürzlich vor der Biogasanlage in Hessisch Oldendorf. Eingeladen waren auch der Landtagsabgeordnete Otto Deppmeyer (CDU), Grünen-Kreistagsmitglied Thomas Jürgens, Bürgermeister Harald Krüger (SPD) und Grünen-Kreischef Michael Maxein. Deppmeyer sagte, „eine Kostenbremse ist ohne Frage richtig“. Allerdings betonte er: „Es muss weiter investiert werden.“ Zudem müssten bestehende Anlagen Schutz genießen. Krüger betonte, wie wichtig der Mix der Energieformen sei.

Aufgeben will Nacke nicht. Im Gegenteil. Er möchte weiter investieren und hat auch schon eine neue Idee: Er möchte die verschiedenen Windräder, Biogas- und Photovoltaikanlagen in und um Hessisch Oldendorf über das Internet vernetzen, und zwar zu einem „virtuellen Kraftwerk“, wie er es nennt. Die Stadt könne sich dann zu 100 Prozent selbst mit Strom versorgen. Wenn das Sigmar Gabriel hört.



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