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ho15/Über den Blogger Pechmann

Rohden. „Abendland ohne Morgenland. Gute Nacht! Wir leben in einer Welt“, steht auf dem Bildschirm, vor dem M. sitzt und sagt: „Unsere weltweiten Probleme lassen sich nicht in Kleinstaaterei lösen und gar nicht mit der dumpfen Deutschtümelei, die durch Hintertürchen gerade wieder bei uns Einzug hält.“ K. lehnt am Zaun, an dem geschrieben steht: „Zäune und Mauern sind rückwärts gewandt – besonders die im Kopf machen mir Angst.“ Sie erklärt: „Ich denke, alle Menschen haben das uneingeschränkte Recht ohne Angst zu leben. Um dieses hohe Gut zumindest in unserem Land umzusetzen, braucht es Miteinander, Aufklärung und immer wieder Bildung.“

veröffentlicht am 09.02.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 06:21 Uhr

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Autor:

VON ANNETTE HENSEL
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Derartige Gedanken hält Werner Pechmann in seiner Fotoserie „Für ein Morgen im Abendland“ fest. Für ein Morgen im Abendland? Kurz hängt der Verstand an der Grammatik, bis klar ist: Hier geht’s um das Morgen, die Zukunft. In seinem Blog „Alle Augenblicke“ hat Pechmann (52) dieses „Projekt gegen Engstirnigkeit, Intoleranz und viel zu oft auch Dummheit“ gestartet. „Das Abendland versteht sich als Wiege der Kultur, als weltoffen, demokratisch, tolerant, aber wir tun so, als sei das Boot voll, als seien wir aufgrund der Migranten arm dran“, erklärt er und fährt fort: „Ich finde, wir müssen uns der Verantwortung stellen, Menschen, die aus anderen Ländern kommen, anzunehmen, zu integrieren, auszubilden und vernünftig zu entlohnen.“ Genau da sehe er Defizite, die der Pegida-Bewegung im Land Nahrung geben. Dass Menschen auf die Straße gehen, sei ihr Recht, ihm fehle dabei jedoch die Differenziertheit – und daraus sei seine eigene Auseinandersetzung mit der Thematik entstanden. „Mein Blog ist meine Art, etwas gegen diese rückwärtsgewandte Ausländerfeindlichkeit zu tun“, sagt er. Um das zu unterstreichen, nimmt er das Bekenntnis „Je suis Charlie“ auf, verlinkt John Lennons „Imagine“, das „Märchen vom Auszug aller Ausländer“ oder Stefan Wolfs Blog „Hope“ mit Aufnahmen aus Flüchtlingslagern. „Ich möchte das ganze Jahr über Menschen in Wort und Bild vorstellen, die für ein tolerantes, weltoffenes Deutschland stehen“, so Pechmann, der sich als „ambitionierter Laie in Sachen Fotografie“ bezeichnet.

Als Geschäftsführer einer Spedition arbeitet der ehemalige Vorsitzende der Waldbad-initiative Rohdental in Berlin, wo er unter der Woche auch lebt. „Berlin ist eine internationale Metropole, in einigen Stadtteilen wird mehr Englisch, Französisch oder Türkisch geredet als Deutsch – davon kann eine Gesellschaft profitieren“, lautet seine Meinung. Annäherung, Dialog der Kulturen – das sei wichtig, um Situationen zu verstehen, deren Zwischentöne man nicht kenne. Angesprochen auf das Attentat in Paris sagt er: „Als offene Gesellschaft müssen wir Konflikte ertragen, darauf basieren unsere Werte.“ An diesem Punkt setzt er nach: „Wir müssen den Menschen aus anderen Ländern nicht nur Tische bereitstellen, sondern auch Bildung, Qualifizierung.“

Am Abend des Pariser Attentats sei er am Brandenburger Tor gewesen, wo sich Hunderte Menschen versammelten, um Solidarität mit den Opfern zu zeigen, viele Muslime darunter. „Das sind tolle Momente, wenn Menschen näher zusammenrücken – es wäre auch schön, wenn so etwas passiert, wenn in Nigeria 200 Mädchen spurlos verschwinden“, erklärt er.

Im jüngsten Teil seiner Fotoserie äußert sich A., die beruflich viel Kontakt zu Menschen anderer Nationen hat: „Nicht alle sprechen gut Deutsch (auch wenn sie schon lange hier leben), aber alle sind zuvorkommend und nett und alle sind sie Menschen.“

Kinderkrankenpfleger J. meint: „Jeder Türke, Syrer, Iraker oder whatever ist erst einmal Mensch, bevor er einer Nationalität angehört, und daher sollten wir vor jedem Respekt haben. Ich pflege alle Kranken, egal woher.“ In die Kamera hält er ein Schild, darauf steht: „Ohne Menschen aus anderen Ländern werden wir zum Pflegefall.“ S. zitiert aus der arabischen Mystik: „Die geistige Dimension ist das Gewebe, das die Welt zusammenhält, ihr Stoff heißt Liebe. Das ist das Geheimnis des Lebens.“

Wer in Pechmanns Blog etwas zum Morgen im Abendland zu sagen hat, findet unter www.alleaugenblicke.de seine Kontaktdaten.

Erst der Mensch, dann die Nationalität

Werner Pechmann schreibt Blog gegen Engstirnigkeit



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