weather-image
20°

Dura will mit Produktionsende in Fulda das Werk an der Weser stärken

Hessisches Opfer für Hessisch Oldendorf

Hessisch Oldendorf. Für Fulda ist es das Ende einer industriellen Ära – aber ist dieses hessische Opfer für Hessisch Oldendorf als einst so bedeutender Standort der Teppich-Produktion die Rettung? Das Unternehmen Dura jedenfalls hat angekündigt, ab Mitte 2016 keinen Teppichboden mehr in Fulda zu produzieren.

veröffentlicht am 15.12.2015 um 18:58 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

270_008_7809825_lkho109_Dura_Wal_1612.jpg
Marc Fisser

Autor

Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wie Geschäftsführer Christian Schäfer erklärt, erfolgt die Fabrikation der Bodenbeläge dann vollständig in dem 250 Kilometer fulda- und weserabwärts gelegenen Hessisch Oldendorf. Mindestens 11 der in Fulda betroffenen 43 Mitarbeiter werden ihre Arbeit verlieren, der Rest könne vor Ort andere Jobs bekommen: Sie sollen in die Filzproduktion wechseln, die in Fulda ebenfalls eine lange Geschichte hat.

Nach der Insolvenz vor drei Jahren war Dura in 13 Einzelgesellschaften aufgesplittet worden. Die Tochter Hebu GmbH im schwäbischen Empfingen wurde vor kurzem an das US-Unternehmen Racemark verkauft, das nun aus wirtschaftlichen Erwägungen keine Produkte der Dura Car Carpets mehr beziehen will; die Automatten sollen künftig aus Tschechien und Holland kommen. Das damit verbundene Ende der Autoteppichsparte führt auch in Hessisch Oldendorf dazu, dass die zuletzt noch 160-köpfige Belegschaft auf die Hälfte reduziert wird. Im Oktober hatten die angekündigten Entlassungen für Empörung gesorgt: Nach Jahrzehnten im Betrieb würden Mitarbeiten mit „lächerlichen“ Abfindungen abgespeist, monierte die IG Metall. Die zuständige Gewerkschaftssekretärin Sabine Glawe erkennt bei der Standort- und Produktionsfrage hinter dem Vorgehen Schäfers „keine Strategie“. Und die Branchenexpertin fügt an: „Es ist schrecklich für die Kollegen in Fulda. Und ich wage keine Prognose für die Zukunft des Werkes in Hessisch Oldendorf.“

Nach dem in Eigenregie durchgeführten Insolvenzverfahren waren von der Dura-Führung als Trumpf noch die langfristigen Lieferverträge mit der Autoindustrie ausgespielt worden. Nun heißt es, Dura werde sich auf sein Kerngeschäft der Bodenbeläge konzentrieren, dem Tufting-Verfahren. Mit dem Verkauf Hebus soll sich das einstige Vorzeigeunternehmen der Teppichbranche immerhin weitgehend entschuldet haben. Es handele sich bei dem Autosegment auch nur um einen relativ kleinen Geschäftsbereich, betont Dura jetzt. Das Unternehmen stehe durch den Rückzug keinesfalls vor dem Aus. Vielmehr sollen die frei werdenden Ressourcen und Kapazitäten helfen, das Handels- und Objektgeschäft mit Teppichware zu stärken. Für 2016 seien neue Programme und Kollektionen geplant. Zu konkreten Fragen hinsichtlich des Werkes an der Weser wollte Dura-Chef Schäfer gestern gegenüber dieser Zeitung nicht Stellung nehmen.

Bei dem Tufting-Verfahren werden Garnschlingen auf einem Grundgewebe angebracht. Der Markt für diese klassischen Teppichprodukte war lange rückläufig, inzwischen geht es mit dem Umsatz aber aufwärts. Von einer „zunehmenden Dynamik im In- und Ausland“ wird aktuell berichtet – zur Erleichterung der bundesweit knapp 4000 Mitarbeiter in diesem Industriezweig. Der Exportanteil liegt derzeit bei einem Viertel des Umsatzes. 2009 wurden mit der Herstellung von Teppichen in Deutschland insgesamt rund 670 Millionen Euro umgesetzt, 2014 waren es immerhin wieder 824 Millionen. Die Branche bemüht sich, Marktanteile zurückzuholen, etwa von den Holzboden- und -laminatherstellern. Dazu dient die Kampagne „Teppich & Du“, mit der die Vorzüge textiler Böden hinsichtlich ihrer Gestaltungsmöglichkeiten herausgestellt werden. Verwiesen wird auf die hohe Strapazierfähigkeit, den Beitrag zum Energiesparen und zur Geräuschdämpfung. „Vorsichtig mehren sich die Zeichen für eine gestiegene Wertschätzung“ bei den Verbrauchern, meint der Verband der deutschen Heimtextilien-Industrie. Und darauf fußen nun auch die Hoffnungen in Hessisch Oldendorf.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?