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Herbstlaub macht den Gartenzaun zum Tatort

Hessisch Oldendorf (boh). „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“, formulierte vor über 200 Jahren Friedrich Schiller im Wilhelm Tell. Dieser Satz hat auch heute noch Gültigkeit. Die Zahl der Nachbarstreitigkeiten, die landesweit die Gerichte beschäftigen, stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an, zumal das Nachbarschaftsrecht für viele Leute eine schier unerschöpfliche Streitquelle zu sein scheint.

veröffentlicht am 14.10.2009 um 17:49 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 03:21 Uhr

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Hessisch Oldendorf (boh). „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“, formulierte vor über 200 Jahren Friedrich Schiller im Wilhelm Tell. Dieser Satz hat auch heute noch Gültigkeit. Die Zahl der Nachbarstreitigkeiten, die landesweit die Gerichte beschäftigen, stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an, zumal das Nachbarschaftsrecht für viele Leute eine schier unerschöpfliche Streitquelle zu sein scheint.
Knallerbsenstrauch –
ein Paradebeispiel

 Traurige Berühmtheit erlangte das vogtländische Auerbach durch Regina Zindler, die vor Gericht zog, um ihren Nachbarn dazu zu zwingen, einen Knallerbsenstrauch zu entfernen, der ihren „Moschendrohtzaun“ vermeintlich beschädigte. Der Rest der Geschichte ist – Stefan Raab sei Dank – bekannt. Im eingängigen Countrystil verwurstete der Moderator und Entertainer die vogtländische Mundart musikalisch und landete einen Charterfolg. Auch der Hessisch Oldendorfer Heinz-Gerd Görsch weiß von Nachbarschaftsstreitigkeiten ein Lied zu singen: Seit Jahren ist er für die Stadt als Schiedsmann tätig, um in gering strafrelevanten Angelegenheiten zu vermitteln. „Besonders der Herbst bietet viel Streitpotenzial“, erzählt er.
Des einen Freud,
des anderen Leid

 Die einen freuen sich an der üppigen Farbpracht, die noch einmal vor der beginnenden dunklen Jahreszeit Parkanlagen, Wälder und Gärten in bemerkenswerte Augenweiden verwandelt, für die anderen gehört der Herbst eher zur unerfreulichen Jahreszeit. Der ewige Streit um herabfallendes Laub erhitzt die Gemüter von Nachbarn Jahr für Jahr aufs Neue, wenn sich welke Blätter und Nadeln über Grundstücksgrenzen hinaus ausbreiten.
 Der ehemalige Werberingvorsitzende wird immer dann gerufen, wenn vonseiten der Staatsanwaltschaft ein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung fehlt. Als Vermittler zwischen den Kontrahenten bewahrt Görsch dabei stets seine Unparteilichkeit. Gerade bei Laubfall in Herbst seien Streitigkeiten eher die Regel als die Ausnahme. „Grundstückseigentümer haben es prinzipiell zu dulden, dass Laub aus der Nachbarschaft auf ihr Grundstück fällt“, erklärt er, „außerdem beschränkt sich der Laubfall nur auf wenige Wochen im Jahr“.
 Nicht nur bilden herabfallende Blätter durch Zersetzungsprozesse eine düngende Humusschicht – „Bäume bedeuten Leben“, betont der Schiedsmann. Durchschnittlich trage ein Laubbaum rund 30 000 Blätter, die zusammen Tag für Tag eine enorme Transpirationsleistung an die Umwelt abgeben. Neben mehreren hundert Litern Wasser, die ein Baum produziert, deckt er mit 1,7 Kilogramm Sauerstoff pro Stunde an warmen Tagen den Verbrauch von zehn Menschen. „Diese grüne Lunge ist für die Umwelt lebensnotwendig“, sagt Görsch.
Laubfall –
ein akzeptables Übel

 Laubfall zähle zwar zu den Übeln des Herbstes, sei allerdings generell zu akzeptieren. Trotzdem können fallende Blätter auch erhebliche Schäden wie verstopfte Dachrinnen verursachen. Die Reinigung von Fassaden und Dachrinnen hat der Eigentümer zu tragen, der darüber hinaus die Bäume des Nachbarn dulden muss, auch wenn sie auf sein Grundstück ragen.
 „Die Gerichte finden dazu klare Worte“, erklärt Görsch. Nicht nur müssten sich Grundstücksbesitzer mit fallendem Laub aus Nachbars Garten abfinden, auch habe der Grundstücksbesitzer keinen rechtlichen Anspruch auf Sonnenlicht, um den Nachbarn zum Zurückschneiden des Baumes zu verpflichten.  „Schnell wird der Streit buchstäblich vom Maschendrahtzaun gebrochen und endet vor Gericht“, weiß er aus seiner langjährigen Erfahrung. „Das verursacht erhebliche Kosten und kann bis zur nachbarschaftlichen Isolation führen“, fügt der Schiedsmann hinzu.
 Damit es nicht soweit kommt, bietet Heinz-Gerd Görsch regelmäßige monatliche Beratungen im Bürgeramt der Stadtverwaltung an. Telefonisch können Termine unter 05152/690930 vereinbart werden.



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