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Haupt- und Realschüler sollen bald gemeinsam lernen

von Dorothee Balzereit

Hessisch Oldendorf/ Durch den demografischen Wandel und drastisch sinkende Schülerzahlen an der Hauptschule fordern vielerorts Schulschließungen. Vor allem die kommunalen Spitzenverbände fordern deshalb die konsequente Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen, um die Kommunen zu stärken. Der Druck von außen ist angekommen: Die CDU/FDP-Koalition will gemeinsamen Unterricht für Haupt- und Realschüler. Ein entsprechender Erlass ist auf dem Weg.

veröffentlicht am 09.12.2009 um 17:40 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 00:21 Uhr

Schule
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von Dorothee Balzereit

Hessisch Oldendorf/ Durch den demografischen Wandel und drastisch sinkende Schülerzahlen an der Hauptschule fordern vielerorts Schulschließungen. Vor allem die kommunalen Spitzenverbände fordern deshalb die konsequente Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen, um die Kommunen zu stärken. Der Druck von außen ist angekommen: Die CDU/FDP-Koalition will gemeinsamen Unterricht für Haupt- und Realschüler. Ein entsprechender Erlass ist auf dem Weg.
 Er sieht vor, dass zusammengelegte Haupt- und Realschulen im Sekundarbereich mit integrativen Elementen entwickeln können. Auf gut Deutsch: Von Klasse 5 bis einschließlich 8 können die Schüler, außer in Mathematik, Deutsch und Englisch, gemeinsam lernen. Wahrscheinlich ist auch, dass die Kinder der Klassenstufe 5 und 6 auf Antrag bald auch in den Kernfächern im Kurssystem zusammen lernen. Das sagt Karl-Heinz Klare, Mitglied des Landtages und stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion.
 Der ehemalige Schulamtsdirektor und Nachfolger von Ursula Körner (CDU) gilt als Fachmann für Kultusfragen. Klare geht davon aus, dass der Erlass am 1. August 2010 in Kraft tritt. Die erweiterte Zusammenarbeit sieht vor, tragfähige Lerngruppen zu bilden, wenn sich nur wenige Hauptschüler anmelden. Flexible Schulen könnten so in den Hauptfächern A- und B-Kurse einrichten, sagt Klare. Ähnlich wie in der viel kritisierten OS, nur dass es zwei statt drei Abstufungen im Kurssystem gibt.
 „Das ist ein Riesenschritt”, betont Karl-Heinz Klare, der diese Entwicklung nach eigener Aussage massiv vorangetrieben hat – „auch gegen erbitterte Widerstände“. Er geht sogar davon aus, dass die Zusammenarbeit auch nach der 8. Klasse auf Antrag fortgeführt werden könne.
Ob die Eltern udn Schüler das wollen,  wird sich im Januar zeigen: Dann nämlich steht im Landtag die Änderung des Grundsatzerlasses zur Debatte. Dann müssen Landeseltern- und Schülerrat sowie die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft eine Stellungnahme abgeben, die „in den Erlass eingearbeitet wird“, so der Sprecher des Kultusministeriums.
 
Kommentar

Überraschende Rolle rückwärts

Von Dorothee Balzereit

Es brennt. Der Druck, endlich zu handeln, muss enorm groß sein. Man mache sich bewusst: Eine konservative Landesregierung, die bisher gegen alle Widerstände strikt am dreigliedrigen Schulsystem festgehalten hat, entschließt sich plötzlich für eine – zumindest für Niedersachsen – spektakuläre Rolle rückwärts. Dabei haben die Politiker keine Hemmungen, ein Modell, das frappierende Ähnlichkeit mit der viel gescholtenen Orientierungsstufe hat, wieder aus der Schublade zu holen. Dahinter steht jedoch nicht der Mut zu einem ideellen Wandel aufgrund von schulpolitischer Einsicht, als vielmehr die Konsequenzen der demografischen Entwicklung im Lande. Dazu kommt die zunehmende Unlust, die Kosten für die Lehrerbedarfe an den Hauptschulen abzudecken. Klassengrößen mit einstelligen Schülerzahlen sind dort keine Seltenheit mehr. Es rächt sich, dass man den großen Imageschaden der Hauptschule über lange Zeit für reparabel gehalten hat, und die Notwendigkeit, jene zu erhalten, immer aufs Neue beschwor. Dass der Run auf das Gymnasium noch größer wird, ist zu erwarten. Deshalb ist es wichtig, nicht nur populistische Akzente zu setzen, sondern gleich Nägel mit Köpfen zu machen und die Hauptschule gleich ganz zu integrieren anstatt in ein oder zwei Jahren. Denn das ist für Schüler, Lehrer und Eltern das Ärgerlichste: das ewige Hin und Her.
 d.balzereit@dewezet.de



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