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Beim Veto der Kreisstadt-Politiker gibt es kein gymnasiales Angebot – das wollen Hessisch Oldendorfer nicht hinnehmen

„Hamelner entscheiden über unsere Oberschule“

Hessisch Oldendorf (pj). Bei Enthaltung der Grünen, die sich bekanntlich für eine IGS ausgesprochen hatten, beauftragte der Kreistag Anfang Oktober vergangenen Jahres einhellig die Verwaltung, die Voraussetzungen für die Errichtung eines gymnasialen Angebotes an der Hessisch Oldendorfer Oberschule ab dem Schuljahr 2012/2013 zu prüfen und gegebenenfalls die notwendigen Genehmigungen der Landesschulbehörde zu beantragen. Um diese Genehmigung zu bekommen, bedarf es der Zustimmung der Stadt Hameln. Heute Abend soll der Ausschuss für Kindertagesstätten, Schulen und Sport der Kreisstadt einen Beschluss fassen.

veröffentlicht am 02.02.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 01:21 Uhr

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Aus dem Hamelner Rathaus kommt die Empfehlung, dem Landkreis die erbetene Zustimmung zur Erweiterung der Oberschule in Hessisch Oldendorf um einen gymnasialen Zweig zu versagen. Folgen die Politiker des Ausschusses und später auch der Stadtrat der Beschlussempfehlung der Stadtverwaltung, kann der Landkreis Hameln-Pyrmont nicht den Antrag bei der Landesschulbehörde stellen – einen gymnasialen Zweig wird es dann an der Hessisch Oldendorfer Oberschule nicht geben können. Nach Paragraf 106 (3) des Niedersächsischen Schulgesetzes ist die Erweiterung einer Oberschule um ein gymnasiales Angebot zulässig, wenn der Schulträger desjenigen Gymnasiums zustimmt, das die Schüler sonst besuchen würden.

An den drei Hamelner Gymnasien wurden im vergangenen Jahr 613 Schüler in die fünften Klassen aufgenommen. 92 Schüler davon kommen aus Hessisch Oldendorf. Zwischen 94 und 72 Sextaner waren es von 2006 bis 2010. Bereits im März 2011 hatte nach einer interfraktionellen Beratung die Stadtverwaltung Hameln dem Landkreis mitgeteilt, dass man große Bedenken gegen weitere gymnasiale Angebote im Kreisgebiet habe, da erhebliche Auswirkungen auf die städtischen Gymnasien zu erwarten seien.

In vier Punkten wird aufgelistet, warum die drei Hamelner Gymnasien und die IGS dem Ansinnen aus Hessisch Oldendorf ablehnend gegenüberstehen. Die vier Wahlmöglichkeiten seien ausreichend, um den Bedarf auch der Hessisch Oldendorfer Schüler abzudecken. Außerdem werden die demografische Entwicklung und der sinkende Bedarf ins Feld geführt, die die Schaffung eines zusätzlichen Angebots nicht erforderlich mache. In der Ablehnung wird auch darauf verwiesen, dass die Hamelner Schulen von Hessisch Oldendorf angemessen mit dem öffentlichen Nahverkehr angebunden seien. Und da durch die über viele Jahre gewachsenen Verbindungen zu den Hamelner Schulen die Hessisch Oldendorfer Familien ohnehin eindeutig nach Hameln ausgerichtet seien, könne nicht davon ausgegangen werden, dass von einer angemessenen Schülerzahl für ein profiliertes Gymnasial-Angebot in Hessisch Oldendorf ausgegangen werden könne. „Die Hamelner entscheiden über unsere Oberschule“ – das wollen Hessisch Oldendorfer Ratsherren nicht hinnehmen, ohne zu versuchen, ein negatives Votum abzuwenden. Die SPD-Fraktion hat sich deshalb an die Hamelner Oberbürgermeisterin und die Politiker in der Nachbarstadt gewandt. „Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, nimmt die Abiturquote ab, je weiter die Schülerinnen und Schüler von einem Gymnasium entfernt wohnen. Einige Hessisch Oldendorfer Eltern melden ihre Kinder nicht an einem Hamelner Gymnasium an, da die langen Fahrzeiten zu einer erheblichen Belastung führen. Insbesondere die Verlagerung der Unterrichtszeiten in die Nachmittagsstunden führt zu fast unzumutbaren Belastungen. Fahr- und Wartezeiten von über einer Stunde sind inzwischen keine Seltenheit“, heißt es im Schreiben des SPD-Ratsfraktionschefs Dirk Adomat an die Hamelner.

Die Sozialdemokraten, die mit den Grünen im Hessisch Oldendorfer Stadtrat die Mehrheit stellen, gehen davon aus, dass auch weiterhin Schülerinnen und Schüler aus Hessisch Oldendorf die gymnasialen Angebote der Stadt Hameln nutzen werden. „Durch ein ergänzendes gymnasiales Angebot würde sich die Chance eröffnen, noch mehr Kindern eine umfassendere Schulbildung zukommen zu lassen“, schreibt Dirk Adomat an die Hamelner. Die Nachfrage im Oberstufenbereich, der auch zukünftig nur in Hameln angeboten werden wird, würde sich erhöhen, argumentieren die Hessisch Oldendorfer. Die Stellung der Stadt Hameln als Schulstandort wäre durch die zu erwartende Zunahme im Oberstufenbereich zukünftig eher gestärkt, sagen sie. „Denn nur mit einer stabilen Zahl an Oberstufenschülerinnen und -schülern können die Hamelner Gymnasien auch zukünftig ihre Profilbildungen, ihre Fächervielfalt und die Möglichkeit, breitgefächerte leistungsorientierte Angebote in den Oberstufen anzubieten, aufrechterhalten“, heißt es im Schreiben. Sofern bei kritischster Betrachtung rückläufige Schülerzahlen erwartet werden, würde dieser Effekt im Oberstufenbereich mehr als ausgeglichen werden, ist sich Dirk Adomat mit seiner Fraktion einig.

Keinen Zweifel lassen die Hessisch Oldendorfer Sozialdemokraten daran, dass eine künftige Oberschule mit gymnasialem Angebot uneingeschränkt allen schulisch-pädagogischen Anforderungen entsprechen müsse, da die abgehenden Oberstufenschüler sich nur so nahtlos in die Klassen an den Gymnasien eingliedern lassen. In diesem Zusammenhang wird darauf verwiesen, dass diese Bedingung auch, aller vorhergehenden Kritik und Skepsis zum Trotz, durch die Schülerinnen und Schüler der KGS Salzhemmendorf erfüllt wurden.

Die Hessisch Oldendorfer Politiker versichern, dass sie die Einrichtung eines gymnasialen Angebotes „nicht als ein konkurrierendes, sondern als ein ergänzendes und erweiterndes Angebot in der gymnasialen Landschaft sehen“. Sie richten den Appell an die Hamelner in der heutigen Sitzung (16 Uhr im Sitzungssaal im Hamelner Rathaus) und dann am 21. März in der Sitzung des Rates, „mit dem notwendigen Weitblick verantwortungsvoll und im Sinne aller Schülerinnen und Schüler zu entscheiden“.



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